Operation Rubikon

Jahrzehntelang verließen sich Regierungen in aller Welt auf die Verschlüsselungstechnik der Schweizer Firma Crypto AG.

Was die Regierungen nicht wussten: die Firma befand sich offensichtlich seit 1970 im Besitz des deutschen Bundesnachrichtendienstes und der US-amerikanischen CIA, die in der Lage waren, die Verschlüsselungen zu umgehen und so Geheiminformationen mitzulesen, die von Regierungen weltweit kommuniziert wurden.

Soweit so gut. Soweit zu schlecht.

Gestern hörte man im Heute-Journal, Bundesinnenminister Horst Seehofer wolle, dass gewisse Sicherheitsbehörden in bestimmten Fällen online Computer in Deutschland durchsuchen und beispielsweise auch bei WhatsApp mitlesen können.

Wenn man Derartiges hört, muss man vermuten, dass es solche Hintertüren auch heute bereits gibt. Bei den gängigen Messengern vermutlich, ebenso wahrscheinlich bei den gängigen Betriebssystemen für Computer und Smartphones. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden gilt dieses ja als äußerst wahrscheinlich.

Eine kleine Ausnahme dürfte beispielsweise der Messenger „wire“ sein, der aus der Schweiz stammt und Open-Source programmiert ist. Open source bedeutet, dass jeder Programmierer Einblick in den Quellcode hat und erkennen kann, ob dort Hintertüren eingebaut sind. Open source bedeutet somit das Aus für Hintertüren.

Aber wie auch immer, nach wie vor gilt: wenn etwas wirklich geheim bleiben soll, sollte man es nicht auf digitalen Medien speichern und auch nicht in der Nähe von Smartphones kommunizieren.

Warum das ganze Rubikon heißt? Vermutlich in Anlehnung an einen brisanten historischen Präzedenzfall. Gaius Julius Caesar hatte nämlich einst den Fluss Rubikon überschritten und war mit seinen Truppen auf Rom zu marschiert, um dort die Alleinherrschaft für sich militärisch zu erringen. Es war ihm gelungen.

Nun werden Sie vermutlich sagen oder denken, Sie hätten ja nichts zu verbergen?

Nun, ich habe auch nichts zu verbergen. Aber gefällt es Ihnen, wenn wildfremde Menschen, die in irgendeinem Nachrichtendienst sitzen, beispielsweise sämtliche Ihrer Fotos, die Sie auf dem Smartphone oder Computer oder in der Cloud haben, ansehen können, auch die Ihrer Kinder und Verwandten und Familien, auch private Fotos?

Falls Sie hier ein gewisses Unwohlsein empfinden, betrifft das Thema Sie – obwohl Sie nichts zu verbergen haben.

Sollten Sie hier aber immer noch entspannt sein, drucken Sie doch ein paar Ihrer Fotos aus und legen sie in der U-Bahn aus. Denn Sie haben ja nichts zu verbergen.

Mir zur Operation Rubikon lesen Sie hier.