Was wir wissen. Und was nicht.

Durch das Zeitalter der Aufklärung und seine Folgewirkungen wurde Glaube durch Wissen ersetzt.

Heute glauben viele Menschen jedoch auch. Sie glauben, dass die Naturwissenschaften die Welt richtig und umfassend erklären können.

Aber nur wenige wissen, wie rudimentär dieses umfangreiche Wissen der Naturwissenschaften doch eigentlich unsere Welt und unser Universum abbildet.

Das Universum, das wir sehen und mit naturwissenschaftlichen Messmethoden nachweisen und beobachten können, ist nur ein ziemlich kleiner Ausschnitt inmitten von Dingen, die Naturwissenschaftler als dunkle Materie und dunkle Energie bezeichnen. Über den überwiegenden Teil des Weltalls kann die Naturwissenschaft keine Aussage treffen. Sie weiß, da muss es noch eine ganze Menge geben, aber was das ist, keine Ahnung.

Auch die mysteriöse Welt der kleinsten Teilchen auf unserer Welt und in unserem Universum, der Quanten, also der Quantenphysik, ist für den Alltagsgebrauch und selbst für die Naturwissenschaftler doch ziemlich unverständlich. Zwei Elektronen beispielsweise, die miteinander verschränkt werden, reagieren zeitgleich, wenn man an dem einen Elektron eine Änderung vornimmt. Zeitgleich, egal, ob sich das eine Elektron am einen Ende des Universums und das andere am anderen befindet. Sofern es ein Ende des Universums überhaupt gäbe. Diese Elektronen reagieren zeitgleich, so, als ob es dazwischen überhaupt keinen Raum gäbe, den es zu überbrücken gelte. Die Informationen zwischen beiden Elektronen werden demnach also schneller als mit Lichtgeschwindigkeit übertragen, nämlich absolut zeitgleich.

Und dann ist dort auch noch das spukhafte Doppelspaltexperiment, das auf Werner von Heisenberg zurückgeht. Je nachdem, ob eine Messeinrichtung dieses Experiment beobachtet oder nicht, verhalten Elektronen sich ganz unterschiedlich. Einmal verhalten sie sich wie eine energetische Welle, das andere Mal wie kleine Teilchen.

Genug Raum also, um heute auch noch glauben zu können. Der Glaube der meisten Menschen ist jedoch derjenige daran, dass die Naturwissenschaften offenbar doch alles irgendwie erklären könnten und schon fast alles erklärt hätten. Dieser Glaube entpuppt sich aber als tiefsitzender Irrglaube. Man weiß sehr viel, für menschliche Maßstäbe. Dass dieses „sehr Viel“ aber insgesamt unglaublich wenig ist, vergegenwärtigen sich die Wenigsten.

Auch, wie Geist und Materie zusammenwirken, ist ein völliges Rätsel. Das Rätsel des Bewusstseins.

Wenn das Gehirn also unser Denkapparat ist und wenn man ein rein materialistisches Weltbild hat, kann es darin keine Seele und kein Ich geben. So kommt man also, wenn man etwas weiter denkt, zu der Annahme, es könne vielleicht einen Dualismus geben zwischen Materie und Geist. Dann bekommt man aber, wie schon René Descartes, das Problem, dass man nach dem Übergang zwischen Geist und Materie suchen müsste, den man aber nicht finden kann. René Descartes lokalisierte diesen Übergang noch in der Hirnanhangdrüse, wenngleich dies nur der Versuch war, irgendwo diesen Übergang zu fixieren. Tatsächlich aber kann man ihn nicht nachweisen.

Nun kann man mit dem Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker noch einen Schritt weiter gehen und die Welt als Monismus sehen. Dementsprechend wäre Materie und Geist nicht getrennt, sondern alles wäre eins. Dadurch hätte man dann natürlich die Probleme bezüglich des Bewusstseins und des Geistes nicht mehr. Man wäre dann schnell bei der Annahme, dass beispielsweise Gedanken mehr sein könnten, als etwas, was einen selbst betrifft. Telepathie hätte vielleicht einen gewissen Raum in dieser Vorstellung. Gebete eigentlich auch, denn christlich gedacht wären wir dann vermutlich mitten in Gott. Wir wären ein Gedanke Gottes.

Es ist nach wie vor also genug Raum für Gott vorhanden. Gott, der hinter der Welt steht, hinter dem Universum, oder, je nach Ansicht, wir vielleicht mitten in ihm drin.

Man darf wohl davon ausgehen, dass sämtliche Generationen der Menschheit und sämtliches Wissen aller Menschen zusammen niemals ausreichen dürften, damit der Mensch das Universum und seine ontologische Grundlage jemals wirklich verstehen kann. Unser Verstand kann mit dieser Art des Denkens nicht umgehen.

Dies sollte uns eine gewisse Demut in unserer Wirklichkeitsinterpretation lehren, sodass wir die Welt und das, was ontologisch gesehen die Welt ausmacht, immer dahingehend offen lassen sollten, dass das Wesen der Welt und dessen, was hinter ihr steht, doch immer viel umfangreicher sein dürfte, als wir es jemals begreifen können. Und wir sollten dementsprechend den Gottesbegriff auch dahingehend offenhalten, dass Gott unbegreiflich viel mal größer und komplexer sein dürfte, als alles, was wir uns auch nur entfernt vorstellen können.

Derweil haben wir natürlich weiterhin die Naturwissenschaften, mit denen wir uns unser tägliches Leben versüßen und sie hilfreich einsetzen können.

Darüber hinaus, um den ontologischen Fragen zumindest ansatzweise ein wenig gerecht zu werden, haben wir glücklicherweise nach wie vor, auch, wenn wir niemals letztliche Antworten erhalten dürften, die Philosophie und die Theologie.

Letztere hat, zumindest christlich gesehen, immerhin den Vorteil, dass sie davon ausgeht, dass Gott, der hinter allem steht, in Jesus Christus ein wenig von sich an uns Menschen mitgeteilt hat. Denn von allein kämen wir da nie drauf.