Die Deutschen schätzen offenbar Trump als größere Gefahr für den Weltfrieden ein als Putin. Zu Recht?

Die Deutsche Presse-Agentur gab bei dem Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Umfrage in Auftrag, an welcher 2024 Deutsche im Dezember 2019 teilnahmen. Das Ergebnis ist wie folgt:

41 Prozent der Befragten sagten, Trump sei von diesen fünf Persönlichkeiten die größte Gefahr für den Weltfrieden. 17 Prozent entschieden sich für Kim, jeweils 8 Prozent für Putin und Chamenei sowie 7 Prozent für Xi.

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Wie kann das sein?

Dass Kim Jong Un aus Nordkorea als nicht so gefährlich eingeschätzt wird, dürfte an der großen Distanz zwischen Nordkorea und Deutschland liegen und daran, dass Nordkorea offensichtlich noch keine nuklearen Langstreckenraketen besitzt, die Europa treffen könnten.

Ähnliches dürfte wahrscheinlich auch für Chamenei im Iran gelten.

Chinas Präsident Xi Jinping steht zwar für ein politisches System, in dem es nur eine einzige Partei gibt, aber China ist auch weit weg und zudem lieben die Deutschen natürlich preiswerte Produkte aus China. Außerdem werden beispielsweise die Elektroautos in China gefördert, um der Umweltverschmutzung einigermaßen Herr werden zu können. Die Deutschen sind ja nun auch ins Elektroautogeschäft eingestiegen und exportieren zudem äußerst gerne ins Ausland. Das dürften Gründe sein, weshalb China als nicht sonderlich beunruhigend wahrgenommen werden dürfte.

Wie sieht es aber aus mit Donald Trump? Er hat ja gerade das Impeachment-Verfahren am Hals, weil man ihm vorwirft, er habe den ukrainischen Präsidenten im Austausch gegen US amerikanische Militärhilfen um Hilfe im eigenen Präsidentschaftswahlkampf gebeten. Zudem ist der aus dem internationalen Klimaschutzabkommen ausgestiegen.

Auch ansonsten bietet Donald Trump sicherlich einiges an Angriffsfläche, aber möglicherweise ist nicht alles so geeignet, um sich tatsächlich vor ihm zu fürchten. Die Mauer, die Trump nach Mexiko baut, ist im Grunde eine Außengrenze. Die EU hat auch die Balkanroute dicht gemacht und versucht durch ihre Politik, die Zahl der Flüchtlinge, die über die Mittelmeerroute kommen und immer noch in nicht ganz geringer Zahl im Mittelmeer ertrinken, zu senken. Das ist auch eine Mauer.

Donald Trump hat Handelskriege begonnen, beispielsweise gegen China und die EU. Andererseits muss man sagen, dass er kein Freund von echten Kriegen zu sein scheint. Aus Afghanistan hat er viele US Truppen abgezogen, aus Syrien ebenfalls. Genau genommen hat er bislang überhaupt keinen echten Krieg begonnen.

Trump findet offenbar die NATO nicht mehr obsolet und hat es aber geschafft, dass die NATO Mitgliedsländer ihre Beiträge endlich erhöht haben, zumindest viele von ihnen. Das macht Sinn und ist im Grunde ein Erfolg.

Donald Trump hat es zwar geschafft, einen republikanischen Richter in den Supreme Court zu bringen, allerdings ist der Supreme Court dem Rechtsstaat verpflichtet. Und selbst, wenn Donald Trump eine weitere Amtszeit erreichen würde, wäre nach zwei Amtszeiten sicherlich Schluss. Denn die Rechtsstaatlichkeit in den USA dürfte nach wie vor funktionieren. Sollten jedoch die Unkenrufe Recht behalten, dass der Rechtsstaat in den USA ausgehöhlt werden könnte, dürfte das Alter des Präsidenten, er ist gerade 73 Jahre alt, hier eine natürliche Grenze bilden.

Wie schaut es aber mit dem russischen Präsidenten Putin aus? Er ist eigentlich derjenige, der tatsächlich militärisch Grenzen in Europa verschiebt. In Syrien unterstützt er militärisch Diktator Assad, der mit brachialer Gewalt gegen sein eigenes Volk vorgeht, in der Ukraine führt er seit Jahren einen verdeckten Angriffskrieg im Osten, die ukrainische Halbinsel Krim hat er in einem offensichtlich völkerrechtswidrigen Referendum ins russische Reich eingegliedert. Ihm wird zur Last gelegt bzw es wird zumindest vermutet, dass russische Trolle und Bots ihre Hand bei der US-Präsidentschaftswahl und möglicherweise auch beim Brexit im Spiel hatten. Zudem wird angenommen, dass russische Gelder im Auftrag des Kremls an rechtspopulistische oder teils rechtsextreme Parteien in der EU fließen, wie beispielsweise an die deutsche AFD oder den französischen Front National, vermutlich um die Gesellschaften zu destabilisieren. Und dann gibt es ja noch das Baltikum, das Sorge hat, möglicherweise auch von Russland gegen den eigenen Willen annektiert zu werden. Nicht umsonst hat die NATO die sogenannte schnelle Eingreiftruppe ins Leben gerufen.

Es steht daher zu vermuten, dass die 2024 Befragten der Studie nicht genau nachgedacht haben könnten, als sie antworteten, oder dass die Zahl der Befragten zu niedrig gewesen sein könnte, um repräsentativ zu sein.