Soll es weiterhin Sonntagsgottesdienste geben?

Die evangelische Kirche in Deutschland regte kürzlich im Rahmen einer Studie ihre Gemeinden dazu an, ergebnisoffen zu diskutieren, ob es auch in Zukunft unbedingt Sonntagsgottesdienste geben müsse.

Hintergrund ist, dass etwa nur 3% der evangelischen Christen in Deutschland regelmäßig einen Sonntagsgottesdienst besuchen.

Stattdessen könnte man Gottesdienste einrichten, die sich an speziellen Events ausrichten oder an Zielgruppen adressiert sind.

Einerseits liegt der Offenheit bei dieser Diskussion ein gewisser Charme zugrunde, der darauf reagiert, dass in manchen evangelischen Gottesdiensten nicht allzu viel Besucherandrang herrscht.

Andererseits gilt in vielen christlichen Ländern der Welt, so auch in Deutschland, der Sonntag als der geheiligte Tag. Würden sich nun viele Gemeinden vom Sonntagsgottesdienst verabschieden und auf andere Gottesdienstzeiten oder Formen ausweichen, könnte natürlich der Sonntag in seiner bisherigen Funktion ziemlich an Bedeutung verlieren.

Dies könnte dann auch gesamtgesellschaftliche Folgen haben, denn bislang gilt, zumindest in Deutschland, der Sonntag vielerorts ja noch als der Tag, an dem nach Möglichkeit nicht gearbeitet werden soll. Also als ein Tag, der sich von allen anderen unterscheiden soll und der, da er ja gesellschaftlich so noch akzeptiert ist, der Gesellschaft auch einen gewissen kulturellen Rahmen gibt, innerhalb dessen die Gesellschaft auch weiß, dass sie, zumindest vom kulturellen Kern her, eine christliche Gesellschaft ist. Ohne Sonntag in seiner bisherigen Form könnte es sein, dass die Menschen immer mehr dem Kommerz und den von Konzernen geforderten sogenannten flexiblen Arbeitszeiten zum Opfer fallen.

Wenn also zu viele evangelische Gemeinden sich vom Sonntagsgottesdienst verabschieden sollten, könnte der Schuss auch nach hinten losgehen. Der Sonntag wäre nicht mehr der geheiligte Tag, die Gesellschaft hätte keinen Rhythmus mehr und die evangelische Kirche, auch, wenn sie sich nun an Zielgruppen spezieller richten wollte, hätte womöglich danach noch weniger Besucher.

Eine nicht ganz ungefährliche Diskussion.