Die „mano cornuta“, die „gehörnte Hand“. Was sie bedeutet.

Gestern waren wir, drei ältere Herren, zusammen mit der jüngeren Tochter des einen Herrn, unseres Freundes, auf einem Heavy Metal Konzert.

Die Band hieß „beast in black“ und die Tochter samt ihrer Freundin waren noch nicht volljährig, was dann erklärte, dass irgendwer mitgehen musste, also wir.

Das Alter war eher so wie unser Alter, etwa so um die 50 Jahre. Es gab aber auch einige jüngere Fans, die der Band zuhörten und mittanzten.

Nach den Songs brandete jeweils großer Applaus auf und man sah immer wieder, und zwar nicht nur vereinzelt, das Zeichen der sogenannten „mano cornuta“, der gehörnten Hand.

Was aber bedeutet dieses Zeichen?

Wie bei so vielen Dingen im Leben gibt es nicht eine eindeutige Antwort. In Bezug auf die heavy Metal Szene und die Rockszene ist dieses Symbol, bei welchem der Daumen eingeklappt ist und der Zeigefinger und der kleine Finger nach oben zeigen, allerdings doch ziemlich klar definiert. Dieses Zeichen, die „mano cornuta“, ist bekannt als Satansgruß, Satanistengruß oder auch Teufelsgruß und meint den „Gehörnten“, also den Teufel. Der Teufel oder auch der „Diabolos“ ist in biblischer Tradition derjenige, der die gute Ordnung des Lebens durcheinander bringt, der dafür sorgt, dass Beziehungen zerbrechen und Menschen nicht mehr miteinander klarkommen.

Das mag nun nicht jedem klar sein, der dieses Zeichen auf einem Konzert macht, und man findet es auch in unterschiedlichen Musikrichtungen. Einige Leute dürften dieses Zeichen durchaus verwenden, weil sie es bei anderen gesehen und abgeschaut haben und weil es irgendwie cool wirkt. In der Heavy Metal-Szene ist es aber für diejenigen, die es kennen, inhaltlich das, was oben beschrieben wurde. Zudem vermittelt es darüber hinaus natürlich auch noch ein Zusammenhaltsgefühl.

In der Heavy Metal Szene reißen sich allerdings einige Bands darum, dieses Zeichen als erster eingeführt zu haben. Der Bassist der Gruppe Kiss beispielsweise beansprucht es für sich, Black Sabbath ebenso.

Außerhalb der Heavy Metal Szene jedoch bedeutet es auch noch anderes. Es findet sich beispielsweise auf alten etruskischen Grabsteinen oder kann auch satirisch verwendet werden. Dann bezeichnet man es als die „Pommesgabel„. Man macht sich in diesem Fall also über den Satanistengruß lustig, indem man von der „Pommesgabel“ spricht.

In Italien hat sich dieses Zeichen in der Heavy Metal Szene nicht so sehr durchgesetzt, weil es dort hauptsächlich als vulgäre Geste verstanden wird. Es ist also ein Unterschied, ob Sie dieses Zeichen jemandem in Italien zeigen, dann müssen Sie nämlich schnell wegrennen, oder ob Sie das auf einem Heavy Metal Konzert tun, dann gehören Sie irgendwie mit dazu und sind mit allen, die es auch bewusst machen, auf einmal gut Freund.

Des Weiteren kann dieses Zeichen aber noch mehr bedeuten. In der amerikanischen Gebärdensprache ähnelt es dem Satz, der „I love you“, ich liebe dich, bedeuten soll.

Es kann zudem als Symbol für Untreue stehen, wenn man nämlich heimlich hinter dem Kopf oder dem Rücken von jemandem dieses Zeichen zeigt oder eindeutig damit auf jemanden deutet. In diesem Fall meint es, dass dieser jemand der „Gehörnte“ ist, also derjenige, der wie ein Stier nun die Hörner auf hat und Rot sieht, weil er nämlich vom jeweiligen Partner betrogen wird.

Im Aberglauben findet man dieses Zeichen auch, allerdings zeigen die beiden Hörner bzw Finger dann nicht nach oben, sondern nach unten. Durch diese Geste möchte man Unheil abwenden. Man verwendet dieses Zeichen beispielsweise dann, wenn einem eine schwarze Katze einen über den Weg läuft, die nach abergläubischer Tradition Unheil bringen soll.

Auch in anderen Musikrichtungen wie Hip Hop und Pop wird diese Geste oft benutzt, jedoch eher als Kritik an der Heavy Metal Szene.

Des Weiteren findet sich diese gehörnte Hand im American Football, wo es für die „Texas longhorns“ steht.

Im tibetanischen Buddhismus ist es eine Geste, die dazu eingesetzt wird, um Dämonen zu vertreiben.

Neben all diesen Bedeutungen hat die „mano cornuta“ aber ihren heutigen Ursprung besonders eben in der Heavy Metal Szene und bedeutet nach wie vor inhaltlich das, was oben beschrieben wurde.

Macht man dieses Zeichen allerdings falsch, hat also den Daumen nicht eingeklappt, sondern nach außen abstehend, outet man sich dadurch als jemand, der kein Insider ist, als ein „Poser“, der einfach nur cool sein möchte und sich das Zeichen abgeschaut hat, ohne es inhaltlich zu verstehen, oder als jemand, der dieses Zeichen bewusst nicht in der oben beschriebenen Weise verwenden will. Beachten Sie diesbezüglich einmal das Bild eines Bandmitglieds, das ich unten eingefügt habe. Ein nicht ganz unorigineller Unterton, dass dieses Bandmitglied von „beast in black“ den Daumen ausgestreckt hat, während die meisten Fans ihn ein geklappt haben.

Und so, wie bei vielen Dingen im Leben, gilt auch hier der folgende Satz. Five things you have to mind with care, to whom speak, of whom you speak, how and when and where. Es kommt also immer darauf an, mit welcher Intention und in welchem Umfeld Sie dieses Zeichen machen. Überlegen Sie das nächste Mal, ob sie es in Italien tun oder auf einem Heavy Metal Konzert.

Die Band „beast in black“ war übrigens vom Sound her ganz gut, die Texte, soweit ich sie ansatzweise verstehen konnte, gingen nicht in irgendeine satanische Richtung. Aber gut, was versteht man schon genau bei dieser Lautstärke. Ein wenig Grusel zu Beginn des Auftritts war allerdings schon vorhanden, es wurden nämlich leuchtende Totenköpfe hier und da und dort aufgestellt auf der Bühne. Dieser Grusel war dann aber sofort verschwunden, als die Band loslegte. Der Grusel zu Beginn diente offenbar mehr als Vehikel, um sich selbst interessant zu inszenieren, was auch gut geklappt hat. Allerdings, und das ist wohl auch kein Zufall, sondern bediente sicher durchaus ganz bewusst die Befindlichkeiten mancher Fans, tauchte irgendwann im Laufe des Auftritts für ein paar Minuten eine verkleidete Person auf, die eine rote Kappe mit Hörnern aus Stoff und Plüsch aufgesetzt hatte. Sie sah zwar eher aus wie ein Kuscheltier, aber Sie wissen jetzt, was gemeint ist und wer sich damit angesprochen fühlen sollte.