Es sind doch bloß Worte. Oder?

Worte sind weitaus mächtiger, als manche Leute glauben.

Das Wort eines Kindes, das Schreien eines Kindes kann einen aus dem Schlaf reißen. Ein Polizist, der doch bitte gerne mal die Papiere sehen möchte, kann einem vielleicht das Herz ein wenig schneller schlagen lassen. Oder ein Kontrolleur, der die Fahrscheine sehen möchte. Hat man seinen Fahrschein auch dabei? Hört man im Radio eine Meldung, dass in Deutschland irgendwo eine Autobombe explodiert sei, wird man dies ganz anders bewerten, als wenn ein kleines Wort anders wäre: wenn es nämlich eine Atombombe wäre. Sagt der Arzt, alles okay, macht dies einen großen Unterschied im Vergleich dazu, wenn er sagen würde, oh, das müssen wir noch mal genauer untersuchen.

Es sind doch nur Worte, könnte man meinen. Aber dem ist nicht so. Am Anfang war das Wort, so steht es im Johannesevangelium. Am Anfang war der Gedanke. Aus Gedanken ist alles entstanden. Johannes denkt hier zwar an Gottes Gedanken, aber auch im menschlichen Bereich sind es Gedanken, die alles entstehen lassen. Gedanken, die zu Worten werden, die zu Taten werden.

Deshalb ist es nicht egal, was Menschen zueinander sagen. Deshalb ist es nicht egal, was manche Leute in sozialen Netzwerken schreiben. Hasskommentare beispielsweise, Fake News, Hetze. Deswegen ist es nicht okay, wenn manche Politiker in Deutschland neuerdings versuchen, die Gräueltaten der Nationalsozialisten unter Hitler irgendwie „um 180 Grad“ zu drehen damit zu relativieren. Es ist überhaupt nicht okay. Und aus diesem Grund ist beispielsweise unter Strafandrohung auch die Leugnung des Holocausts in Deutschland verboten. Völlig zu Recht.

Ein christliches Kinderlied thematisiert das. Pass auf, kleines Auge, was du siehst, kleines Ohr, was du hörst, kleiner Mund, was du sagst. Denn der Vater im Himmel schaut herab auf dich.

Wir werden uns irgendwann einmal rückblickend für unser Leben verantworten müssen. Und wenn nicht im diesseitigen Leben, dann vor Gott. Drum ist es wichtig, was wir sagen, weil daraus Taten werden können. Weil das, was wir sagen, andere Menschen verletzen kann.

Machen wir stattdessen die Welt doch lieber ein wenig smarter. Achten wir auf unsere Mitmenschen. Jesus sagte, du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele und deinen Mitmenschen, wie dich selbst. Jesus ergänzte das noch um die Feindesliebe. Ja, wie in der Perikope des barmherzigen Samariters sollen wir sogar unsere Feinde lieben. Nicht einmal über unsere Feinde sollen wir Hasskommentare ins Netz setzen. Zumindest nicht, wenn wir irgendwo behaupten, Christ zu sein. Und auch, wenn jemand kein Christ ist, sollte er das aus den oben erwähnten Gründen natürlich genauso wenig tun.

Machen wir die Welt ein Stück besser, indem wir verantwortlich handeln und einschreiten, verbal, wenn andere Menschen dies nicht tun. Indem wir sagen, so nicht! Denn widersprechen wir nicht bei Hetze und Hass, glauben diejenigen, die Derartiges von sich geben, sie seien im Recht. Tatsächlich sind sie aber im Unrecht. Deshalb machen wir den Mund auf! Deshalb widersprechen wir auch im Internet, wenn Menschen oder Bevölkerungsgruppen ihre Rechte abgesprochen werden, wenn sie diffamiert werden und ausgegrenzt. Machen wir Zivilcourage zu einer Tugend die ansteckend wirkt. Damit wir auch morgen noch in einer lebenswerten Gesellschaft und in einem lebenswerten Land leben können.

 

 

 

5 Thoughts

  1. Schade. Dass es notwendig ist, das zu sagen. Dass nämlich Böses bös und Gutes gut ist (oder war). Dass nicht ein hochdekorierter, einfache Soldaten opfernder Offizier der Held seiner Zeit war (obwohl er das ungestraft auch nach der Wiederbewaffnung behaupten konnte und seinen Job wieder hatte) und auch nicht der Gaskammernbefüller Heinz „ich hatte doch meine Befehle“, sondern Bonhoeffer und die weiße Rose und andere mehr.
    Aber es scheint nötig zu sein in einer Zeit, in der Gutmensch ein Schimpfwort ist. Gebraucht nicht nur von ausgesprochenen Bösmenschen (offenbar etwas Lobenswertes?), sondern auch von gedankenlosen Plapperern.
    Deine Rede sei ja, ja und nein, nein – wir brauchen keine verdrehenden Belehrungen eines gewissen hessischen Geschichtslehrers. Geschichtslehrers! Wer nicht im Innersten das nagende Unbehagen spürt, wenn er durch die Andenken wandert, die KZ – Anlagen von Dachau bis Auschwitz, dem wird schwerlich irgend etwas Menschliches noch nahekommen können.
    Und wir brauchen kein orwellhaftes Neusprech, das freilich in vielen Bereichen bereits sein Unwesen treibt. Nein, wir sollten dabei bleiben, das erkannte Gute gut und das erkannte Böse böse zu nennen.

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  2. Ja, danke! Aber es ist schlimm, dass gewisse Menschen das Unsagbare auf einmal aussprechbare machen wollen in unbewusster oder oft wohl sogar bewusster Ignoranz der Geschichte.

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