Paris. Wenn der Wladimir mit dem Wolodymyr spielt

In Paris trifft sich zur aktuellen Stunde noch das sogenannte Normandie-Format, um über den russischen Angriffskrieg in der Ostukraine zu beraten.

Beraten ist vielleicht ein wenig das falsche Wort, weil Russland ja eigentlich einfach seine Unterstützung für die sogenannten Separatisten beenden müsste, dann gäbe es auch keinen Krieg mehr in der Ostukraine. Diesen Krieg könnte man innerhalb eines Tages abschalten, wenn der werte Herr Putin aus Russland dies denn wollen würde. Will er aber nicht.

Zur Stunde sitzen in Paris also Angela Merkel, Emmanuel Macron, der russische Präsident und Kriegsherr Wladimir Putin und der neue ukrainische Präsident und frühere Komiker Wolodymyr Selensky an einem Tisch. Rauskommen soll irgendwie ein Friedensangebot von russischer Seite, wobei eigentlich keiner weiß, warum die Russen auf einmal Zugeständnisse machen sollten, wo ihr verdeckter Krieg für Putin doch ganz gut läuft. Gut 13.000 Menschen sind dem Krieg bislang schon zum Opfer gefallen. Aber menschliches Material ist von russischer Seite aus wohl kein Thema.

Dass die Wahrscheinlichkeit für einen spontanen und völlig unerwarteten Friedensschluss nicht allzu hoch sind, kann man wohl schon daran erkennen, dass Russland seit April 2019 125.000 russische Pässe in der Ostukraine verteilt hat. Es gilt weltweit als nicht äußerst höflich, wenn ein Feind sein potentiell zukünftiges Territorium schon einmal durch das Verteilen von Pässen abstecken möchte.

In Kyiv in der Ukraine gingen gestern 15.000 Menschen auf den Maidan, den Hauptplatz der Stadt, zudem viele Menschen in anderen ukrainischen Städten. Heute versammelten sich etwa 2000 Menschen vor dem Präsidentenpalast in Kyiv, weil sie Sorge haben, der neue ukrainische Präsident könnte sich von dem ehemaligen KGB Offizier und russischen Präsidenten Putin über den Tisch ziehen lassen, so dass die Ukraine am Schluss noch mehr von ihrem Territorium oder ihren Rechten verloren haben könnte. Unwahrscheinlich ist das leider nicht.

In Deutschland werden offenbar aktuell keine russischen Pässe verteilt, dafür allerdings Georgier umgebracht in Berliner Parks, die irgendwie der russischen Regierung nicht ins Konzept passen.

Deutschland derweil baut gut gelaunt an Nord Stream 2, der durch die Ostsee führenden deutsch-russischen Gaspipeline, die unter anderem durch den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerd Schröder initiiert wurde, welcher bei dem großen russischen Energieversorger Gazprom mittlerweile im Aufsichtsrat sitzt, rein zufällig versteht sich.

Die USA haben mittlerweile schon Sanktionen angekündigt für diejenigen deutschen Firmen, die am Bau dieser Pipeline beteiligt sind. Es könne doch nicht sein, dass Deutschland, dessen Bundeswehr völlig marode und nicht einsatzfähig ist, unter den NATO-Schutzschirm, der hauptsächlich durch die USA gewährleistet wird, kriecht, andererseits aber Russland für teures Geld das Gas abkauft, sodass Russland also westliche Devisen erhält, um damit seinerseits dann weiter militärisch aufrüsten und Kriege führen zu können.

Nach wie vor wird übrigens vermutet, dass russische Trolle und Bots maßgeblich ihre digitalen Finger im Spiel hatten bei der US-Präsidentschaftswahl und dem Brexit-Referendum.

Sind Europa und der Westen erst einmal destabilisiert, lebt es sich ganz schön ungeniert. Altes russisches Sprichwort. Und man sieht ja, wie Donald Trump und das Thema Brexit die westliche Welt seit Jahren beschäftigt. Man ist mit sich selbst beschäftigt. Soll der Putin noch mal machen, was er will. Dafür hat man gerade keine Zeit.

Die USA destabilisiert, die EU destabilisiert, die Ukraine destabilisiert. Sind die anderen schwach, ist Russland stark. Altes russisches Sprichwort.

21.30 Uhr. Die Verhandlungen in Paris sind beendet. Einer ist sehr zufrieden. Er heißt Putin.

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