War Hitler böse?

Ein bisschen stört mich manchmal die Sichtweise von Psychologen, wenn sie über Gut und Böse reden.

Denn Gut und Böse sind eigentlich keine psychologischen Begriffe. Ein Psychologe oder Psychotherapeut beschreibt so etwas anders. Er würde sagen, Hitler hätte vielleicht ein „auffälliges Verhalten“ gehabt, und dann würde der Psychologe sich überlegen, was da alles schief gelaufen ist und was man dagegen tun könnte. Das, was man landläufig als böse bezeichnet, wäre beim Psychologen das „auffällige Verhalten“.

Gut und Böse sind eine theologische Kategorie. Gut aus christlicher Sicht ist das, was im Einklang mit dem Willen Gottes ist. Wer also Menschen tötet, verstößt beispielsweise gegen die zehn Gebote. Er tötet zugleich auch ein Ebenbild Gottes, wenn er Menschen tötet, denn Gott hat die Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen. Böse ist also das, was das menschliche Zusammenleben stört, den Frieden, der zwischen den Menschen herrschen sollte. Böse ist das, wo sich der Mensch über den anderen erhebt und ihm weniger Rechte zubilligt als sich selber. Und theologisch gesehen kann man sagen: Hitler war nicht nur böse, er war sogar sehr böse. Das Böse hatte von ihm Besitz ergriffen.

Denn ein weiterer biblischer Gedanke ist, dass der Mensch in einem gewissen Rahmen die Möglichkeit hat, sich für oder gegen das Gute oder das Böse zu entscheiden. Einerseits ist er keine Marionette Gottes, andererseits aber ist er auch nicht völlig frei in dieser Entscheidung, was man am Beispiel des reichen Jünglings sieht, der Jesus nachfolgen will.

Der reiche Jüngling, also der reiche junge Mann, sagt, er lebe bereits nach Gottes Gesetz und fragt Jesus, was er denn tun solle, um in das Reich Gottes zu kommen.

Jesus antwortet ihm: verschenke deinen Reichtum an die Armen und folge mir nach.

Der reiche junge Mann könnte dies natürlich tun, er will es aber nicht. Hier ein Aspekt, den Sören Kirkegaard aufgreift: der menschliche Wille. Manchmal will man Dinge nicht. Man könnte sie tun, man will aber nicht. Man will dem anderen Menschen vielleicht nicht die gleichen Rechte zugestehen, wie sich selber. Und dazu braucht man überhaupt kein Hitler zu sein, denn es geht auch tausend Nummern kleiner. Bei jedem Streit, den man hat, geht es im Grunde um die Frage, ob man im anderen Menschen, im Mitmenschen, ein Ebenbild Gottes erblicken kann, mit dem man eben anständig umgeht. Ein Ebenbild Gottes, dem man genau dieselben Rechte zugesteht, wie sich selber.

Können Sie das? Können wir das? Es ist schwer.

In diesem Zusammenhang sei auf einen Film verwiesen, der gerade in den deutschen Kinos anläuft und der das schreckliche Schicksal einer jüdischen Familie auf der Flucht aus dem Hitler-Deutschland thematisiert, freigegeben ab 0 Jahren: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Das Buch zum Film stammt von Judith Kerr, es ist ihre eigene Geschichte, die sie dort aufgeschrieben hat. Sehr sehenswert. Sehr sehenswert auch deswegen, weil es ja auch heutzutage wieder Strömungen gibt, die anderen Menschen ihre Rechte absprechen wollen. Nur, wer sich erinnert, kann verhindern, dass Derartiges wieder passiert.

11 Thoughts

  1. Erst gestern habe ich begonnen, Eure interessanten Beiträge zu lesen.

    Die jetzige Corona Situation ist wie die Folge einer bösen Tat. Schlimm ist es, wenn der Mensch genau weiß, dass er durch sein Tun den Tod für seine Mitmenschen in die Welt trägt. Ein solcher Mensch wird niemals demütig sein können. Sein Ego ist viel zu groß. Die kirchliche Macht ist auf dieser Welt leider noch nicht eingeschränkt. Es gibt viele Sekten auf dieser Welt. Die katholische und evangelische Kirche reihe ich dort ein. Maßgeblich ist auch der asiatische Aberglaube, für den alles gegessen wird, was sich bewegt. Die Maßlosigkeit der Menschheit treibt immer wieder neue Krankheiten in die Welt. Wir alle treiben Unzucht mit ihr, indem wir die Erde und andere Menschen ausbeuten.

    Der Mensch in der biblischen Welt der Schöpfungsgeschichte lebte instinktiv und hatte noch kein Bewusstsein für die materielle Welt. Luzifer beherrscht diese Welt. Die Schlange ist ja das Tier, das dem Materiellen am Nächsten kommt, weil es im Staub kriecht.

    Die Schlange hat der Welt etwas zu bieten: die unendliche Entwicklung des Menschen. Der Mensch hat keine Wahl, er muss diesen Weg gehen.

    Schlange und Messias haben in der Kabbala die gleiche Summe, den gleichen Zahlenwert.
    Das hebräische Wort für Schlange ist „nachasch“ = 50-8-300 = 358.
    Messias im hebräischen „maschiach“ = 40-300-10-8 = 358.
    Das sind die zwei Seelen, die in der Brust der Menschen vorhanden sind.

    Was ist die List der Schlange? Sie verspricht den Menschen eine Erlösung nach Maßstäben dieser Welt.
    Wozu das Ganze? Damit der Mensch bis zum Punkt des Sich-verloren-Fühlens gebracht wird. Dann erst sieht er ein, dass der Weg der Schlange der falsche war, denn er führt geradewegs in die Katastrophe. Sein Leben und die Welt stürzen zusammen.

