Die originelle und gut gemeinte Idee autonom fahrender Autos

Zugegeben, es klingt ja zu schön. Autos, die autonom fahren und noch dazu praktisch keine Unfälle bauen und den Weg finden, egal, wo sie auch sind. Es funktioniert nur leider nicht.

Wer beispielsweise in der Nähe von Bologna, Italien, etwas auf dem Land übernachtet, merkt, wie sehr autonom fahrende Autos doch immer noch Wunschdenken sind und wohl kaum in nächster Zeit tatsächlich umgesetzt werden dürften. Denn um autonom fahren zu können, braucht es einerseits im Auto gute Sensoren und Kameras, was man vermutlich mittlerweile ganz gut technisch bewerkstelligen kann. Es braucht aber andererseits auch sehr gutes und genaues Kartenmaterial, was keineswegs überall vorhanden ist. Ich spreche jetzt nicht vom hinteren Amazonasgebiet, sondern von Italien.

Wir fuhren kürzlich in dieser Gegend, die man, wenn man es positiv formuliert, als ein klein wenig zersiedelt ansehen kann, was bedeutet, dass irgendwo auf dem Land mal ein Haus steht, dann ein kleiner Weg, ein Sträßchen, eine Straße, wieder ein Weg, wieder ein Haus, ein Sträßchen, irgendwo eine Ampel, im Nirgendwo und im völligen Dunkel ein hell beleuchteter Zebrastreifen und so weiter.

In dieser Gegend fanden wir zuerst zu unserer Unterkunft, obwohl der Vermieter uns schon per E-Mail mitgeteilt hatte, dass wir bitte nicht dorthin fahren sollten, wo Google die Unterkunft lokalisieren würde, sondern zu einer gewissen Kreuzung. Die E-Mail hatten wir zu spät gelesen und seltsamerweise lotste uns Google richtig.

Doch dann ging es los. Wir fuhren eine Pizza essen. Danach sollte Google uns zurück lotsen, was es auch tat. Zum selben Ort, zu dem es uns vorher gelotst hatte. Seltsamerweise war es aber nicht derselbe Ort, oder es war vielleicht zwar derselbe Ort, aber das Haus war nicht mehr da. Und so ging es dann mehrere Male. Originell war auch, dass das Navigationsgerät unseres Autos manche Sträßchen überhaupt nicht kannte und wir seiner Ansicht nach übers Feld fuhren. Oder genauer gesagt, das andere Display unseres Autos kannte die Sträßchen, dass eine Display aber nicht. Google wiederum kannte die Sträßchen, kannte auch die Adresse, aber das Haus war nicht da. Oder es war vor ein paar Stunden möglicherweise zwar noch da, nun aber nicht mehr.

Und so irrten wir etwa eine Stunde lang, obwohl der Weg zuvor etwa nur 10 Minuten gedauert hatte. Wir waren uns zwischenzeitlich nicht mehr ganz sicher, ob wir jemals aus diesem Labyrinth würden herausfinden können und ob es zudem jemals wieder Tag werden würde. Endlich und nach langer Zeit und unzähligen Versuchen und langer Fahrerei konnten wir den Vermieter per Telefon erreichen, der uns dann, man glaubt es kaum, seinen Echtzeitstandort via Google teilte, das uns nun seltsamerweise doch zu dem Haus zurück führte, welches plötzlich an dem Standort wieder stand, an dem es korrekterweise auch zu stehen hatte.

Wir sind uns also aktuell nicht ganz sicher, ob wir hier im Lande Oz gelandet sind, in irgendeiner Zauberwelt, in der die Gesetze der Geometrie zeitweise außer Kraft gesetzt sind, oder ob wir tatsächlich noch in Italien sind.

Aufgrund dieser nicht ganz unwesentlichen Begebenheiten sind wir auf jeden Fall ganz froh, dass wir unser Auto selbst steuern konnten. Mit einem autonomen Auto würden wir vermutlich noch bis alle Unendlichkeit hier durch die Gegend kreisen. Was natürlich einerseits nicht unoriginell wäre, andererseits aber mehr Äonen von Jahren und Nerven verbrauchen würde, als Menschen besitzen.

Ach so, aus besagtem Haus gingen wir, nachdem wir uns dort abends eingebunkert hatten, aus Sicherheitsgründen nicht mehr hinaus. Denn es war nicht mit letzter Sicherheit klar, ob dieses Haus, nachdem wir auf der Veranda gesessen haben und uns dann umgedreht haben würden, um wieder ins Haus zu gehen, noch da sein würde.

 

2 Comments

  1. Autonomes fahren gibt es schon. Es nennt sich ÖPNV. Man steigt ein, kann vollkommen besoffen mitfahren oder auf wordpress einen neuen Artikel verfassen. Genial. Da ist die Zukunft. Schon heute.

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