Lampedusa 9.0. Das Drama geht weiter

Ein weiteres Schiff der Seenotrettung macht aktuell Kurs auf die italienische Insel Lampedusa. An Bord 65 aus dem Meer gerettete schiffbrüchige Flüchtlinge.

Man darf schon mal warten, wie Italiens Innenminister der rechtspopulistischen Lega Nord wieder poltern und hetzen wird.

Vor einigen Tagen erst hatte die deutsche Kapitänin Carola Rackete das Schiff „Sea Watch 3“ auf der Insel Lampedusa angelandet, nachdem sich die Situation an Bord nach 17 Tagen auf dem Mittelmeer zugespitzt hatte. 40 aus Seenot gerettete Migranten waren an Bord. Salvini wetterte und tobte. Frau Rackete musste sich in einem ersten Gerichtsprozess verantworten, wurde dort aber freigesprochen, weil es ihre Pflicht sei, so die Richterin, Menschen aus Seenot zu retten. Nun muss Rackete demnächst wieder vor einem italienischen Gericht antreten, ihr wird Beihilfe zu illegaler Migration vorgeworfen.

Frau Rackete ihrerseits will immerhin mit ihrem Anwalt zusammen Matteo Salvini verklagen, wegen mehrfacher Verleumdung. Dieser machte sich daraufhin auf Twitter über Rackete lustig und cancelte sie als kleines Dummchen ab.

Derweil sind also nach wie vor nun weitere 65 aus Seenot gerettete Menschen in einem Schiff unterwegs nach Lampedusa. Warum? Weil man nicht ein Leben lang auf dem Meer bleiben kann. Und weil es ja auch blöd ist, zu ertrinken. Blöd ist auch, dass Herr Salvini das nicht ganz versteht. Nun ja, verstehen tut er es wohl, er macht aber einen Unterschied zwischen Italienern und Menschen, die nicht aus Italien kommen, wenn es um das Recht auf Leben geht.

Was man tun könnte, damit keine Migranten mehr im Mittelmeer ertrinken, hatte ich bereits hier beschrieben. Sie können es noch einmal nachlesen. Herr Salvini ist nämlich im Grunde genommen, so unangenehm seine ätzende Hetzerei auch ist, nur ein Teil des Problems.

Die Sache mit Herrn Salvini gibt allerdings trotzdem ziemlich zu denken. Carola Rackete, die bis zum nächsten Gerichtsprozess Italien nicht verlassen darf, befindet sich derzeit an einem geheimen Ort, weil sie eine Menge Drohungen erhalten hat. Drohungen, weil sie Menschen aus Seenot gerettet hatte. In Deutschland gab es eine Zeit, da landete man vor Gericht oder schlimmer, wenn man beispielsweise Juden vor den Nationalsozialisten rettete. Heutzutage landet man in Italien vor Gericht, wenn man Menschen vor dem Ertrinken rettet. Heute muss man sich in Italien verstecken, wenn man Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat.

Die Vereinigung der „Bademeister eV“ hat schon angekündigt, in Freibädern künftig sicherheitshalber keine Menschen mehr vor dem Ertrinken retten zu wollen, damit man nicht vor Gericht lande.

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