Darf die evangelische Kirche schiffbrüchige Flüchtlinge mit eigenen Schiffen retten?

In der evangelischen Kirche Deutschland gibt es einen Zwist, ob es in Ordnung ist, dass die Kirche, also die EKD, mit eigenen Schiffen in die Seenotrettung von Flüchtlingen einsteigt.

Was würde Immanuel Kant sagen?

Er würde wohl sagen, wenn die Maxime deines Willens zu einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte, dann wäre die Handlung richtig.

Wenn man also sagen könnte, ja, es sollte ein allgemeines Gesetz sein, dass man niemanden ertrinken lässt, dann würde es nach Kants Pflichtethik die Pflicht eines jeden Menschen sein, dafür zu sorgen, dass niemand mehr ertrinken kann im Mittelmeer.

Von daher: ja, die Initiative ist richtig.

Spielen wir uns das Ganze gedanklich einmal auf dem Meer durch. Ein überfülltes Boot mit Flüchtlingen, das sich nur noch ein paar Stunden über Wasser halten dürfte. Danach ertrinken alle. Daneben ein Rettungsboot.

Wer würde die Flüchtlinge nicht retten? In dieser prinzipiellen Situation würde es wohl jeder tun.

Wenn man aber zu Hause sitzt, auf dem Trockenen und in Sicherheit, sieht das anders aus. Denn man fühlt sich dann nicht direkt betroffen. Hier lässt es sich leichter alle Prinzipien über Bord werfen.

Drum bleiben wir gedanklich auf dem Rettungsboot. Leute, die gegen die bedingungslose Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen aus irgendwelchen Gründen sind, müssten dann vor Ort, mitten auf dem Meer also, den Flüchtlingen folgendes sagen:

„Liebe Flüchtlinge, es können eben nicht alle kommen. Und wir haben bei uns in der EU auch politisch noch nicht abgeklärt, wohin mit euch. Außerdem kann es sein, dass einige von euch ohnehin wieder zurückgeschickt werden. Denn nicht jeder bekommt hier Asyl. Aus all diesen Gründen, nehmt es uns bitte nicht übel, müsst ihr leider ertrinken. Ist wirklich nicht persönlich gemeint. Und ja, wir sind auch christlich, nur in diesem Fall halt nicht. Klar, wir sollen unsere Nächsten und sogar unsere Feinde lieben, von Schiffbrüchigen Flüchtlingen steht aber nichts im neuen Testament.“

Zugespitzt auf diese Situation wird klar, was Immanuel Kant meinte. Wenn es prinzipiell richtig ist, Menschen in Seenot zu retten, dann muss dieses Prinzip auch durchgehalten werden, und zwar unabhängig davon, ob einem das nun in den Kram passt oder nicht. Also auch dann, wenn manche politischen Probleme noch nicht geklärt sind. Die kann man später immer noch klären. Die Schiffbrüchigen später retten kann man übrigens nicht, denn dann sind sie ertrunken.

Und wir wissen ja, was Jesus sagte: was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

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