Being Julian Assange

Der Gründer der Whistleblower Plattform WikiLeaks, Julien Assange, sitzt in Großbritannien in einem Hochsicherheitsgefängnis, das von einigen Leuten auch als das britische Guantanamo bezeichnet wird.

Der UN-Sonderberichterstatter für das Thema Folter, Nils Melzer, konnte mit Julian Assange im Gefängnis sprechen und erhebt Vorwürfe gegen die Haftbedingungen. Die Einzelhaft, der Assange seit längerem ausgesetzt war, sei psychische Folter, dementsprechend wirke Julian Assange desorientiert und psychisch extrem belastet.

Assange wird unter anderem zur Last gelegt, geheimes Material des US-Außenministeriums ungeschwärzt auf der WikiLeaks Plattform verbreitet und damit auch Menschenleben gefährdet zu haben.

Bekannt geworden ist WikiLeaks auch besonders dadurch, dass im Jahre 2010 ein Video online gestellt wurde, auf welchem zu sehen war, wie US-Soldaten in Bagdad von einem Militärhubschrauber aus auf unbewaffnete Zivilisten schießen und diese töten, einige davon waren Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. Dies war zunächst vom US-Militär heftig dementiert worden, durch die Materialien von WikiLeaks musste das Militär dann aber das Offensichtliche eingestehen.

Julian Assange folgte mit seiner schonungslosen Offenlegung geheimer Dokumente im Grunde einer Pflichtethik nach Immanuel Kant. Dieser hätte gesagt, wenn es als allgemeines Gesetz gelten könne, dass man die Wahrheit sagen muss, dann muss man immer und überall die Wahrheit sagen, unabhängig von den Folgen.

Aus ethischer Sicht spielt bei der Bewertung einer solchen Tat dann noch die Absicht eine Rolle. Wenn man mit guter Absicht und innerer Zustimmung dieser Pflichtethik folgt, indem man die Wahrheit der Welt zugänglich macht, wird eine derartige Handlung im Rahmen der kantschen Pflichtethik als ethisch gut bezeichnet.

Allerdings ist die Realität natürlich etwas komplizierter. Denn wie wir wissen, kann nicht jeder mit der Wahrheit umgehen. Es kann also durchaus sein, dass die Veröffentlichungen der ca 250.000 geheimen Dokumente tatsächlich Menschen und Menschenleben gefährdet haben. Möglicherweise sind durch diese Veröffentlichungen sogar Menschen zu Tode gekommen.

Würden sich alle Menschen an die kantsche Pflichtethik halten, würde diese Art der Ethik natürlich funktionieren. Da das aber viele Menschen nicht tuen, sind dieser ethischen Haltung in der Realität Grenzen gesetzt.

Auf Julian Assange wartet nun aufgrund des Vorwurfs der Spionage, sofern er an die USA ausgeliefert werden sollte, eine Haftstrafe von 175 Jahren. Er dürfte also, wenn es extrem gut läuft und die Lebenserwartung in den nächsten Jahrzehnten unerwartet noch steigen sollte, als ziemlich alter Mann aus dem Gefängnis wieder herauskommen. Aber davon kann man natürlich nicht ausgehen.

Es wird insgesamt von vielen auch so gesehen, dass an Julien Assange ein Exempel statuiert werden soll, um Whistleblowern einen Riegel vorzuschieben. Denn, wie gesagt, Geheimdokumente sind nicht ohne Grund geheim, sie können durchaus die nationale Sicherheit gefährden, wenn sie in die Öffentlichkeit gestellt werden. Andererseits ist es so, dass durch die Geheimhaltung Wahrheiten nicht ans Licht kommen, die aber dringend ans Licht gehören würden. Ein Spagat.

Zum Impeachment Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump hatten übrigens auch die Informationen von Whistleblowern geführt. Da dieses Impeachment-Verfahren aber im Sand verlaufen ist, dürfte dies die Zivilcourage von Whistleblowern nun doch ziemlich ausgebremst haben. Sollte nun Julian Assange wirklich zu seinen 175 Jahren Gefängnis verurteilt werden, hieße das wohl, dass sich künftig wohl kein Whistleblower weltweit mehr trauen dürfte, geheime und relevante Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Mehr zum Thema können Sie hier nachlesen.