Die Gemeinsamkeit von Gläubigen und Atheisten

Man ist ja schnell mal dabei, Menschen mit anderer Weltsicht alle möglichen Dinge zuzuschreiben.

Dabei sind beispielsweise Gläubige und Atheisten gar nicht so unterschiedlich, wie man zunächst annimmt. Gläubige glauben an einen Gott, Atheisten glauben an keinen Gott.

Der kleinste gemeinsame Nenner, der zugleich aber auch eine Gemeinsamkeit ist, heißt: beide glauben an etwas.

26 Gedanken zu “Die Gemeinsamkeit von Gläubigen und Atheisten

  1. Wahre Worte! Schließt sich die Frage an: Wenn ich sowieso an etwas glaube…warum dann nicht an etwas Gutes? Etwas, das meinem Leben Sinn verleiht und mir Kraft schenkt? Etwas, das sich in Liebe an mich verschenkt und mein Leben reich macht? …

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  2. Hm.
    Nee.
    Einmal: Viele Atheist*innen glauben ja gar nicht, dass es keinen Gott gibt.
    Und dann, ja gut, das ist auch eine Sache, die Hitler, Mutter Theresa und Greta Thunberg gemeinsam haben.
    Was sagt diese Gemeinsamkeit also aus?

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  3. Es gibt welche, die das glauben, und es gibt auch welche, die das nicht glauben.
    Und dann kommt es natürlich darauf an, was du mit einem Gott meinst. Da gibts ja auch noch große Unterschiede.
    Aber du darfst dich auf jeden Fall schon mal wundern, denn so ist das.

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  4. Ich finde zu dem Thema das Ebook „der nichtreligiöse gute Mensch“ recht passend, das auf internationalen Statistiken beruht … LG Friedrich

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  5. „Jeder glaubt an etwas“ ist die denkbar unbestimmteste Form der Gemeinsamkeit. Jede Annahme über die Welt ist ein Glaube. Ich glaube, dass ich gerade wach bin und vor meinem Computer sitze. Aber vielleicht ist das nur ein luzider Traum. Ich glaube, dass ich heute gegen 17:00 Uhr mit der Arbeit aufhöre. Ich glaube, dass ich Fahrrad fahren kann. Abgesehen von der Erfahrung des eigenen Bewusstseins kann jeder Glaube falsche sein.

    Jede Annahme über die Welt ist provisorisch. Wir treffen ständig unwillkürlich Annahmen über die Welt. Nur sind die Wahrscheinlichkeiten eben unterschiedlich groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass heute abend die Sonne zu der vorausberechneten Zeit untergeht ist bedeutend größer, als dass ein Esel plötzlich in menschlicher Sprache spricht oder dass ein am Kreuz hingerichteter Mann nach drei Tagen auf einmal wieder lebendig wird.

    Deshalb ist es vielleicht klarer, wenn wir in Wahrscheinlichkeiten sprechen: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass göttliche Wesen existieren und ich halte die Existenz des Gottes Jahweh ebenso wie die von Huitzlipochtli oder Odin für nahezu ausgeschlossen, das heißt aber nicht, dass ich behaupte, dies kategorisch zu wissen. Das ist wohl der größte Unterschied zwischen vielen religiös gläubigen und vielen Atheisten: Für die religiös gläubigen ist der Glaube an ihre Religion / ihren Gott eben weit mehr als eine provisorische Annahme, die auch falsch sein kann. Sie behaupten oft ein intuitives „Wissen“ („ich weiß, dass ich weiß, dass ich weiß“), was aber bei näherem Hinsehen oft eher ein „für wahr halten wollen“ zu sein scheint. Als im religiösen Sinne nicht gläubiger brauche ich dies nicht. Ich habe kein Problem damit, mir die Vorläufigkeit der eigenen Annahmen über die Welt einzugestehen.

    Daher denke ich, die Aussage „Beide glauben an etwas“ ist sinnentstellend verkürzt.

