Grauenvolles aus Halle

Heute haben offenbar ein oder mehrere schwer bewaffnete Täter in Halle, Sachsen-Anhalt, ihr Unwesen getrieben.

Es gab mehrere Tote. Ein Täter wollte offenbar in die jüdische Synagoge eindringen, die Türen hielten jedoch einem Eindringen stand. In dem Gotteshaus hielten sich zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Menschen auf, die dort Gottesdienst feierten.

Auch auf eine Dönerbude wurde offenbar beschossen.

Von gestern Abend bis heute Abend feiern Juden Jom Kippur, den Versöhnungstag, das höchste jüdische Fest. Es findet zehn Tage nach Rosch ha-Schana statt, dem jüdischen Neujahrsfest. An Jom Kippur beten jüdische Gläubige zu Gott für die Vergebung ihrer Sünden.

Zwar hört man von offizielle Seite derzeit noch nichts über das Motiv des oder der Täter, aber ein fremdenfeindliches Motiv ist naheliegend.

Vielleicht wird irgendwann herauskommen, dass es sich um radikalisierte Menschen handelte, die durch Hetze im Internet zu ihren Taten aufgehetzt und darin bestärkt wurden. Sollte dies der Fall sein, was wohl nicht ganz unwahrscheinlich ist, müsste die Politik wohl möglichst zeitnah dafür sorgen, dass es eine ganze Menge mehr Polizisten und Richter in Deutschland gibt, um der Hetze im Internet Einhalt zu gebieten, auch wenn „zeitnah“ hier ein dehnbarer Begriff ist. Das Internet ist, anders als manche glauben, keineswegs ein rechtsfreier Raum. Was man im echten Leben nicht darf, darf man im Internet genauso wenig. Und der Keim des Hasses ist nach wie vor der Gedanke, der dann zu Worten wird und irgendwann zu Taten. Zu Untaten. Zu Gräueltaten.

Das darf gerade Deutschland nicht zulassen. Deutschland mit seiner grauenvollen nationalsozialistischen Vergangenheit. Zivilcourage ist gefragt. Auch in sozialen Netzwerken. Auch dort sollte jeder Bürger Hetze und Vorurteilen und Stereotypen, auch, wenn sie nur latent auftreten, entgegentreten und nein dazu sagen. Denn auch beim ausgesprochenen Nein zu Hetze und Hass gilt: Worte können etwas bewirken. Auch zum Positiven hin. Wer dagegen aber schweigt, stimmt zu.

Tibelbild: Holocausgedenkstätte, Berlin