Seenotrettung im Mittelmeer. Jona und der Walfisch

Gestern war wieder eine Meldung im Heute-Journal das ZDF, dass einige Flüchtlinge, die übers Mittelmeer zu fliehen versuchten, ertrunken waren. Es waren mehrere Frauen.

In der EU hat man sich offensichtlich gedanklich darauf eingelassen, die Seenotrettung lieber Gott zu überlassen.

Im Alten Testament der Bibel findet sich die Geschichte von Jona, der von Gott den Auftrag bekommt, in eine gewisse Stadt zu gehen und den Menschen dort ihr übles Tun vorzuhalten und ihnen zu sagen, dass es nicht okay ist, Menschen, die auf der Flucht sind, einfach so im Mittelmeer ertrinken zu lassen. Jona hat aber Angst vor diesem Auftrag, weil er doch von diesen Menschen, zu denen er gehen soll, angefeindet werden könnte.

Jona flieht zunächst vor Gott, indem er ein Schiff besteigt, welches dann in einen Sturm gerät. Aufgrund des Sturms wird er schiffbrüchig und droht nun seinerseits im Mittelmeer zu ertrinken, jedoch schickt Gott einen Walfisch, der ihn verschluckt und dann am sicheren Ufer wieder ausspuckt. Sodann ist Jona geläutert und geht zu besagten Menschen mit seiner Botschaft. Die Stadt, in die er nun also schließlich geht, heißt Ninive und die Botschaft lautet: wenn die Menschen dort weiter ihr übles Tun fortsetzen und auch Menschen weiterhin im Mittelmeer ertrinken lassen, werde Gott Ninive zerstören. So ähnlich in etwa.

Die EU oder zumindest einige EU-Politiker scheinen sich ganz gut eingerichtet zu haben mit der Idee, dass Flüchtlinge, die von Walfischen gerettet werden, offensichtlich von Gott beschützt worden sind. Da aber bislang keine Flüchtlinge von Walfischen gerettet wurden, sondern tendenziell eher ertrinken, geht man offenbar in der EU davon aus, dass es eben nicht Gottes Wille sei, Menschen zu retten.

Da ist es wohltuend, dass nicht jeder auf dieser lethargischen Welle der Biedermänner, die immer im Nachhinein von nichts gewusst haben wollen, mitschwimmt. Der Vorsitzende der evangelischen Kirche beispielsweise, Heinrich Bedford-Strohm, rief die EU dazu auf, die beschlagnahmten privaten Rettungsschiffe wieder freizugeben und zudem die Seenotrettung der EU wieder aufzunehmen.

Als positiv zu werten ist auch in dieser Hinsicht, dass der deutsche Bundesinnenminister, Horst Seehofer, plötzlich das C in seiner christlichen Partei, der CSU, neu entdeckt hat. Er tourt nämlich derzeit durch die EU und hat einen Plan im Gepäck, der Flüchtlinge menschlicher behandeln soll. So wolle und werde Deutschland künftig ein Viertel der in Italien an Land gegangenen Flüchtlinge, die aus Seenot gerettet worden sind, automatisch aufnehmen. Man brauche aber noch weitere Länder, die dort mitmachten. Aus der CSU, der Heimatpartei von Horst Seehofer, hört man allerdings Geraune und Gemunkel und Unkenrufe. Das könnten doch Schlepper und Schleuser ganz übel ausnutzen.

Diesen kritischen Stimmen nimmt Herr Seehofer den Wind aus den Segeln, indem er sagt, dass er sich vorbehalte, dieses Vorhaben, sofern es ausgenutzt werden sollte, auch wieder zu stoppen.

Insofern ist es trotzdem positiv zu bewerten, was der Bundesinnenminister da ins Rollen bringt. Denn das aktuelle Vorgehen, dass aus Seenot gerettete Flüchtlinge tagelang oder wochenlang zusammengepfercht auf Schiffen der Seenotrettung krank oder entkräftet und schlecht versorgt kreuz und quer durchs Mittelmeer fahren und wie in der biblischen Weihnachtsgeschichte zwar nicht bei einer Herberge nach der anderen, so aber doch bei einem Land nach dem anderen anklopfen, ob man denn dort bitte an Land gehen dürfe, ist natürlich absolut unmenschlich. Der Bundesinnenminister hat dies erkannt und möchte diesem zutiefst menschenverachtenden Vorgehen der EU, die sich ja immer auf die Fahnen schreibt, angeblich irgendwelche europäischen Werte zu vertreten, nun ein Ende bereiten.

Schön, dass christliche Werte in das sogenannte christlich geprägte Europa doch wieder ein bisschen Eingang finden. Es wäre auch schön, wenn das nicht nur von deutschen Politikern so gesehen würde. Und wenn auch der Rest der CSU sich auf das C im Namen rückbesinnen könnte.

Aber wie sagt man so schön, allem Anfang wohnt ja ein Zauber inne. Vielleicht kann das christliche Menschenbild nun mehrere Politiker in der EU verzaubern dergestalt, dass man Menschen, die nichts mehr haben, die auf der Flucht sind, die verzweifelt sind, die nicht schwimmen können, dass man diese Menschen nicht einfach ertrinken läßt. Denn, das sollten wir auch bedenken, viele Deutsche waren nach dem zweiten Weltkrieg, den sie in einem zutiefst rassistischen und ausländerfeindlichen und von Hetze und Fake News angezettelten Wahn selbst begonnen und etwa 70 Millionen Menschen dadurch den Tod gebracht hatten, ebenfalls zu Flüchtlingen geworden. Und sie fanden das eigentlich nicht so toll.

Nein, Flüchtling sein ist nicht so toll, wie manche „besorgten Bürger“ und auch manche Politiker in der EU sich das vorstellen. Und als Flüchtling zu ertrinken ist noch weniger toll. Auch, wenn manche Politiker das in der EU noch nicht so ganz verinnerlicht haben.