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  6. @HImmelsstürmer: Ich suche mir meinen Glauben nicht aus. Ich kann etwa nicht einfach glauben dass ich fliegen kann, auch wenn das ein toller Glaube wäre. Genauso wenig kann ich einfach beschließen, an einen oder mehrere der zehntausende Götter zu glauben. Glauben heißt „für wahr halten“. Auf welcher Grundlage halte ich etwas für wahr? Erfahrung, Induktion, Deduktion etc. Aber nicht: Sich einfach willkürlich etwas heraussuchen, das mir zusagt und es dann tatsächlich für wahr halten. Das macht mein Hirn nicht. Ich kann zwar Dinge für wahr halten /wollen/ .

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  7. [sorry, zu schnell abgeschickt] .. aber sie tatsächlich für wahr zu halten ist eine komplett andere Veranstaltung. Klar fände ich Reinkarnation eine spannende Sache, um mal willkürlich ein Beispiel herauszugreifen. Aber ich bin mir dessen bewusst, dass dies nur ein Wunsch ist und der Wunsch kein Auswirkung auf die Wirklichkeit hat. Ich würde es auch begrüßen, wenn unser Bewusstseit mit dem Tod nicht einfach endet. Aber ob es so ist oder nicht steht auf einem völlig anderen Blatt. Dass ich etwas gerne hätte heißt nicht, dass ich glaube dass es tatsächlich so ist. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem behaupten religiöse Menschen erstaunlich oft, wir könnten uns unseren Glauben irgendwie aussuchen („choose to believe“). Wie in Dreiteufelsnamen soll das funktionieren?

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  8. In Bezug auf das Christentum und Judentum ist es so, dass hier auf die Erfahrungen von Generationen von Theologen zurückgegriffen wird. Es wird also auch nicht einfach so an etwas geglaubt, was man sich ausgedacht hätte.

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  9. Auch die Generationen von Theologen können den Gegenstand ihres Glaubens nicht zeigen. Und dementsprechend gibt es unbegrenzt viele inkompatible Vorstellungen davon, was er eigentlich ist. Man stelle sich das mal für jede andere Disziplin vor: Die einen Physiker würden sagen dass unabhängig von Dichte und Gewicht die Beschleunigung im freien Fall 9,8 auf der Erde meter/sekunde² ist aber andere Physiker behaupten, dass die Fallgeschwindigkeit linear ist und vom Gewicht abhängt. Die asiatischen Physiker würden sagen, dass die Schallgeschwindigkeit 330 m/sec ist, die amerikanischen sagen ist ist 590 m/sec und die afrikanischen sagen, dass sie von der Tageszeit abhängt. Das alles ist zum Glück nicht der Fall, aber in der Theologie schon, weil der Gegenstand völlig ungreifbar ist und die meisten einfach in der Tradition bleiben, in die sie geboren wurden.
    Als nichtreligiöser Mensch habe ich kein „atheistisches Glaubenssystem“, ich habe nur die vorläufige Annahme, das es wohl keine Götter gibt. Ich habe keine weiteren „Glaubensinhalte“ bezüglich dieser Götter. Christen und Anhänger anderer Religionen behaupten oft zu wissen, was ihr Gott will und es ist fast immer genau das, was sie selbst wollen. Und sie sagen dass ihr Gott Gebete erhört, bestimmte Handlungen gutheißt und andere verdammt, dass er manche in die Hölle gehen lässt oder auch nicht etc. Ich brauche und kann gar nichts darüber glauben, ob mein Nicht-Gott Gebete erhört etc. Ich denke einfach nur, dass die Existenz von Göttern unwahrscheinlich ist. Wenn Du das im religiösen Sinne einen „Glauben“ nennst, dann ist Glatze eine Frisur.

