Seenotrettung. Jeder vierte Flüchtling

Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte an, dass Deutschland künftig jeden vierten aus Seenot geretteten Flüchtling, der in Italien ankommt, übernehmen werde.

Das ist zwar bisher in etwa auch schon der Fall, allerdings noch mit quälenden bürokratischen Hürden verbunden, nach denen die Flüchtlinge in nicht gerade menschenfreundlicher Art warten und hoffen und zittern müssen, welches Land ihnen denn gnädigerweise und eventuell Asyl gewähren werde.

In Italien würden die Flüchtlinge, die dann nach Deutschland kommen, einer speziellen Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden, so sagte Herr Seehofer.

Möglicherweise könnte auch Frankreich demnächst bereit sein, künftig in einem Automatismus jeden vierten derartigen Flüchtling aus Italien aufzunehmen.

Herr Seehofer sagte sinngemäß, die Flüchtlingspolitik der Regierung sei human und man werde auch niemanden ertrinken lassen.

Das stimmt nun mittlerweile immerhin zumindest für jeden Vierten.

Tatsächlich ist dieses Vorhaben aus ethischer Sicht positiv zu bewerten, weil Menschen eigentlich keine Verhandlungsmasse sein sollten, sondern, wenn man die Menschenrechte ernst nimmt, anständig behandelt werden müssen. Und zwar jeder. Dazu zählt eben auch, dass sie als Asylsuchende von Ländern aufgenommen werden.

Sollte die Anzahl der Flüchtlinge natürlich massiv ansteigen, käme womöglich diese Regelung der automatischen Verteilung an ihre Grenzen. Bis zu einem solch hypothetischen Fall, in dem dann eben neu überlegt werden müsste, ist es aber sicherlich eine gute und ethisch korrekte Lösung.

Man braucht sich dabei auch nicht an der wutschnaubenden Rhetorik der AFD zu orientieren, die natürlich wieder Schaum vor dem Mund haben wird. Aber das hat die AFD ja immer, sie braucht dazu eigentlich keinen konkreten Anlass, notfalls konstruiert sie einen oder kramt irgendetwas aus der Vergangenheit heraus und faselt in Anlehnung an nationalsozialistisches Gedankengut etwas vom „deutschen Volkskörper“ und davon, dass sie angeblich das Volk sei und wisse, was das Volk, also jeder Einzelne, so wolle und dass sie dies vielleicht am besten durch einen starken Mann an der Spitze des Staates, nennen wir ihn einfach mal „Führer“, am besten durchsetzen könnte.

Das Vorhaben der Bundesregierung geht in die richtige Richtung zur Achtung der Menschenrechte und der Wahrung der Würde des Menschen. Wer dagegen ist und Schaum vor dem Mund hat, sollte einmal seine Motive überprüfen und sich fragen,ob er grundsätzlichen Artikeln des deutschen Grundgesetzes überhaupt zustimmt. Denn dort steht, die Würde des Menschen ist unverletzlich. Das gilt nicht nur für Deutsche, sondern für jeden, der ein Mensch ist. Flüchtlinge sind bekanntlich auch Menschen. Und, nicht ganz zu vergessen: auch viele Deutsche waren früher Flüchtlinge. Und zwar in Zeiten, die von Herrn Gauland aus der AFD als „Vogelschiss“ bezeichnet werden, als „kleines Missgeschick“ gewissermaßen. Ein kleines Missgeschick, das etwa 60 bis 70 Millionen Tote verursacht hatte.

Gut und sinnvoll und ethisch richtig, was Horst Seehofer hier auf den Weg gebracht hat. Man darf davon ausgehen und hoffen, dass die Deutschen aus ihrer Geschichte gelernt haben und menschenfreundlich sind. Nach wie vor. Und man soll sich von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Schreihälse, die vorgeben, vermeintliche Interessen eines Volkes zu vertreten, nicht wirr machen lassen. Denn zu dem Volk, das sie in ideologischer Weise gedanklich konstruieren, möchte wohl kaum einer der in Deutschland lebenden Bürger gehören.

Die Würde des Menschen ist unverletzbar. Das ist der Punkt, das ist die Grundlage, zu der die Mehrheit der Deutschen auch heute mit Bestimmtheit ja sagen dürfte.

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