Kirchenaustritte. Und was man dagegen tun könnte.

Die evangelische Kirche in Deutschland hat aktuell noch 21 Millionen Mitglieder. Etwa ein Viertel der Deutschen ist also in einer evangelischen Kirche. Tendenz aber sinkend.

Was könnte man gegen die sinkenden Mitgliederzahlen tun?

Zum einen wäre es sicher sinnvoll, wenn die Kirche in den sozialen Netzwerken und dem Internet aktiver und stärker vertreten wäre. Die Jugend ist heute online. Sie ist online aufgewachsen. Was im Netz nicht gut repräsentiert ist, das existiert nicht für die Jugend.

Zum anderen wäre es sicher hilfreich, wenn im Sinne von Rudolf Bultmann eine gewisse Entmythologisierung angeboten werden würde, sodass die Menschen, die heute ja doch von großer Rationalität geprägt sind, biblische Texte angemessen interpretieren können. Im Sinne von Paul Tillich könnte man Deutungsmuster anbieten, wonach manche Geschichten als Symbole für eine tiefere Wirklichkeit zu verstehen sind. Dies wäre beispielsweise hilfreich bei Themen wie Auferstehung, Himmelfahrt, der Weihnachtsgeschichte und Pfingsten. Wer diese Geschichten wörtlich nimmt und andererseits einem rationalen Zeitgeist verpflichtet ist, kommt nämlich in Konflikte. Das Anbieten symbolischer Interpretation für eine tatsächlich existierende Wirklichkeit hinter der für uns Menschen sichtbaren Wirklichkeit kann diese Konflikte beseitigen und die Aussagen des Evangeliums weiterhin aktuell halten bzw wieder aktuell machen.

Und dann noch die Sache mit der lutherischen Sprache. Es gibt Leute, die lieben die Lutherbibel. Weil das so eine tolle Sprache sei. Martin Luther übersetzte im 16. Jahrhundert die Bibel ins Deutsche, so dass jedermann sie lesen konnte. Seine Sprache prägte die deutsche Sprache über die Jahrhunderte. Allerdings, würde Martin Luther heute eine Bibel ins Deutsche übersetzen, würde er wohl kaum noch die altdeutsche Sprache wählen. Er würde heute sicherlich so übersetzen, dass es für den heutigen Leser verständlich und gut klingt.

Und dann noch die Sache mit der Musik. Bis orat, qui cantat, sagte Luther. Derjenige, der singt, betet zweimal. Einmal nämlich beim Singen in der Kirche und zum zweiten Mal singt und betet man den ganzen Tag über innerlich, wenn die Melodie und der Text eines Liedes einen begleiten. Allerdings ist das mit den heutigen kirchlichen Liedern, die irgendwann von 1650 stammen, oder, wenn sie ganz modern sind, vielleicht von 1700, nicht mehr ausgemachte Sache. Das kann man auch daran erkennen, dass in einer evangelischen Kirche meistens laut die Orgel ertönt, dann vielleicht noch ein älteres Gemeindemitglied, das die Entstehung eines Liedes von 1700 vielleicht als Kind noch live mitbekommen hat, laut und falsch in den Saal trötet, dass aber alle anderen etwas ungläubig einen schwer verständlichen Text mitflüstern und man defacto nur die Orgel hört. Es wären also Lieder nötig, die von der Melodie her einprägsam und aktuell sind und vom Text her ebenfalls. Zudem müsste es einen YouTube-Kanal der evangelischen Kirche geben, auf dem man derartige Lieder beispielsweise für die Gemeindearbeit, die Jugendarbeit, die Kinderarbeit und die Schule immer abrufen könnte, in Text und Ton. Ein paar Beispiele für gute Lieder: vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, Joshua fit the battle of Jericho, go down Moses, Herr bleibe bei uns, lobe den Herrn meine Seele, heaven is a wonderful place, Jesus wohnt in unserer Straße, Shalom chaverim, havenu Shalom alechem, geh aus mein Herz und suche Freud, our god is an awesome god, dich will ich anbeten Herr, und viele andere.

Make church great again.