Me and Bobby McGee

In dem Song, der in der Überschrift steht, singt Janis Joplin unter anderem die Strophe: „freedom’s just another word for nothing left to lose.“ Freiheit ist bloß ein anderer Begriff dafür, wenn man nichts mehr zu verlieren hat.

Janis Joplin hat aber alles verloren, was man so verlieren kann, nämlich ihr Leben. Philosophisch und naturwissenschaftlich betrachtet wäre hier nun Ende, weil das Ich dann womöglich nicht mehr existieren würde. Und wenn kein Ich mehr existiert, kann es auch nichts mehr verlieren, ist aber andererseits dementsprechend auch nicht frei, weil es ja nicht mehr existiert.

Gehen wir mal davon aus, dass Janis Joplin in die Hände Gottes gefallen ist und nun in seiner Liebe und Unendlichkeit fortexistieren darf. Dementsprechend gäbe es Janis Joplin noch, zwar nicht mehr hier auf der Erde, aber doch noch als Seele oder Seinsform. Sie hätte dann tatsächlich alles verloren und wäre frei, so könnte man meinen. Dies würde auch zu dem Lied und dem biblischen Gedanken passen, der in etwa so lautet: wo der Geist des Herrn ist, ist keine Furcht, wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Andererseits hätte Janis Joplin, wenn sie denn also noch existieren würde bei Gott, was ja ein christlicher Gedanke und eine christliche Hoffnung ist, die meines Erachtens auch stimmt, durchaus wieder etwas zu verlieren. Denn mittlerweile hat sie, spätestens posthum, großen Ruhm erworben. In dem Sinne wäre sie nun also auch nicht mehr frei, weil sie ja wieder etwas zu verlieren hätte, ihren Ruhm nämlich.

Verzwickte Sache mit der Freiheit. Man hat also immer etwas zu verlieren, selbst, wenn man keine Janis Joplin ist. Ist es vielleicht nicht der unsterbliche Ruhm, den man verlieren könnte, so doch all die Menschen, die an einen denken oder sofern es die auch nicht mehr gibt, das Gedenken, das irgendwo noch im Internet oder woanders schriftlich fixiert ist. Oder zumindest die eigene Existenz, ob sie nun bei Gott oder auf der Erde ist.

So richtig frei sind wir Menschen also nie. Nehmen wir es mit Humor. Denn das ist die Kehrseite der Medaille: gerade weil wir etwas zu verlieren haben, sind wir Menschen. Und das ist wohl das Beste, was uns je passiert ist: Mensch zu sein und zu existieren. Existenz bedeutet dementsprechend wohl, die Möglichkeit zu haben, etwas zu verlieren. Ohne diese Möglichkeit keine Existenz. Zumindest keine menschliche.