Meine neuesten Erfahrungen mit Huel

Huel ist eine Art Astronautennahrung, die in Großbritannien hergestellt und in der EU vertrieben wird. Genauer genommen ist es ein Pulver mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, dem dann auch noch natürliche und künstliche Vitamine und Mineralien zugegeben wurden. In Bezug auf die Nährstoffe bräuchte man nichts anderes als dieses Pulver.

Nachdem ich auf Instagram und Facebook monatelang mit der Werbung von Huel bombardiert worden war und dies immer noch werde, hatte ich mir zwei Päckchen gekauft. Denn eines alleine kann man nicht kaufen.

Wie ist nun meine derzeitige Erfahrung?

Gemischt. Man kann dieses Pulver relativ schnell anrühren, sofern man danach den Trinkbecher gleich wieder reinigt, denn sonst hat man dort überall das Pulver kleben. Das Pulver macht auch recht lange satt, allerdings ist es eigentlich so konzipiert, dass man fünf Mahlzeiten am Tag nimmt. Das hängt auch damit zusammen, dass man nicht unbegrenzt viel von diesem Pulver in dieses Trinkgefäß geben kann, weil man sonst einen zähflüssigen Brei trinken müsste.

Es macht also ganz gut satt und geht relativ schnell. So weit, so gut.

Allerdings wird man von den Kollegen doch etwas seltsam beäugt. Der eine fragte mich neulich, aha, hast du keine Zeit zum Essen?

Blöde Frage dachte ich, aber eigentlich korrekte Frage. Doch, eigentlich könnte ich mir doch Zeit nehmen zum Essen. Oder notfalls ein Brot mit in die Arbeit nehmen, falls ich wirklich mal ganz wenig Zeit hätte.

Gestern begegnete er mir wieder auf dem Flur und sah sofort, dass ich mit diesem Getränk zur Toilette ging, um es dort aufzufüllen und mit dem Pulver zu verrühren bzw es zu shaken. Er fragte ganz subtil, und, gibt es wieder Brei?

Ich musste feststellen, so toll, wie das in der Werbung bei Huel dargestellt wird, lauter glückliche Leute, unglaublich schlank und sportlich, die stolz sind, das Getränk mit dem Huel-Schriftzug in die Kamera zu halten, ist das in der Realität bei weitem nicht. Zumindest bei mir nicht. Ich schleiche mit dem Getränk durch die Gänge und hoffe, dass mich keiner sieht. Denn eigentlich habe ich ja noch Zähne im Mund und eigentlich habe ich auch Zeit zum Essen.

Nicht ganz konsequent ist auch die Behauptung der Firma Huel, man wolle gewissermaßen der Welt etwas Gutes tun durch dieses Pulver, weil man ja in Bezug auf die Klimaerwärmung und den CO2 Ausstoß von der Fleischproduktion wegkommen müsse. Huel will diesem Narrativ nach also die Welt ein Stückchen besser machen. Ich hege hier allerdings Zweifel an den Motiven der Firma, denn möglicherweise könnte es hier ja auch darum gehen, möglichst viel von diesem Pulver abzusetzen und daran zu arbeiten, dass irgendwann die ganze Welt nur noch Brei trinkt.

Etwas inkonsequent ist auch die Behauptung, weshalb man Neukunden nur einen einzigen Getränkebecher kostenlos zur Verfügung stellt. Man wolle nämlich die Welt von Plastik befreien. Inkonsequent deswegen, weil Huel auch ready to drink Getränke anbietet, bei denen das Pulver schon mit Flüssigkeit verquirlt ist, alle in Plastikflaschen, die man danach dann einfach wegwerfen kann. Von denen müsste man dann wohl fünf am Tag trinken. Fünf Plastikflaschen, die im Müll oder im Meer landen.

Also wie gesagt, das Zeug macht satt, sofern man fünf mal am Tag einen Drink mit Vanillegeschmack oder Schoko- oder Bananengeschmack, bei dem immer noch etwas Süßstoff hindurchscheint, trinken möchte.

Aber andererseits, wozu hat man eigentlich seine Zähne? Ach ja, man müsste übrigens, sollte man sich tatsächlich den ganzen Tag und über Wochen hinweg nur von diesem flüssigen Brei ernähren, auch Kaugummi kauen, damit der Kauapparat nicht verkümmert und die Zähne nicht ausfallen.

Aber wo wir beim Thema Brei sind, den lieben die Deutschen ja, seit sie den Thermomix zu lieben gelernt haben. Vielleicht ist Huel somit also gerade im Trend der Zeit. Thermomix light für unterwegs.

Und ja, ganz so negativ, wie ich das hier darstelle, ist das Zeug nicht. Ich verwende es derzeit immer mal wieder zwischendurch. Denn ja, ich könnte mir schon manchmal die Zeit nehmen, aber wenn man wenig Zeit hat und dann ein oder zwei Brote nebenbei essen müsste, ist das auch nicht so entspannt.

Die Wahrheit von Huel liegt also irgendwo zwischen dem, was die Huel-Werbung suggerieren möchte und dem, was die Kritiker sagen. Es ist ab und zu nicht schlecht, aber komplett auf diese Brei-Ernährung umzusteigen überwachen wäre wohl nicht das Ding der meisten Leute. Ich kann es verstehen.