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  10. Naturwissenschaft ist ja nicht gleich Philosophie oder Theologie. Sicher gibt es Christen, die immer glauben, Gott würde funktionieren wie eine Maschine. Ein Gebet eingeschmissen und dann bekommt man, was man möchte. Viele Christen wissen aber auch, dass Gott unverfügbar ist. Dennoch glauben sie daran, dass es ihn gibt. Aus meiner Sicht kann man zur Gottesfrage kommen, wenn man beispielsweise darüber nachdenkt, was das Bewusstsein ist, warum alles überhaupt existiert, was Unendlichkeit ist, was Schöpfung bedeutet, wie man Evolution auch interpretieren kann, ich meine jetzt nicht im Sinne von intelligent Design, und so weiter. Zu den Themen findest du hier einiges auf dem Blog.

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  11. Naturwissenschaft hin oder her – die Aussage, dass Gott Gebete erhöre lässt sich ja testen und insbesondere die Aussagen Jesu, die eine Erfüllung jedes im Gebet in seinem Namen ausgesprochenen Wunsches versprechen, und da stellen wir ziemlich schnell fest, dass diese Aussagen Jesu schon mal gar nicht der Wahrheit entsprechen und dass es sich mit Gebeten ähnlich verhält wie mit Homöopathie: Sie sind Placebos. Die eigentliche Wirkung kommt nicht daher, dass am anderen Ende jemand zuhört und dann entsprechend agiert, sondern sie kommt daher, dass es in einem selbst etwas bewirkt. Insofern will ich Gebete auch nicht verdammen. Mein Vater war der Gründer des Fürbittendienstes von Brot für die Welt und die Texte seiner Gebetsvorlagen haben in vielen Gemeinden Bewusstsein für alle möglichen entwicklungs-, friedens- und menschenrechtspolitischen Themen geweckt. Aber die Wirkung dieser Texte hat sich durch menschliches Handeln entfaltet, nicht göttliche Intervention (soweit man feststellen kann).

    Zu Fragen wie was Bewusstsein ist und warum überhaupt etwas existiert macht es keine Unterschied ob man denkt, dass da ein Gott ist oder nicht. Wenn wir einen Gott postulieren, dann ist das ein Wesen, das 1) existiert und 2) Bewusstsein hat. Sprich: Wir setzen einfach Existenz und Bewusstsein voraus. Damit erklären wir genau gar nichts. Daher finde ich das auch intellektuell und philosophisch nicht befriedigend.

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  12. Gebete als Autosuggestion zu sehen ist natürlich eine Möglichkeit. Ich denke allerdings, dass sie in der Tat darüberhinaus etwas bewirken, weil Gott manchmal auf Gebete antwortet. Vielleicht allerdings nicht in der Art, in der man sich das wünscht, aber in einer guten Art und Weise. Man wird also nicht, wie Janis Joplin, von Gott einen Mercedes-Benz im Gebet verlangen können.
    Die Frage nach dem Bewusstsein ist auch die Frage danach, ob die Welt rein materialistisch ist, oder ob es eine geistige Dimension gibt. Wenn es eine geistige Dimension gibt, (ich meine nicht eine geistliche), dann gibt ist auch die Möglichkeit, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner materiellen Einzelteile.

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  13. 1. Woran stellst Du fest, dass es wirklich Gott ist, der antwortet?
    2. Wenn wir Jesu Aussagen folgen, dann müsste Janis Joplin ihren Mercedes Benz bekommen: Markus 1:24: „Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr’s empfangen werdet, so wird’s euch werden.“ Jesus sagt ausdrücklich „alles“. Er macht keinerlei Einschränkungen, und ähnliche Stellen finden sich auch in den anderen Evangelien.
    3. Was das Bewusstsein betrifft: Du sagst, es muss geistig sein, weil sonst die Welt materialistisch wäre und das wäre schlecht. Dies ist ein Denkfehler, ein argumentum ad consequentiam. Ob dir die Konsquenzen gefallen oder nicht, macht eine Sache nicht mehr oder weniger wahrscheinlich.

