Die Türkei will Nordsyrien durch Krieg den Frieden bringen

Flugzeug, Militär, militärflugzeug

Kaum sind die Amerikaner abgezogen, startete heute die Türkei eine militärische Offensive gegen Nordsyrien, vornehmlich gegen kurdische Milizen, so heißt es zumindest.

Diese Milizen waren eben noch Helfer der USA im Kampf gegen den IS. Aber seit sich die USA nun zurückgezogen haben, ist da nicht mehr viel mit Bündnistreue. Zumindest nicht von Seiten der USA.

Eine ungute Rhetorik ist es auch von von dem türkischen Präsidenten Erdogan, zu behaupten, man könne durch Krieg Frieden bringen. Gut, das hatten die Römer auch schon behauptet. Sie hatten ja ganze Länder platt gemacht und ausgebeutet, Kriegsgefangene genommen, sie zu Sklaven gemacht und dann, nachdem die Länder unterjocht waren und Steuern bis zum Abwinken zahlen mussten, dann kam tatsächlich der römische Friede, der aber hauptsächlich für die römischen Bürger galt, nicht so sehr für die eroberten Völker, denn viele von diesen waren ja versklavt oder finanziell ausgebeutet worden. Denn irgendwer musste ja das hübsche und bequeme und mondäne und urbane und kosmopolite Leben in Rom bezahlen.

Donald Trump twitterte vor wenigen Tagen noch, er werde in seiner großen und unübertroffenen Weisheit nicht zulassen, dass die Türkei gewisse Grenzen überschreite. Ansonsten werde er die Türkei wirtschaftlich zerstören und vernichten. Welche Grenzen die Türkei jedoch nicht überschreiten dürfe, sagte er in dem Tweet nicht. Heute klang es von seiner Seite aus allerdings doch schon wieder etwas abgeschwächter, er halte es nämlich für keine so gute Sache, wenn die Türkei in Nordsyrien militärisch vorgehe. Auch der syrische Diktator ist natürlich not amused.

Achso, und wie war das noch gleich, die Türkei ist doch in der NATO. Sollte sie als Reaktion auf ihre Offensive angegriffen werden, würde ja vermutlich der Bündnisfall eintreten. Dann müssten vermutlich andere NATO-Partner ran. Und kämpfen, weil in der Türkei dann vielleicht ein partieller Krieg entstanden wäre.

Die große und unübertroffene Weisheit des weisen Donald Trump liegt vermutlich im finanziellen Aspekt. Wenn die amerikanischen Truppen aus Syrien abgezogen sind, kostet das den amerikanischen Steuerzahler weniger. Zunächst zumindest. Allerdings ist diese Erkenntnis vielleicht nicht so außerordentlich weise, wie es zunächst scheinen mag, denn in Nordsyrien könnte sich ein neuer und langanhaltender militärischer Konflikt entwickeln, vielleicht sogar der Nährboden für ein erneutes Erstarken des IS gesät und gelegt werden. Und dann müssten irgendwelche Truppen möglicherweise dort wieder von vorne beginnen, gegen den IS oder ähnliche, vielleicht neu entstehende Gruppen vorzugehen. Möglicherweise wir würden dann wieder US-amerikanische Truppen in die Region eingeflogen werden, möglicherweise wäre das Ganze dann doch wesentlich teurer, als wenn man gleich im Land geblieben wäre.

Naja, und dann sind da noch die Europäer, die eigentlich militärisch nichts oder nicht viel machen, aber immer sehr besorgt sind. Das ist natürlich eine recht bequeme Position, wenn man von oben von seinem moralischen Elfenbeinturm herab in die Welt blickt und ab und zu mal ein paar Unkenrufe loslässt: Da müsse doch mal wer was machen! So gehe das doch nicht!

Nun ja, wollen wir mal entgegen aller bösen Erwartungen hoffen, dass die türkische Militäroffensive in Nordsyrien nicht so viele Opfer fordert. Ein frommer Wunsch. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Was jedoch eigentlich immer zuerst stirbt im Krieg, das ist die Wahrheit.