Eine beleidigte Leberwurst. Weshalb sind Menschen beleidigt?

Menschen sind dann beleidigt, wenn sie gekränkt sind. Irgendetwas macht sie krank.

Jemand hat eine Aussage getätigt oder eine Handlung, die ein anderer als kränkend empfindet. Und zwar meistens deswegen, weil dieser jemand, der da gehandelt hat, die Erwartungen des anderen, der nun beleidigt ist, offenbar nicht erfüllt hat.

Wenn jemand beleidigt ist, heißt es aber auch, dass derjenige wenig emotionale Strategien besitzt, um seine Emotionen kontrollieren und in vernünftige Bahnen lenken zu können. Es haut ihn völlig aus der Bahn, was der andere da gesagt oder getan hat.

Im weiteren ist es dann allerdings auch so, dass derjenige, der beleidigt ist, nun eine gewisse Macht an sich zieht und diese auch ausspielt, je nachdem, wie lange er beleidigt ist. Denn beleidigt sein heißt soviel wie: „Jetzt schau mal, wie du mich wieder hin bekommst. Wie du es schaffst, dass ich wieder in der Gesellschaft funktioniere und nicht wie eine beleidigte Leberwurst in der Ecke sitze und dir den Tag vermiese.“ Beleidigt sein heißt also auch, latent aggressiv zu sein.

Gut ist es, wenn derjenige, der beleidigt ist, lernen kann, seine Emotionen soweit in den Griff zu bekommen, dass er künftig vielleicht zwar noch gekränkt ist von einer Sache, dann aber innerlich einen Schritt zurücktreten kann und sich von der Seite anschauen kann. Wenn er es also schafft, eine Metaperspektive einzunehmen und von der Kränkung wegzugehen.

Dann kann wieder Normalität einkehren. Denn Gefühle müssen nicht unbedingt stimmen. Nur, weil jemand sich gekränkt fühlt, muss das nicht bedeuten, dass jemand anders ihn tatsächlich auch kränken wollte.

Und ja, auch derjenige, der da den anderen gekränkt oder beleidigt hat, ohne es vielleicht zu wollen, sollte ein gewisses Maß an Selbstreflexion aufbringen und sich überlegen, ob das, was er getan oder gesagt hat, auch aus einer objektiven Perspektive heraus in Ordnung wäre.