    Aber gucken wir uns die Konsequenzen trotzdem einmal an: Wenn das Bewusstsein aus „geistiger Substanz“ (was immer das ist) bestünde, dann würde halt ein neues geistiges Einzelteil dazukommen. (Der Buddhismus sieht es übrigens so. Er sieht den Menschen aus fünf „Skandhras“ oder „Haufen“ zusammengesetzt die ihrerseits beständiger Veränderung unterworfen sind. ) Was wäre damit gewonnen?

    Weiterhin: Damit etwas mehr ist, als die Summe seiner Teile, braucht man keinen Dualismus. Das geht auch mit reiner Materie. Z.B. Feuchtigkeit. Ein einzelnes H2O-Molekül ist nicht feucht. Feuchtigkeit ist eine Eigenschaft, die nur die Summe hat, aber keines der Teile. Keines der Neuronen in underem Gehirn hat für sich Gedanken. Es sind die Strukturen, die den Unterschied machen. Wie sie angeordnet, wie sie verbunden sind.

    Das Postulieren einer geistigen Dimension bringt uns der Antwort auf die Frage, was Bewusstsein /ist/ keinen Schritt näher. Was /ist/ diese „geistige Dimension“? Was sind die Bedingungen ihrer Existenz? Wie „funktioniert“ sie? Wenn wir dazu irgendwelche sinnvollen Aussagen treffen könnten, dann wäre dies vielleicht ein sinnvolle Denkrichtung. Aber sonst ist es nur eine Scheinantwort. Es ersetzt die einzig ehrliche Antwort, die wir zur Zeit geben können: „Ich weiß es nicht.“

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  14. 1. Das kann niemand hundertprozentig sicher sagen. Aber Menschen interpretieren, ich denke zurecht, bei gewissen Ereignissen in ihrem Leben, diese Ereignisse so, dass Gott geholfen hat.

    2. Nein, der Verfasser des Markusevangeliums hat diese Worte zugespitzt Jesus in den Mund gelegt und damit sinngemäß wiedergegeben, was Jesus wohl gesagt hat. Möglicherweise hat Jesus natürlich genau das gesagt, wir wissen aber, dass Markus es so wiedergegeben hat.

    3. Der Begriff „Feuchtigkeit“ ist bereits etwas Geistiges. Dieser Begriff, wie auch alle anderen Begriffe, können nicht in einer rein materialistischen Welt gefunden werden.
    Wenn zwei Neuronen keine Gedanken haben, ein paar Milliarden dann aber schon, ist das Geistige immer noch etwas anderes als die Neuronen an sich. Es weist über sich hinaus auf eine geistige Welt.

    Die Antwort „ich weiß es nicht“ ist wohl diejenige eines Skeptikers oder des Skeptizismus. Genau genommen weiß man im Leben natürlich wirklich praktisch nicht allzuviel. Dennnoch sind die Menschen offensichtlich so gebaut, dass sie nach Sinnzusammenhängen fragen, weil es diese Sinnzusammenhänge offensichtlich auch gibt. In vielen Bereichen haben wir Menschen durch unsere Erfahrung wahrgenommen, dass viele Sinnzusammenhänge tatsächlich existieren.

