Die Liebe lieben und den Hass hassen?

Kürzlich las ich einen Gedanken, der etwas weiterentwickelt so lautet, dass man die Liebe lieben solle und den Hass hassen.

Im Prinzip ist das eine gute Sache und es ist wohl auch gut gemeint.

Wenn man es genauer betrachtet, ist es aber so, dass man sich sowohl durch die Liebe als auch den Hass an etwas bindet. Oder, um es noch genauer zu sagen, weder die Liebe, noch den Hass sucht man sich aktiv und bewusst aus, beides sind Gefühle, die einen ergreifen, die man bestenfalls vielleicht unterdrücken kann, wenn man gut darin ist oder psychologische Aufarbeitung betreibt. Aber Dinge, die unterdrückt und unter den Teppich gekehrt werden, haben ja die Angewohnheit, dass man immer wieder über sie stolpert. Den Hass kann man also vermutlich nicht durch Hass überwinden, sondern höchstens durch Vergebung. Denn Vergebung klingt einerseits zwar edel demjenigen gegenüber, der etwas Schlimmes getan hat, sie ist aber primär eigentlich etwas, das denjenigen, der bislang Hass empfand oder empfinden musste, frei macht und ihm emotionale Freiheit schenkt.

Sinnvoller wäre also die Aussage, dass man natürlich die Liebe lieben soll, dass einem der Hass aber möglichst gleichgültig sein sollte. Denn nur dann kann er keinen Besitz mehr von einem ergreifen.

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