Eine Weihnachtspredigt: Hoffnung in dunklen Zeiten

Stellen Sie sich vor, es ist das Jahre 90 nach Christus und es ist Weihnachten. Alles ist gut, oder?

Naja, vielleicht nicht ganz alles. Der amtierende Kaiser heißt Domitian. Und der nennt sich „dominus et deus noster“. Das heißt soviel wie „unser Herr und Gott“. 

Dieser Kaiser sieht sich also selbst als Gott und lässt sich als Gott verehren.

Vielleicht ist es aber auch schon etwa 100 nach Christus. Der römische Kaiser, der dort regiert, heißt Trajan. Fast überall im römischen Reich gibt es mittlerweile Christen. Aber so richtig gerne gesehen sind sie nicht, zumindest nicht von den römischen Kaisern. 

Warum nicht? Weil der Kaiser gerne eine Art Gott sein möchte. Und weil er außerdem möchte, dass man auf jeden Fall die römischen Götter verehrt. Wenn man daneben dann noch einen anderen Gott verehrt, soll das in Ordnung sein. Aber die römischen Götter sind das wichtigste. Sie muss man verehren, und ganz besonders muss man den Kaiser verehren.

Damit haben die Christen ein Problem. Denn das erste Gebot lautet: ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Würden Sie sagen, hier könnte sich ein kleines Problemchen ergeben?

Ja, das war tatsächlich ein Problem. Nach und nach entwickelte sich im römischen Reich ein Klima der Angst, aber praktisch nur für die Christen. Sie wurden immer stärker verfolgt. Oft kamen sie bei diesem Verfolgungen ins Gefängnis oder wurden vom römischen Staat ermordet.

Weihnachten im Jahre 100 nach Christus war also nicht so wirklich entspannt. Zumindest nicht, wenn man Christ war.

In diese Zeit der großen Unsicherheit hinein schreibt jemand, den wir Johannes nennen, etwas, das Hoffnung geben soll. Wir nennen diese Schrift heute die Offenbarung des Johannes.

Diese Schrift schickt Johannes an viele christliche Gemeinden in Griechenland und Kleinasien, also der heutigen Türkei.

Johannes sagt, auch, wenn es jetzt dunkel ist, lasst euren Mut nicht sinken! Gott wird kommen und euch neuen Mut schenken! Gott wird euch neue Freude schenken! Der Himmel wird sich öffnen!

Weihnachten 2019. Heute werden wir nicht mehr verfolgt als Christen. Zumindest nicht in Europa. In anderen Ländern der Welt durchaus. Aber in Europa nicht.

Wenn wir heute Weihnachten feiern, dann feiern wir, dass Gott sich uns Menschen gezeigt hat. In einer Zeit, die auch heute unruhig ist. Heute ist nicht Verfolgung unser Problem. Wir haben andere Probleme. Was wird aus dem Klima? Werden unsere Kinder, werdet ihr, wenn ihr einmal groß seid, noch eine Welt vorfinden, in der das Klima so ist, dass man gut leben kann?

Und wir haben heute auch noch andere Probleme. In der Schule, in der Arbeit, Probleme in Beziehungen, Probleme angesichts von Krankheit und Tod. Das Leben von uns Menschen ist auch ein Leben mit Problemen.

Was hat das mit Weihnachten zu tun?

Zu Weihnachten bekommen wir Hoffnung. Zu Weihnachten merken wir, wir sind nicht allein im Universum, in der eiskalten Unendlichkeit. 

Es gibt einen Sinn, weshalb wir hier auf der Erde sind. Gott hat es so gewollt. Er hat den Menschen das Leben geschenkt. 

Und er hat sich uns Menschen in einem Menschen selbst gezeigt, in Jesus Christus. Er hat sich in einem Menschen gezeigt, damit wir überhaupt ansatzweise ein bisschen verstehen können, wie er ist, dieser Gott: 

Er ist gütig, er ist liebevoll. Er ist die Liebe. Und er will uns Hoffnung geben in all dem Dunkel unserer Zeit. 

Er will uns sagen, du bist geliebt. Du bist sehr viel wert. Du bist gebraucht. Wenn es dich nicht gäbe auf der Welt, dann würde etwas ganz Entscheidendes fehlen. Du bist ein Gedanke Gottes.

Und Gott will uns noch eine weitere Hoffnung geben, die für viele Menschen sehr wichtig ist. Die Hoffnung, dass es nach dem Tod weiter geht. Dass wir nicht in ein kaltes Nichts fallen, nicht in unsere Atome zerstauben, sondern das, was uns ausmacht, dass das weiterlebt bei Gott. Wir nennen es heute oft Seele.

Weihnachten, das ist Hoffnung. Das ist eine Hoffnung, die wir Christen an andere Menschen weitergeben sollen. Darum heißt der neue Teil der Bibel, der von Jesus handelt, Evangelium. Evangelium heißt übersetzt: die gute Botschaft. 

Diese gute Botschaft von der Hoffnung, dass wir niemals tiefer als in die Hände Gottes fallen können, sollen wir, so sagt es Jesus, in alle Welt tragen. 

Wir sollen allen Menschen diese Hoffnung geben. Und ja, wir erfahren bisweilen, dass Menschen diese Hoffnung nicht annehmen können, dass sie wütend werden, wenn sie von dieser Hoffnung hören, dass sie aus ihrer Verzweiflung nicht hinaus können. 

Und dennoch, Weihnachten heißt, dass es Hoffnung gibt. Eine Hoffnung, die wir Menschen anderen Menschen mit auf ihren Lebensweg geben sollen. Gerade auch dann, wenn es Anderen nicht gut geht. Wenn Menschen verzweifelt sind. 

Denn das ist Weihnachten. Dass die Verzweiflung nicht die Oberhand haben wird. Niemals. Sondern die Hoffnung. Amen.

9 Gedanken zu “Eine Weihnachtspredigt: Hoffnung in dunklen Zeiten

  1. Warum so viel die „Hoffnung“ reiten? Warum so depressiv?

    Die Begriffe „Gewissheit“ und „Zuversicht“ geraten schon fast in Vergessenheit. Wo bleibt die „Frohe“ Botschaft?

    Ist es „unseriös“, wenn ich Friedrich Nietzsche zitiere? Ich versuch´s mal. Er sagt:

    „Wir können in keinen Abgrund fallen, außer in den der Hände Gottes.“

    Recht hat er.

    Festtagsgrüße ✨
    von Nirmalo

    Gefällt 1 Person

  2. Oft wird Einiges nicht verstanden – wohl weil den Kirchen die Spiritualität (hl. Geist) abhanden gekommen ist – und nun versuchen die Predigenden, den Inhalt auf ihr Verständnis herunter zu brechen.

    Theolounge: „Diese gute Botschaft von der Hoffnung, dass wir niemals tiefer als in die Hände Gottes fallen können, sollen wir, so sagt es Jesus, in alle Welt tragen.“

    Warum dem Jesus einen Satz des Friedrich Nietzsche in den Mund legen und ohne den Mann zu erwähnen? Jesus konnte sehr gut selber sprechen. Auch in den Predigten sollte seriös zitiert werden.

    ◾ Dankbarkeit, Vertrauen, Zuversicht, Gewißheit… sind Zweige der Liebe.
    ◾ Hoffnung (die Schwester von Verzweiflung und Hader)… ist ein Zweig der Angst.

    Keine Ahnung, warum jemand zu Weihnachten die Angst predigt. 🤗

    – Nirmalo

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