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  15. 1. Ok, kann sein kann auch nicht sein. Ich kann mir vorstellen, dass Beten als kontemplative Tätigkeit positive Wirkung haben kann, ähnlich wie Meditation (die ich täglich ausübe, wenn ich es nicht verschlampe), auch denke ich, dass mächtige, bilderreiche Sprache, etwa der Fürbittengebete meines verstorbenen Vaters wirkungsvoll sein kann, aber all das funktioniert auch ohne dass da am anderen Ende der Leitung jemand zuhört. Und da es nie eindeutig eine Antwort vom anderen Ende der Leitung gibt, denke ich dass die logischste Erklärung ist, dass da eben auch keiner zuhört. (wie gesagt, ich weiß das nicht, ich kann mich irren, aber es erscheint mir ziemlich unwahrscheinlich)
    2. Diese Aussagen Jesu finden sich nicht nur bei Markus, wir finden sie auch in den anderen Evangelien und immer ist die Botschaft dieselbe: *Jeder* Wunsch wird *bedingungslos* erfüllt. *Nichts* ist unmöglich. Auf welcher textuellen Grundlage willst Du da auf eine „bescheidenere“ Botschaft Jesu zurückschließen? Nach allem, was wir sehen können, war Jesus in jeder Hinsicht ziemlich radikal, deshalb spricht meiner Ansicht nach nicht viel dafür, dass er sich hier zurückhaltender ausgedrückt hat.
    3. Der Begriff „Feuchtigkeit“ ist ein Konzept. Aber neben dem Konzept gibt es auch die Sache selbst und die ist materiell. Wodurch unterscheiden sich feste, gasförmige, flüssige und plasmaförmige Materie voneinander? Sie bestehen alle aus Quarks, Elektronen etc. also aus exakt denselben Grundbestandteilen. Sie sind jedoch anderes strukturiert angeordnet, haben unterschiedliche Energiezustände. Da ist nix geistiges. Oder würdest Du sagen, dass Flüssigkeit, Gase, Plasma oder feste Materie nur da existieren, wo Geist ist?
    Der Umstand, dass ein paar Milliarden Neuronen zusammen Träger eines Bewusstseinss sein können ist zunächst einmal ein Rätsel. Die Vorstellung eines immateriellen Geistes hilft da nicht weiter. Warum braucht es dann überhaupt ein Gehirn, wenn der Geist materieunabhängig ist? Warum können Schädigungen des Gehirns die Persönlichkeit verändern? Warum gibt es Demenz? Wie wirken Drogen, wenn der Geist, auf den sie wirken, nicht auf Materie basiert? Einstweilen ist das ein Rätsel, und man kommt der Lösung des Rätsels nicht näher, wenn man eine geistige Welt postuliert, über die man überhaupt nichts aussagen kann.

    Wenn ich sage „Ich weiß es nicht“, dann ist das keine Aufforderung, bei diesem Nichtwissen stehen zu bleiben. Im Gegenteil – Einsicht in die Begrenztheit unseres Wissens ist es ja gerade, was Fortschritt – technischen, sozialen, philosophischen, kulturellen – ja gerade motiviert. Und je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir auch was wir alles nicht wissen. Im 19. Jahrhundert war man im Irrglauben, schon eine vollständige physikalische Beschreibung der Welt zu haben. Und man hat sich gründlich getäuscht. Denn dann kamen Relativitätstheorie, Urknall, Quantenphysik. Heutet denken wir, dass das Universum zu ewa 70 % aus dunkler Energie und über 20% aus dunkler Materie besteht, Dinge über die wir so gut wie nichts sagen können, und ich habe gar nicht erst angefangen von Supersymmetrie, ewiger Inflation und Multiversum. Heute haben wir zumindest eine Ahnung davon, dass wir nur winzige Inseln des Wissens in einem Ozean des Nichtwissens haben. Wollen wir deshalb zur seeligen Geborgenheit des 19. Jahrhunderts, zu der Illusion, schon alles zu wissen, zurückkehren? Einige vielleicht schon, aber ich denke, der menschliche Geist tendiert insgesamt in eine andere Richtung.

    Ich sage nichts gegen persönliche Sinnsuche und Sinngebung. Natürlich will ich auch, dass ich meine eigene Lebenszeit nicht sinnlos verplempere, sondern etwas dafür tue, das Leid fühlender Wesen in dieser Welt zu verringern. Aber das geht auch ohne zu glauben, man wisse schon, was das Wesen des Bewusstseins ist etc. Sinn ergibt sich aus der Erfahrung in einer Welt zu leben, die voll ist, mit fühlenden Wesen, die alle glücklich sein wollen und die alle häufig leiden. Einen göttlichen allmächtigen Schöpfer hinzuzufügen oder eine geistige Welt fügt dem meiner Ansicht nach nichts hinzu. (full disclosure: Ich habe mit in den letzten Jahren viel mit Theravada-Buddhismus befasst und denke, dass da schon einiges richtig erkannt worden ist)

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  16. 1. Ob Gebet hilft, kann sicherlich nur subjektiv beantwortet werden. Du könntest es mal ausprobieren.