    Alles war von Anfang an zum Guten eingerichtet. Erkennen muss der Mensch das selber.

    Gott hat schon gewusst, warum der Mensch vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen nicht essen sollte. Weil der Mensch aß, ist der Tod in die Welt gekommen, damals im Paradies…
    und jetzt wieder.

    Ich wünsche Gesundheit und ein schönes Wochenende!

    Herzliche Grüße
    Gisela

    P.S.: War Judas gut oder böse?

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  2. Danke für deine interessanten Gedanken und schön, dass du hier bist! Das mit der Zahlensymbolik ist ja interessant, wobei ich nicht so in der Zahlenmystik drin bin.

    Ich denke, die Paradieserzählung soll sicher auch exemplarisch deutlich machen, wie die Welt und der Mensch beschaffen ist. Der Mensch hat die Möglichkeit, sich zu entscheiden, zum Guten oder zum Schlechten. da der Mensch erkennt, dass es Gutes und Böses gibt, ist für ihn automatisch das Paradies zu Ende, seit er diese Unterscheidung treffen kann.
    Ob Judas nun gut oder böse war, schwer zu sagen. Es gibt diesbezüglich ja auch den Gedanken in den Evangelien, dass es so habe kommen sollen, dass Jesus ausgeliefert wurde. Insofern musste ihn ja jemand ausliefern. Das würde dann allerdings dem freien Willen widersprechen, wenn Judas dies im Rahmen eines göttlichen Plans gemacht hätte, möglicherweise gegen seinen eigenen Willen. Das könnte dann eigentlich auch nicht sein.

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  3. Vielen Dank für Deine schnelle Antwort.
    Wir stimmen in allem überein. Vielleicht dürfen wir generell nur die böse Tat beurteilen, nicht den Täter. (?) Judas Geldgier war sicherlich Anlass für seinen Verrat. Ich denke schon, dass er Jesus liebte, aber er hatte dessen Plan auszuführen. Das ist eine wahre Denkaufgabe, und wenn es wirklich so war, von Judas eine wahre Liebestat.

    Eine Denkaufgabe ist auch die Bibel. Vor allem das alte Testament. Man muss schon in die hebräischen Überlieferungen hineingehen, damit sich das Wort öffnet. Die Kabbala ist verblüffend. Hierzu ist die Lektüre von Friedrich Weinreb anzuraten. Wenn man „Schöpfung im Wort“ studiert, wird manches erst sichtbar und klar.

    Zum Thema ‚Paradies‘ finde ich Friedrich von Schillers Beschreibung zutreffend:
    „Dieser Abfall des Menschen vom Instinkte, der das moralische Übel zwar in die Schöpfung brachte, aber nur um das moralisch Gute darin möglich zu machen, ist ohne Widerspruch die glücklichste und größte Begebenheit in der Menschheitsgeschichte; von diesem Augenblick her beschreibt sich seine Freiheit….“

    Dir noch einen schönen Abend!

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  4. Sehe ich ebenso, daß sich der Judas als Protagonist einer großartigen Show angeboten hatte. Der Kuß: dramatisch, scheinbar verräterisch, authentisch.

    Die „30 Silberlinge“? Wohl eher ein Symbol, denn Raffgier. Wer so lange mit einem Mann wie Jesus unterwegs ist, fühlt sich nicht von Albernheiten angezogen. Ausgeschlossen.

    Wie ich hörte, wird der Mann in einigen Gebieten der Erde als Heiliger verehrt.

    Nice weekend!

    Zu Projektion und Feindbild:
    https://philosophischereplik.home.blog/2020/03/14/projektion/

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  5. Unbekannt: „geht es im Grunde um die Frage, ob man im anderen Menschen, im Mitmenschen, ein Ebenbild Gottes erblicken kann, mit dem man eben anständig umgeht. Ein Ebenbild Gottes, dem man genau dieselben Rechte zugesteht, wie sich selber.“

    Unbekannt: „…mit dem man eben anständig umgeht“

    Wir dürfen mit allen Menschen „anständig umgehen“! Ausnahmslos.
    (Auch mit den anderen Wesen. Ausnahmslos!)

    ALLE Menschen sind
    Ebenbilder des Einen.

    Auch die Schurken. Das bedeutet jedoch nicht, daß es keiner Regeln bedürfte. Gelegentlich müssen auch Ebenbilder Gottes eingesperrt werden – wenn sie Unheil anrichten. Liebhaben dürfen wir sie aber weiterhin. 💚

    Gefällt 2 Personen

  6. Unbekannt: „Nur, wer sich erinnert, kann verhindern, dass Derartiges wieder passiert.“

    Das ist Quark. Wäre wahr, was du sagst, wären die Gefängnisse leer und spätestens nach dem 30-jährigen Krieg hätte kein Gemetzel mehr stattgefunden.

    Die einzelnen Menschen und Völker wollen nicht „aus der Geschichte lernen“, sondern ihre eigenen Erfahrungen machen.

    Wir haben andere Lernfelder: So müssen wir verhindern, daß wir durch unser Tun den Boden (im Wortsinn) verwüsten und damit den Planeten schädigen und uns und vielen Tieren die Lebensgrundlagen zerstören.

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  7. Die Geschichte des Krieges immer wieder zu reflektieren ist aber auch eine Aufgabe, die eine Gesellschaft immer wieder angehen sollte. Um zukünftige Kriege zu verhindern.

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