Überwachung durch die Geheimdienste. Wie sich die Zeiten ändern

Früher war manches besser. Als beispielsweise die Geheimagenten noch persönlich vorbeischauten.

Montags in der Nacht, zwischen 2 Uhr und 5 Uhr, kam in der Regel Agent Smith von der NSA auf seinen wöchentlichen Kurzbesuch vorbei. Dienstags dann Herr Molotow vom russischen Geheimdienst, mittwochs Herr Ying von den Chinesen, freitags der Herr Wong aus Nordkorea und samstags noch andere Agenten, bei denen ich mir allerdings die Namen nicht gemerkt hatte, denn die hatten es immer so eilig und außerdem war es ja geheim. Ich glaube, ab und zu war auch jemand vom Bundesnachrichtendienst mit dabei, irgendein Herr Schmidt, sofern er nicht gerade mal wieder die Schlüssel verlegt hatte.

Danach gingen die Herren Agenten, die man um ihre Nachtarbeit nicht beneiden machte, dann zu den Nachbarn weiter und so durch die ganze Straße. Jeder hatte unseren Hausschlüssel und konnte so ganz bequem und ohne uns zu stören Zugang zu den Dokumenten haben, die wir jeweils dann auch immer schon bereitgestellt hatten. Damit das Ganze aber nicht so unpersönlich war, stellten wir im Winter beispielsweise noch etwas Adventsgebäck auf einem Teller in den Flur und eine Thermoskanne mit warmen Tee oder Glühwein. Im Sommer manchmal Erdbeerbowle und im Herbst mal den ein oder anderen Whiskey. Die Agenten bedankten sich auf ihre dezente Art, indem sie äußerst leise und rücksichtsvoll die Tür wieder schlossen, wenn sie gingen.

Aber heute ist irgendwie alles anders. Heute bekommt man es ja gar nicht mehr mit, wer sich gerade unsere Dokumente durchschaut, weil alles online ist. Das ist schon irgendwie schade. Da ist echt was verloren gegangen.

Tja, so ist das, je weiter die Technik voranschreitet, desto sporadischer die zwischenmenschlichen Kontakte.

Wobei man andererseits auch zugeben muss, dass es heutzutage doch auch in mancherlei Hinsicht einfacher geworden ist. Man braucht nur einmal das falsche Wort auf Facebook einzugeben, schon erhält man wieder eine E-Mail von Agent Smith mit einer inhaltlichen Nachfrage. Oder von Herrn Molotow. Oder Herrn Ying. Und so weiter.

Ganz ist der Kontakt also glücklicherweise doch noch nicht abgerissen. Wäre ja auch schade, wo er über all die Jahre so gewachsen ist und wir so viel in diesen Kontakt investiert haben.