    2. Das laut Jesu Worten jeder Wunsch erfüllt werden soll, ist mir neu. Welche Stellen meinst du? Im Vaterunser beispielsweise steht: dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

    3. zum Thema geistige Welt und Bewusstsein könntest du mal, falls du Zeit und Lust hast, z.b. hier auf dem Blog nach „Markus Gabriel“ suchen.

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  17. 1. Also, nicht dass ich das nicht schon versucht /hätte/. Das Problem ist, dass Gott auf Ansprachen mit dem Zusatz „wenn es Dich wirklich gibt“ nicht reagiert. Warum? Offenbar muss man schon überzeugt sein, dass Gott real ist um subjektiv das Gefühl zu haben, da wäre etwas echtest. Für mich kontrastiert das ziemlich krass mit der Vipassana-Meditation die ich (nach Möglichkeit) täglich praktiziere: Da geht es einfach darum, wahrzunehmen, was in diesem Moment passiert, sich ganz auf Empfänger zu schalten, nicht auf Sender, die Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie sie ist, nicht wie ich sie gerne hätte. Wenn ein Gott Teil dieser Wirklichkeit wäre und mir etwas zu sagen hätte, hätte er/sie/es da reichlich Gelegenheit. Passiert aber nicht.

    2. Naja, Stellen gibt es einige, ein paar Beispiele:

    Markus 11:24 “ Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne“ Matthäus

    21:22 „Und alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, so werdet ihr’s empfangen“

    Johannes 14:13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne

    Matthäus 18:19 „Weiter sage ich euch: Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, das sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.“

    Ich denke, da haben wir eine konsistente Botschaft. Immer wieder sagt Jesus, man könne um alles bitten und jeder Wunsch würde in Erfüllung gehen, wenn man nur Glauben hat. Ich weiß nicht, wie man da zu einer anderen Interpretation kommen kann. Diese Botschaft ist klar und durchgehend.

    3) also ich habe seinen Betrag in DRadio Kultur gefunden, aber das scheint mir auch nur ein argumentum ad consequentiam zu sein. Es ist irgendwie wünschenswert, dass der Mensch mehr ist, als das Gehirn, aber weder sagt er explizit, warum das wünschenswert ist, noch was dieses „mehr“ eigentlich ist.

    Meinethalben ist es total egal, ob der menschliche Geist ein Produkt des Gehirns ist oder einer immateriellen „geistigen Welt“. Was zählt, ist dass Bewusstsein existiert, dass fühlende und erlebende Wesen existieren, dass sie alle das Streben nach Glück und die Erfahrung des Leids haben. Das allein ist Grund genug, sich zu bemühen, das Leid zu mindern und das Glück zu mehren. Worauf der Umstand, dass es fühlende Wesen gibt, beruht, wissen wir nicht und es ist für ethisches Handeln gerade mal egal, denk ich.

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  18. 1. Hmm, vielleicht ist das dann für dich einfach dein Weg. Ich hatte schon öfters im Leben das Gefühl, dass da etwas ist, was bei mir ist und mir hilft. Also Gott. Ich bin der Meinung, dass bei mir Gebete schon erhört wurden. Es gab natürlich auch leidvolle Momente in meinem Leben, aber das Theodizeeproblem kann man ja nicht lösen.

    2. Na gut, dann widersprechen die Stellen, die Du angeführt hast, offenbar etwas der Stelle im Vater Unser, die ich da eingeführt hatte. Mit dieser Spannung muss man wohl leben.

    3. Ich hatte das Thema Bewusstsein ursprünglich angeführt, weil es meiner Meinung nach über die sichtbare Welt hinaus weist.

    Aber ja, in ethischer Hinsicht reicht es vielleicht auch schon, wie du sagst, zu wissen, dass alle Lebewesen offenbar fühlen, um daraus den Handlungsimpuls zu entwickeln, anständig mit einander umzugehen.

