Geben Sie Anderen gerne Tipps? Eine steile These von Matthias Pöhm

Menschen

Kennen Sie nicht, den Herrn Matthias Pöhm? Ich auch nicht. Bis vor kurzem.

Ich kenne jedoch einen gewissen Roland Kopp-Wichmann, der Psychologe in Heidelberg ist, Personaltrainer und Coach. Vor vielen Jahren hatte er ab und zu auf der theolounge mitgeschrieben, deshalb bekomme ich immer noch seine Newsletter. Durchaus lesenswert und interessant.

In dem aktuellen Newsletter stand unter anderem etwas über diesen Matthias Pöhm drin, es wurde zudem erwähnt, dass Herr Kopp-Wichmann ein etwas ambivalentes Verhältnis zu ihm habe. Ich kann nun zumindest nachvollziehen, warum.

In einem Video, das 15 Minuten dauert und das ich hier nicht extra auf der theolounge abbilden möchte, erklärt Herr Pöhm ausführlich seine These, die ich hier in Kurzform einfach mal wiedergebe, weil sie auch nach 15 Minuten nicht wesentlich anders klingt.

Sie lautet: wenn jemand einem Anderen Tipps gibt, macht er das niemals, wirklich niemals aus altruistischen Motiven, sondern immer nur, um sich selber besser zu fühlen. Und besser fühlt er sich angeblich nur deswegen, weil er von der Fremdwahrnehmung der anderen Menschen absolut abhängig sei.

Herr Pöhm erzählt so alles mögliche in seinem Beitrag, unter anderem macht er einen Schlenker zum Christentum. Auch dort missioniere man ja gewissermaßen nur andere Leute, indem man ihnen vom christlichen Glauben erzähle, um sich selbst besser zu fühlen.

Das Problem an diesem Video ist eigentlich der Ausschließlichkeitsanspruch. Es ist so wie beim Religionskritiker Ludwig Feuerbach, der durchaus mit seiner Kritik an der Religion einen Punkt getroffen hatte. So ist es auch bei Herrn Pöhm. Es dürfte sicherlich bei einigen Menschen und manchmal auch bei einem selber das Motiv sein, dass man sich selber in den Augen Anderer irgendwie wertvoller und wichtiger wahrgenommen wissen möchte, wenn man Anderen beispielsweise hilft oder Ihnen Tipps gibt.

Aber gerade im christlichen Bereich und auch im privaten übrigens geht diese Ausschließlichkeit in eine falsche Richtung.

Es gibt nämlich durchaus und natürlich altruistisches Verhalten, gerade im Christentum. Und man gibt dort Anderen nicht unbedingt den Glauben oder die Information darüber weiter, um selbst irgendwie besser vor ihnen dazustehen, sondern ganz im Gegenteil. Man macht sich ja teilweise erstmal ein wenig zum Deppen, weil man nicht weiß, wie der andere auf transzendente und theologische Themen reagieren wird. In diesem Zusammenhang möchte ich mal lieber nicht erwähnen, wie stark Herr Pöhm mit seiner etwas kruden und verkürzten Darstellung der christlichen Theologie irgendwo in 16. Jahrhundert stecken geblieben ist.

Unfreiwillige Situationskomik und Ironie schließt den Videobeitrag ab. Während Herr Pöhm also 15 Minuten lang seine aus seiner Sicht neu herausgefundene These doziert und den Zuschauern also den Tipp gibt, doch auf ihn zu hören, macht er letztlich ganz genau das, was er dort anprangert: Er will bewundert werden. Dies wird zugespitzt besonders auch dadurch deutlich, dass er am Ende des Videos darum bittet, man möge doch seinen Videokanal auf YouTube abonnieren und zudem auch bitte sein Buch kaufen. Wozu? Sagt er nicht, aber wir ahnen es: damit er sich irgendwie von uns wahrgenommen fühlt.

Nun, wir haben ihn wahrgenommen.