Was Mammutbäume und Jesus nicht gemeinsam haben

Mammutbäume, sogenannte Sequoiabäume, sind Bäume, die uralt werden, extrem dick und riesengroß.

Sie wachsen in Kalifornien und die ältesten von ihnen haben ein Alter von etwa 2600 bis 3900 Jahren.

Nehmen wir uns also gedanklich mal ein Exemplar, das knapp 4000 Jahre alt ist.

Die altehrwürdigen Pyramiden von Gizeh in Ägypten wurden erbaut etwa 2500 vor Christus. Etwa 500 Jahre später wuchs in Kalifornien einer dieser ältesten Bäume heran.

Etwa 400 bis 100 vor Christus fand die Kanonisierung des biblischen Alten Testaments statt. Im vierten Jahrhundert vor Christus lebte und herrschte Alexander der Große.

Seit dem 8. Jahrhundert vor Christus traten die Römer auf dem Plan, bis etwa 500 nach Christus im Westen, bis 1500 nach Christus im Osten. Unser Baum erlebte den Aufstieg das Alexanderreichs und seine Niedergang, den Aufstieg und Niedergang des römischen Reichs, er erlebte das Mittelalter, die Renaissance, den Barock, die frühe Neuzeit, er erlebte die Kanonisierung des Neuen Testaments, das etwa zu Beginn des zweiten Jahrhundert nach Christus abgeschlossen war. Er lebte im 16. Jahrhundert zu Martin Luther, die Reformation und schließlich die Gegenreformation.

Er erlebte den zweiten Weltkrieg, den ersten, den dreißigjährigen Krieg. Er erlebte den Ost-West-Konflikt und den Kalten Krieg, die Kuba-Krise, Tschernobyl, den ersten Mann auf dem Mond.

Und er wird vielleicht immer noch irgendwo stehen, wenn die Geschichte mal wieder etwas Besonderes hervorbringt. Einen Krieg vielleicht, was wir nicht hoffen wollen. Eine bahnbrechende Erfindung der Menschheit, was vielleicht schön wäre. Vielleicht wird die Klimaerwärmung ihn umbringen, vielleicht wird ihr trotzen.

Sequoiabäume haben es also nicht eilig. Sie sind Meister darin, sich Zeit zu lassen. Sie sind dick und unglaublich hoch. Bis zu knapp 100m werden sie hoch. Rechnen Sie bei einem Wohnhaus etwa 3 Meter pro Geschoss, dann wissen Sie, wie viele Geschosse so ein Sequoiabaum hätte. Er kann einen Durchmesser von bis zu 15 Metern haben, was etwa 5m mehr ist, als viele Einfamilienhäuser in Deutschland haben.

Unser Mammutbaum, wie man ihn auch nennt, hat also Jesu Geburt mitbekommen, kurz darauf dessen Kreuzigung, um das Jahr 30 oder 33 herum, dann erlebte er den Aufstieg des Christentums, die ganzen Christenverfolgungen durch die Römer bis ins vierte Jahrhundert, als Kaiser Konstantin Religionsfreiheit auslobte, die unter seinem Nachfolger Theodosius dann zu einer Staatsreligion wurde. Ab hier musste man unter seiner Regentschaft verpflichtend Christ sein. Diese Verpflichtung lockerte sich dann wieder.

Das Mittelalter war christlich geprägt, Klosterschulen tradierten das Wissen der europäischen Menschheit. Weltsprache wurde Latein, neue Weltsprache wurde irgendwann nach sehr vielen Jahrhunderten Englisch.

Unser Mammutbaum steht noch, Jesus Christus wurde gekreuzigt. Unser Mammutbaum wird irgendwann auch einmal das Zeitliche segnen, Jesus Christus, in dem die Christen neben dem Menschsein auch das Göttliche sehen, wahrer Mensch und wahrer Gott, lebt ewig, in der Transzendenz, die hinter allem steht.

Was aber machen Sequoiabäume, bei ihrer geschichtlichen Altehrwürdigkeit, wenn sie sich miteinander unterhalten?

Man weiß es nicht so genau, vielleicht aber in etwa wie folgt. Fragt der eine, und, was machst du so? Meint andere, ach, ich stehe hier noch ein bisschen rum. Sequoiabäume sind nämlich theologisch und geschichtlich nicht sonderlich interessiert.