Björn Höcke sehnt sich nach Systemmedien

Björn Höcke, manchmal auch satirisch als Bernd bezeichnet, ist der Vorsitzende der thüringischen AFD Fraktion. Er wird zum rechtsradikalen Flügel der AFD gerechnet.

Diese Woche gab er sein Sommerinterview im ZDF. Zuvor wurden zwei Parteikollegen Zitate von Björn Höcke vorgelesen, dem immer wieder vorgeworfen wird, ein Vokabular aus der Zeit der Nationalsozialisten zu verwenden. Ihm, dem ehemaligen Geschichtslehrer, sollte so etwas nicht als Versehen durchgehen. Die beiden befragten Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten der AFD gerieten etwas ins Schlingern, weil die Frage lautete, ob das jeweilige Zitat aus Hitlers Buch „Mein Kampf“ stamme oder von Björn Höcke. Einer der beiden glaubte, es stamme von Hitler.

Von Seiten der AFD wurde ja immer wieder insinuiert, es gäbe in Deutschland angeblich Systemmedien. Irgendeine geheime politische Klasse also, an der Spitze vermutlich Angela Merkel, die doch bitte weg müsse, gebe angeblich den Medien vor, was die Presse in Deutschland schreiben müsse und diese würde dann auch genau das schreiben. Systemmedien also.

Das ist natürlich völliger Unsinn, weil Deutschland ein recht gut funktionierender Rechtsstaat mit Gewaltenteilung und freier Presse und freier Meinungsäußerung ist, sodass man also sogar auch derartige absurde Meinungen äußern darf. Aber in der Tat ist die Medienlandschaft in Deutschland ziemlich heterogen. Von Systempresse keine Spur.

Diese Woche also wurde Björn Höcke in einem Interview vom ZDF etwas in die Enge getrieben und mit von ihm selbst gemachten und problematischen Aussagen konfrontiert. Daraufhin wollte er auf Anraten eines Begleiters das Interview abbrechen und doch bitte noch einmal von vorne aufnehmen. Gewissermaßen zu Werbezwecken, und vermutlich so lange, bis das Interview dann auch ihm gefallen hätte.

Der ZDF-Reporter lehnte ab, denn seine Aufgabe ist es als Journalist, kritische Fragen zu stellen und die Öffentlichkeit zu informieren. Seine Aufgabe ist es nicht, ein Werbevideo für Politiker zu erstellen, schon gar nicht für eine rechtspopulistische und in Teilen rechtsradikal gefärbte AFD. Was Björn Höcke also wollte, waren Systemmedien.

Am Schluss drohte Höcke dem Journalisten noch mit üblen Konsequenzen, denn es könne ja sein, dass er selber irgendwann einmal berühmt und in hoher Machtposition in der Politik sei.

Hier erfasst einen dann das Gruseln. Denn man denkt weiter, ja und, was dann? Wärest du, Björn, also in einer hohen Machtposition, was würdest du mit dem Reporter, der sein Recht auf freie Berichterstattung ausübte, machen? Ihn einsperren? In ein Internierungslager stecken? Oder erst liquidieren und danach in ein Internierungslager?

Einem ehemaligen Geschichtslehrer dürften nämlich derartige Anspielungen nicht einfach als unbedachtes Geplapper über die Lippen kommen, sondern er müsste eigentlich ganz genau wissen, was er da sagt. Und das ist durchaus unheimlich.

Zumal demnächst in Thüringen Landtagswahlen sind. In Thüringen, einem der östlichen neuen Bundesländer Deutschlands. In zwei dieser Bundesländer, Brandenburg und Sachsen, hatte die AFD jüngst bei den Landtagswahlen starke Zuwächse erhalten. Deutschland, hast du nichts gelernt aus der Hitlerdiktatur? In den westlichen und alten Bundesländern kann die AFD glücklicherweise nicht ganz so leicht Fuß fassen, in den östlichen Bundesländern aber schon. Das könnte auch damit zusammenhängen, das nach dem Mauerbau im Osten, also in der damaligen DDR, der Nationalsozialismus offenbar mehr als ein Problem Westdeutschlands dargestellt und dementsprechend wenig aufgearbeitet wurde. Was natürlich nicht stimmt. Es war ein gesamtdeutsches Phänomen und Problem. Und der Rechtspopulismus mit seinen rechtsradikalen Auswüchsen ist leider nach wie vor ebenfalls ein gesamtdeutsches Problem, wesentlich stärker aber in den östlichen Bundesländern vertreten.

Das weiß auch der Björn. Der Björn, der ominöse und drastische Konsequenzen angekündigt für den Fall, dass er einmal große Macht besäße. In diesem Fall wäre es vielleicht gut, wenn alle Andersdenkenden, so rein prophylaktisch, schon einmal einen Asylantrag in den USA oder Frankreich oder anderen europäischen Ländern stellen würden. Denn in Deutschland würde man dann wohl nicht mehr leben wollen oder können. In einem Deutschland, das aus seiner Geschichte nichts gelernt hätte.

Glücklicherweise dürfte das Geschichtsbewusstsein der meisten Deutschen aber doch für derlei anachronistische Denkweisen nach wie vor einigermaßen immun sein. Denn besonders in den westlichen Bundesländern nahm man und nimmt man die Thematisierung und geschichtliche Aufarbeitung der grauenvollen Jahre der Nazi-Diktatur doch glücklicherweise nach wie vor sehr ernst, so dass die meisten Deutschen diesbezüglich immer noch ein Problembewusstsein haben dürften und, hoffentlich, nicht allzu empfänglich für die rechtsradikalen Demagogien eines Björn Höcke sein dürften. Hoffentlich.

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