The final curtain

Vorhang, TheaterVorhang, Theater

Iam finis erat, so steht es im römischen Nationalepos, der Aeneis, geschrieben von dem römischen Nationaldichter Vergil für den Kaiser Augustus.

Ähnlich singt es Frank Sinatra. Irgendwann fällt der „final curtain“, der letzte Vorhang, und dann ist das Leben vorbei. Zumindest das auf der Erde.

In der Bibel finden sich auch Gedanken dazu, wie könnte es anders sein. Das Leben des Menschen währet vielleicht fünfzig Jahre, 70, heutzutage vielleicht 100 oder möglicherweise werden wir sogar noch etwas älter. Aber dann irgendwann kehren wir heim zu unserem Schöpfer.

Vieles werden wir nicht haben bewerkstelligen können in unserem Leben. Es wird fragmenthaft bleiben. Hier ein Stück geschafft, dort ein Stück verstanden, Beziehungen hier, die klappen, Beziehungen dort, die zerbrochen sind. Es hängt auch nicht alles von uns ab. In manchen Dingen können wir etwas voranbringen, in manchen Dingen nicht. Vielleicht haben wir die falsche Ausbildung, vielleicht das falsche Alter, sind am falschen Ort zur falschen Zeit. Manche Leute können wir nicht so beeinflussen, dass Beziehungen gut werden, manche schon. Manche Reisen, die wir uns im Geiste vorstellen, werden wir vielleicht nie gemacht, manche Orte nie gesehen haben, an anderen Orten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, werden wir gewesen sein.

Dennoch, was bleibt dem Menschen?

Essen wir und trinken wir und lieben wir und leben wir, denn dazu hat Gott, unser himmlischer Vater, uns unser Leben geschenkt. Er erwartet vermutlich nicht, dass wir ein perfektes Leben hinterlassen, denn wie könnten wir das? Irgendwann wird unser Leben Geschichte sein und wir werden dereinst, wenn wir bei Gott sein dürfen, darauf zurückblicken dürfen und müssen, es wird unsere persönliche Geschichte sein, gemeißelt in die Erinnerung für die Unendlichkeit. Wir werden dann wissen, wer wir waren, und wir werden dann wissen, wer wir sind, weil wir gelebt haben, wie wir gelebt haben. Dies wird zugleich unsere Hölle sein, aber auch unsere Erlösung. Mit Gott zusammen, mit Jesus zusammen werden wir zurückblicken auf all die guten Zeiten und auf die, in denen wir Fehler gemacht und Menschen verletzt haben und Dinge nicht funktioniert haben, das wird schmerzhaft sein. Aber in der Liebe Gottes wird dieser Rückblick erträglich sein und er wird durch Gottes Güte und Gnade zu einem Rückblick werden, der doch auch all das Positive sieht. Wir werden Gott dann danken können, dass er so gnädig zu uns ist und uns trotzdem annimmt, obwohl wir so sind und so waren, wie wir sind und waren. Und alle Tränen werden hinweggewischt sein in der Liebe Gottes, die unendlich ist. Das ist die Gnade Gottes und seine Barmherzigkeit. Und in seiner Liebe werden wir leben dürfen in Ewigkeit.

Und bis dahin dürfen wir das Geschenk unseres Lebens annehmen und dürfen so leben, wie Gott es für uns bestimmt hat. Und während wir nun hoffentlich noch viele Jahre und Jahrzehnte leben, sollen wir daran denken, dass wir in unseren Mitmenschen stets einem Funken Gottes begegnen. Auch deswegen sollen wir unsere Mitmenschen lieben wie uns selbst, sogar unsere Feinde. Und deswegen sollen wir Gott lieben von ganzem Herzen. Amen.