Beruf und Berufung

Nach Martin Luther ist ein Christ zu zweierlei berufen. Zum Glauben an Gott und zum Dienst am Nächsten, also am Mitmenschen.

Dementsprechend könnte eine Dienstmagd beispielsweise, eine Kassiererin, ein Bauarbeiter seine Arbeit als sinnvoll erleben, indem es ein Dienst für die Allgemeinheit, für die Mitmenschen ist.

Allerdings muss man sagen, dass Luthers Vorstellung natürlich auch etwas zeitbedingt war. Zu seiner Zeit regierten die Landesherren, die Untertanen hatten. Die freie Berufswahl war bestenfalls ziemlich eingeschränkt, falls sie überhaupt möglich war.

Heute ist die Berufswahl stark an die Bildung gekoppelt. Egal, ob man König, Graf, Fürst oder Prinzessin ist, man muss und darf und kann sich durch Bildung qualifizieren. Man kann einen Beruf ergreifen, in dem man Mensch sein kann, auf dem Wege der Bildung. Ein Beruf, den man gerne macht, zu dem man sich also berufen fühlt. Ein Beruf, der Sinn für einen selber macht und vielleicht, im besten Fall zumindest, auch für andere einen Nutzen hat.

Dennoch ist es auch heute noch so wie schon zu Zeiten Luthers, dass nicht jeder einfach so einen solchen Beruf ergreifen kann. Allein durch die Herkunftsfamilie ist man oft in einem sozialen Milieu beheimatet, aus dem man gar nicht so leicht herauskommt. Es gibt zwar verschiedene Bildungsinitiativen, um diese Kluft zu überbrücken, die teilweise auch fruchten, teilweise aber auch nicht so richtig. Zudem kommen noch persönliche Faktoren hinzu, Intelligenz, Durchhaltevermögen und letztlich auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten, die passen müssen.

Zudem gibt es auch hochqualifizierte Berufe, für die man eine gute Bildung benötigt, Berufe, die aber Menschen dennoch nicht unbedingt immer als sinnstiftend erleben. Man kann Ingenieur sein, Architekt, Betriebswirt, Arzt, Apotheker oder alles mögliche, sinnstiftend ist solch ein Beruf für den einen schon, für den anderen aber nicht.

Ein bisschen aktuell ist Luther in dieser Hinsicht also nach wie vor: Dort, wo man arbeitet, kann man diese Arbeit als sinnvoll erleben, wenn man sie als Dienst für die Nächsten sieht. Nach wie vor.