Du sollst Vater und Mutter ehren

Im Alter werden die Eltern wieder zu Kindern.

Das ist vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber im Kern ist doch etwas Wahres daran. Im Alter werden Eltern oft unsicherer und ängstlicher. Es fällt ihnen nicht mehr so leicht, mit den Entwicklungen mitzuhalten.

Hier ist es gut, wenn man das vierte Gebot aus der Bibel im Kopf hat und beherzigen will, das da lautet: du sollst Vater und Mutter ehren!

Mit „ehren“ ist nicht gemeint, dass man Vater und Mutter immer recht geben müsste. Sondern es ist gemeint, dass man so für sie sorgen sollte, wie sie, optimalerweise zumindest, für einen als Kind gesorgt haben, als man schwach und hilflos war. Denn nun sind oder werden sie schwach und hilflos. Dieser Vergleich hat natürlich Grenzen, wenn irgendwelche Eltern schlecht für ihre Kinder gesorgt haben. Aber die Aussage dieses Gebotes ist, dass man gut für sie sorgen soll, so, wie Eltern auch gut für ihre Kinder sorgen sollten.

Die Eltern ehren bedeutet also, für sie zu sorgen und ihnen das zu geben, was sie benötigen, um leben zu können. Das kann Liebe und Zuneigung sein. Das kann Zeit sein. Die Zeit, einmal mit zum Arzt zu gehen, mit dem Arzt zu telefonieren, mit zur Bank zu gehen, zu helfen, wenn es ums Internet geht. Zeit, um zu reden. Zeit, um zu helfen, wenn etwas renoviert werden muss, zu schauen, ob man vielleicht Handwerker organisieren kann oder selbst hilft. Ehren bedeutet, darauf zu achten und dafür zu sorgen, dass das Leben der Eltern auch weiterhin lebenswert bleibt, auch, wenn es aufgrund des Alters und körperlicher Gebrechen und vielleicht auch eines gewissen geistigen Abbaus schon etwas weniger erfreulich wird.

Du sollst Vater und Mutter ehren. Das sollten wir nicht vergessen. Denn irgendwann werden auch wir alt sein. Und dann wird dieses Prinzip der Solidarität auf uns zurückkommen und wir werden auf der anderen Seite stehen und dankbar sein, wenn auch unsere Kinder dieses Gebot verstehen und ehren und achten und anwenden.

Und ja, wir sollten auch unseren Kindern diese Gedanken weitergeben. Diese jüdischen und christlichen Grundregeln für ein gelingendes Miteinander, eine gelingende Gemeinschaft, eine gelingende Familie. Ja, wir sollten und könnten unseren Kindern auch gerne diese christlichen Werte vermitteln und dazu am besten auch noch ein Interesse am Glauben an den Gott, der all diese Werte verkörpert und begründet und der sich in Jesus Christus gezeigt hat, der sich in diesem Menschen so gezeigt hat, dass wir ein wenig verstehen können, wie dieser unsichtbare und mächtige Gott, der alles erschaffen hat, ist. Es ist ein Gott, der voller Liebe und Güte ist. Es ist ein Gott, der den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen hat. In jedem Menschen begegnen wir also einem Gedanken Gottes. Auch und ganz besonders in den Eltern. Auf dass wir sie achten und ehren.