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  19. Nur kurz zu 3.: Was heißt „über die sichtbare Welt hinaus“? Wohin? Ich sehe das immer nur negativ definiert, immateriell, zeitlos, transzendent etc. aber niemand sagt, was das eigentlich sein soll. Und niemand begründet, warum wir weniger wert sein sollen, wenn wir „nur“ Materie sind. Wäre es nicht auch Gegenstand bodenlosen Staunens, dass in einem Klumpen Materie bei entsprechend komplexer Konfiguration aus irgendeinem Grunde plötzlich „die Lichter angehen“, dass das Universum stellvertreten durch uns sich auf einmal seiner Selbst bewusst wird?

    Meine Achtung vor meinen Mitgeschöpfen hängt nicht davon ab, auf welchem Substrat unser Bewusstsein basiert. Eine Komposition von Bach, ein Gedicht von Hafis oder ein Bild von (keine Ahnung, hab’s nicht mit Malerei) werden dadurch weder hässlicher noch schöner. Mein Mitgefühl zu anderen Menschen verschwindet nicht, weil ich denke, dass wir nur vorübergehende flüchtige Erscheinungen sind, im Gegenteil. Ich sehe nicht, dass das Fehlen eines „göttlichen Funkens“ ein Freibrief zum Morden, Vergewaltigen und Rauben wäre.

    Trotzdem, ich geben zu: Die Einsicht in die Wahrscheinlichkeit der radikalen Sterblichkeit ohne Netz und doppelten Boden ist nicht schön. Wobei – genauer hingeguckt ist der eigene Tod kein Problem. Wenn ich tot bin, werde ich wohl keine Erfahrung von „tot sein“ haben, ich werde einfach aufgehört haben zu sein. Wichtig ist nicht meine eigene Fortexistenz, sondern ob ich etwas positives auf dieser Welt hinterlassen habe. Das Problem ist der Tod anderer Menschen, während ich selbst zurückbleibe. Da hilft nichts.

    Aber auch Christen freuen sich ja keineswegs, wenn ein geliebter Mensch stirbt, obwohl die Kirche (nicht die Bibel!) sagt, dass sie in den Himmel kommen. Instinktiv scheint jeder zu wissen, dass der Tod der finale Einschnitt ist, da ändert religiöser Glaube wenig. Interessant finde ich übrigens, dass es diesen Himmel, wie auch die Hölle in der Bibel kaum gibt. Eigentlich nur im Gleichnis von Lazarus andeutungsweise und dann in der Offenbarung des Johannes. Die Vorstellung eines Körper-Geist-Dualismus war der jüdischen Tradition fremd. Jesus hat an das Erscheinen eines utopischen Königreichs Gottes hier auf Erden geglaubt, soweit man den Synoptikern entnehmen kann. Sein „ewiges Leben“ war die Vorstellung einer fortdauernden körperlichen Existenz in einem utopischen Reich des Friedens, das leider nicht gekommen ist. Erst aus der Parousie-Verzögerung – das versprochene Ende kam nicht – hat sich nach und nach die Vorstellung von Himmel und Hölle als transzendenter Orte entwickelt, an denen wir als reine Geistwesen weiterexistieren. (sorry dass dieser Kommentar wieder so lang geworden ist, Prokrastination)

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  20. Der Tod ist für uns Menschen natürlich eine Katastrophe, besonders der von Mitmenschen. Klar, womöglich ist man selber tot, wenn man tot ist. Glaube ich allerdings nicht.

    Schau mal unter dem Artikel nach „Tote verabschieden sich von uns“.

    Und beim Thema „Bewahrung durch etwas Göttliches“ fallen mir diese Artikel hier ein:
    https://theolounge.blog/2017/11/27/schutzengel-2/
    https://theolounge.blog/2017/08/12/eine-kinderhand-in-einer-autotuer/
    https://theolounge.blog/2018/05/09/wie-bitte-soll-man-die-himmelfahrt-jesu-verstehen/

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