Kopftuchverbot, Werbung und staatliche Neutralität

In Deutschland dürfen Lehrerinnen kein Kopftuch im Unterricht tragen. Der Staat und dessen Repräsentant, die Schule, sollen weltanschaulich neutral sein.

Das sehen unterschiedliche Leute natürlich unterschiedlich. Die einen stimmen zu, die anderen sagen, dass das Kopftuch doch kein politisches Symbol sei, sondern ein Accessoire.

In diese Diskussion will ich aber gar nicht einsteigen. Ich frage mich in dieser Hinsicht eigentlich nur, ob es nicht inkonsequent ist, dass Lehrerinnen und Lehrer andererseits aber Kleidung tragen dürfen, auf welcher die Logos oder die Markennamen von Bekleidungsfirmen abgedruckt sind. Beispielsweise bei Benetton ist meistens vorne links ein Logo auf den T-Shirts oder den Pullovern. Oder bei den Levi’s Jeans sieht man hinten, dass sie von Levi’s sind. Wenn eine Lehrerin also an der Tafel schreibt, sieht man von hinten die Werbefläche Levi’s. Steht sie mit dem Gesicht zur Klasse, trägt man Werbung für Benetton.

Man könnte nun sagen, naja, das sei eben etwas Kommerzielles und habe sonst nichts zu bedeuten, das sei doch nur ein Accessoire und nichts Politisches. Aber mal ehrlich, ist die Wirtschaft und sind Wirtschaftsvertreter nicht auch meistens politisch engagiert und daran interessiert, ihre Interessen durch Lobbyarbeit politisch gewahrt und durchgesetzt zu sehen? Insofern ist Kleidung politischer, als es zunächst scheinen mag. Konsequenterweise müsste man dann wohl auch Werbeflächen von Firmen in Schulen erlauben, vielleicht Plakate rechts und links neben der Tafel. Lacoste, Benetton, Bugatti, Adidas, Puma, Nike und dann logischerweise natürlich auch noch weitere Firmen, die nichts mit Bekleidung zu tun haben, wie McDonald’s, Burger King, Pizza Hut, Subway, Red Bull, Franziskaner, Paulaner, Jever, Coca-Cola, Fanta und so weiter.