Jimmy. Ein Besuch am Grab

Vor nicht allzu langer Zeit starb mein früherer Schulkamerad Jimmy, mit dem ich immer mal wieder übers Internet Kontakt hatte.

Gesehen hatte ich ihn letztes Jahr zum Abitreffen in etwa so um diese Zeit jetzt, kurz vor Weihnachten. Da war er schon recht krank, kämpfte aber wacker gegen seine Krankheit, aber sie hatte ihn ausgemergelt und klein und dünn werden lassen. Groß allerdings war sein Überlebenswille.

Falls noch nicht geschehen, so soll die Beerdigung im kleinen Kreise der Familie stattfinden, und die Familie bittet, dies zu respektieren. Eine Frau, drei Kinder, kein Mann mehr, kein Vater mehr.

Auch dieses Jahr soll wieder ein Abitreffen stattfinden, Thema wird wahrscheinlich auch Jimmy sein, der in Gedanken bei uns sitzen wird. Einige von denen, die sich da treffen, wollen zuvor noch auf den Friedhof gehen, um sich von Jimmy dort vor Ort symbolisch zu verabschieden. Verständlich und sicher eine schöne Geste. Und nicht nur eine Geste, sondern sicher auch eine gute und vernünftige Möglichkeit, um psychologisch einen Weg für sich selber zu finden, mit dem Thema umzugehen und zu realisieren, dass es eben nun so ist, wie es ist. Eine Möglichkeit, um selber seinen Frieden mit der traurige Sache finden zu können.

Ich wurde in diesem Zusammenhang gefragt, ob ich nicht ein paar religiöse Worte am Grab für Jimmy sprechen könnte.

Ich sage zunächst zu, dann sagte ich heute aber doch wieder ab, und zwar nicht, weil ich es nicht prinzipiell machen wollte, sondern weil mein Tag kurz vor Weihnachten dort schon so voll ist, dass ich es zeitlich kaum schaffen könnte, und falls doch, dann völlig abgehetzt. Und ich müsste ja auch noch etwas Qualifiziertes sagen, meine erste Grabrede. Bisher predigte ich in Gottesdiensten, an einem Grab predigte ich noch nie.

Ich schrieb dem früheren Schulkameraden, der mich diesbezüglich gefragt hatte, zurück, dass ich gerne am Abend vorbeikomme, es aber vorher wahrscheinlich nicht mehr auf den Friedhof schaffe, denn der Termin wäre schon am Nachmittag. Und nun überlege ich mir, ob das richtig ist.

Ich denke aber schon. Jimmy hat sich von mir und damit auch von den anderen auf sehr eindrückliche Weise verabschiedet, was für mich umso eindrücklicher war, als ich mit ihm immer wieder mal im Internet über das Thema Gott und Glauben diskutiert hatte, auch, wenn ich ihn so einschätze, dass er früher wohl mit Gott nicht allzu viel anfangen konnte, höchstens vielleicht aus philosophischer Distanz heraus. Andererseits diskutierte er mit mir zu diesem Thema. Es scheint also auch für ihn ein Thema gewesen zu sein. Aber dann, als die Krankheit kam, könnte sich der Bezug zu Gott natürlich verändert haben, er könnte wesentlich essentieller geworden sein. Ich hatte ja, es klingt jetzt komisch, eine Art Prophetie für Jimmy, die ich ihm auch mitgeteilt hatte, vielleicht hatte er sie gelesen, und darum ist es umso bedeutsamer, dass Jimmy sich nach seinem Tod verabschiedet hat.

Ich denke, da Jimmy und ich meistens eigentlich übers Internet kommuniziert hatten, wobei meistens ein relativer Begriff ist, denn wir haben nicht so extrem viel kommuniziert, aber wenn, dann relativ intensiv zu theologischen Themen, also ich denke, dass es deswegen in Ordnung ist, wenn ich ihn auf diesem Weg verabschiede. Ich habe ihm drei Artikel gewidmet nach seinem Tod, zwei, als er noch sehr krank war, und in einem dieser Artikel dann beschrieben, wie er sich verabschiedet hat.

All diejenigen, die Jimmy kannten, besonders in diesem Zusammenhang hier auch seine ehemaligen Schulkameraden und auch ich werden sicher immer mal wieder an ihn denken. Er wird nicht vergessen sein. Er ist uns nur ein Stückchen vorausgegangen.

Was aber viel besser ist, als dass Jimmy in Gedanken bei uns ist: er ist nun in Gott. In Gottes Liebe, Gottes Frieden, Gottes Leben und seiner Unendlichkeit. Was kann es besseres geben. Dass dies nicht nur ein frommes Geplapper ist, das ich hier von mir gebe, so als Trost für uns alle, ist mir spätestens klar, seit er sich eben verabschiedet hat. Das war eindrücklich. Das war real. Jimmy ist tot. Und Jimmy lebt. In Gott.

Und so etwas ähnliches ist vielleicht auch mit der christlichen Botschaft der Auferstehung gemeint. Die Jünger, die Nachfolger Jesu, hatten Jesus, der körperlich gestorben war, danach in sehr einprägsamer Weise als lebendig wahrgenommen. Und zwar auf eine Art und Weise, von der wir möglicherweise nur metaphorische Beschreibungen in den Evangelien überliefert haben, um das Geschehen irgendwie zumindest ansatzweise angemessen ausdrücken zu können. Es ist dabei wahrscheinlich nicht so wichtig, wie das, was dort als Auferstehung beschrieben wird, genau vonstatten ging, wichtig ist nur, dass es passiert ist. Dass Jesus eben nicht im Tod geblieben ist. Das ist die christliche Botschaft und ja, sie stimmt: Es gibt eine berechtigte Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

Jimmy, ich wünsche Dir von ganzem Herzen in deinem neuen Leben in Gottes Herrlichkeit alles Gute. Aber das Gute, das du dort vorfinden wirst bzw längst schon vorgefunden hast, können wir uns Menschen vermutlich nicht einmal ansatzweise vorstellen. Insofern sind meine guten Wünsche zwar nett gemeint, aber du weißt bereits, wie Gottes Herrlichkeit aussieht und sich anfühlt. Das Gute kennst du bereits.

Und ja, wir hoffen darauf, dass wir uns dereinst, hoffentlich erst nach vielen, vielen Jahrzehnten, dort alle wiedersehen. Dazu haben wir äußerst berechtigte Hoffnung. Amen.

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