Die USA wollen „Nord Stream 2“ durch Sanktionen stoppen. Was ist der Grund?

In seltener Einigkeit verfolgen in den USA sowohl die Republikaner als auch die Demokraten dasselbe Ziel. Der Bau der Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland für die Gaslieferung nach Deutschland im großen Stil soll durch Sanktionen kurz vor der Fertigstellung gestoppt werden.

2100 km des Doppelstrangs der Pipeline sind bereits gebaut worden, 300 km fehlen noch. Die USA wollen nun besonders die Betreiber der Spezialschiffe, welche die Rohre unter Wasser verlegen, durch Sanktionen an der Fertigstellung des Bauwerkes stoppen. Zudem soll ihren Managern und Hauptaktionären die Einreise in die USA verweigert werden können.

Donald Trump hat in dieser Hinsicht besonders wirtschaftliche Gründe im Blick, weil er Deutschland US-amerikanisches Flüssiggas verkaufen möchte.

Den Demokraten geht es mehr darum, Putin zu bestrafen. Hintergrund hierfür ist, dass Russland seit Ende 2014 einen verdeckten Angriffskrieg in der Ostukraine führt und sich zudem völkerrechtswidrig die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt hat. Wer Grenzen in Europa militärisch verschiebt, den sollte man nicht noch durch einen groß angelegten Gashandel mit westlichen Devisen versehen, welche dann von Russland für die weitere Kriegsführung und militärische Aufrüstung ausgegeben werden können.

Nord Stream 2 würde zudem die Länder Ukraine und Polen umgehen, was besonders für die Ukraine ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen würde.

Zum einen hätten beide Länder wirtschaftliche Einbußen, weil die Transitgebühren für den Gastransport entfallen würden.

Allerdings wäre auch die nationale Sicherheit bedroht, zumindest von der Ukraine. Polen nämlich ist Mitglied der NATO, ein russischer Angriff auf Polen ist somit ziemlich unwahrscheinlich und würde, zumindest sofern die NATO auch weiterhin Einigkeit demonstriert, einem Selbstmordkommando gleichen.

Die Ukraine hingegen ist nicht in der NATO und kämpft schon seit Jahren mit dem verdeckten russischen Angriffskrieg im Osten. Bräuchte Russland nach Fertigstellung von Nord Stream 2 allerdings die ukrainischen Pipelines nicht mehr, um Gas in die EU zu exportieren und somit an westliche Devisen zu kommen, wäre auch die Sicherheit der Ukraine mit einem Schlag massiv bedroht. Russland könnte seinen verdeckten Angriffskrieg auf weite Teile der Ukraine ausweiten, ohne befürchten zu müssen, sich selbst den finanziellen Ast, auf dem es sitzt, abzuwägen, falls nämlich im Rahmen von Kriegshandlungen Pipelines beschädigt werden würden.

Nord Stream 2 ist für Deutschland wirtschaftlich attraktiv, für die Ukraine bedeutet die Fertigstellung dieser Pipeline möglicherweise einen groß angelegten russischen Angriffskrieg.

Der verdeckte russische Angriffskrieg auf die Ostukraine hat bisher knapp 14.000 Tote und etwa 3,5 Millionen Binnenflüchtlinge innerhalb der Ukraine verursacht. Würde Russland tatsächlich weite Teile der Ukraine angreifen, wären es wohl kaum noch Binnenflüchtlinge, sondern Flüchtlinge, die in die EU drängen würden, um sich zu retten. Und wir wissen ja, wie unentspannt beispielsweise Deutschland mit dem Thema Flüchtlinge umgeht. Verspricht sich Deutschland wirtschaftlich aktuell durch Nord Stream 2 noch Vorteile, könnten diese sich ganz schnell in einen großen Nachteil umkehren.

dann sind wir mal ehrlich, Nord Stream 2 bräuchte es nicht. Die Baukosten sind gigantisch, die Kosten für den Unterhalt der gewaltigen Pipeline dürften auch nicht gerade gering sein. Stattdessen könnte man weiterhin einfach die Transitgebühren an die Ukraine und Polen zahlen. Die Gaslieferung die EU funktioniert über diese Länder bereits und wäre auch weiterhin gesichert.

Weshalb will man das nicht? Aus russischer Sicht wohl deswegen nicht, weil man durch Nord Stream 2 mit der Ukraine politisch und militärisch ein viel leichteres Spiel hätte. Und sollte es hart auf hart kommen und Russland tatsächlich militärisch gegen weite Teile der Ukraine vorgehen, hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Flüchtlinge würden die EU destabilisieren, und wenn die EU destabilisiert ist, heißt das im Umkehrschluss, dass Russland stark ist.

Ach, das würde Putin doch nie machen, oder? Der ehemalige KGB Offizier und mittlerweile russische Präsident auf Lebenszeit hat schon ganz andere Dinge gemacht. Er sagt weiß und mein schwarz. Er eignet sich die Krim an, behauptet aber, Russland habe damit nichts zu tun. Er führt Krieg in der Ostukraine, aber nein, russische Soldaten seien da gar nicht involviert. Und russisches Gerät auch nicht. Naja, bis vielleicht auf die eine russische BUK-Rakete, die das niederländische Passagierflugzeug mh17 abgeschossen hatte. Die Beweislast gegen Russland ist ja mittlerweile erdrückend.

Wer glaubt, Deutschland liege nicht im Handlungsfeld russischer Machtpolitik, werfe kurz einen Blick auf den Mord an einem Georgier, der kürzlich in der Landeshauptstadt, in Berlin, stattgefunden hat. Die Bundesstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen an sich gezogen, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Auftragsmord ausgeht, der seinen Ursprung im Kreml hatte.

Es lohnt sich eben, wenn man die Hintergründe dieser Angelegenheit kennt. Nord Stream 2 könnte für Deutschland und die EU auf den zweiten Blick immens teuer werden.