Über das Wesen der Zeit, die wir haben und gleichzeitig nicht haben

Schon Einstein wusste es, die Zeit vergeht unterschiedlich schnell.

Ich erinnere mich, als ich als Fünftklässler in der Nähe des Sekretariats im Gymnasium etwas ungläubig stand und darüber nachdachte, dass ich nun noch neun Jahre in die Schule gehen müsse. Neun Jahre! Neun unendlich lange Jahre! Wie sollte ich das bloß überleben? Die Zeit kam mir ewig und unendlich und niemals endend lang vor.

Die Zeit war in der Tat nahezu eine Ewigkeit, aber sie war auch kurz. Viel erlebte ich, ich entwickelte mich, ich hatte viele Eindrücke. Ich lernte so vieles kennen, so viele Erlebnisse, in der Schule, neben der Schule, Freunde, Freundschaften. Auch immer noch bestehende Freundschaften.

Wenn man dann noch das Studium dazugerechnet, war die Zeit natürlich noch länger.

Wenn ich zurückblicke auf jeden Tag in der fünften Klasse, dürfte er nun etwa 38 Jahre zurückliegen. Nicht neun Jahre, sondern 38. Rückblickend ist die Zeit verflogen. Wo sind all die Jahre hin? Allerdings, wenn man nachdenkt, die Jahre sind gefüllt mit unzähligen Erlebnissen. Man weiß schon, wo die Jahre sind. Jetzt sind sie aber weg. Und trotzdem noch da, in der Erinnerung.

Einstein hatte also recht. Die Zeit vergeht langsam, die Zeit vergeht schnell, es kommt immer auf den Standpunkt des Betrachters an. Und etwas über Einstein hinausgehend muss man sagen: die Zeit kann zeitgleich schnell und langsam vergehen. Beides.