Vulven malen auf dem Kirchentag

Auf dem 37. evangelischen Kirchentag, der noch bis zum Sonntag in Dortmund stattfindet, gibt es viele Workshops.

Unter anderem welche, die sich dem Thema Geschlechtlichkeit widmen. So gibt es dort tatsächlich einen, der da heißt „Vulven malen“, also weibliche Geschlechtsteile.

Die Veranstalter des Kirchentags mussten dafür doch etwas Häme einstecken und sollten sich erklären. Sie versuchten irgendwie einen biblischen Bezug zu konstruieren und erklärten sinngemäß, damit solle versucht werden, das über Jahrhunderte verklemmte Verhältnis der Frau zu ihrer Geschlechtlichkeit etwas zu lockern. In der Tat muss man gestehen, dass hier diese Verkrampftheit wirklich abgelegt werden konnte.

Und dann, auch kein Witz, gibt es nach den Workshop für Frauen „schöner kommen“, bei dem es um das Thema des weiblichen Orgasmus‘ geht.

Ob Beate Uhse auch einen eigenen Stand auf dem Kirchentag hat, konnte ich aus dem Programm gerade nicht entnehmen. Unklar ist auch, ob es einen Workshop für Phallussymbole gibt oder einen, wo katholische Ministranten sexuelle Traumata unter Betreuung durch katholische Priester malerisch aufarbeiten können. Ups, ich vergaß, es ist ja ein evangelischer und kein katholischer Kirchentag.

Falls Ihnen heute mal langweilig ist oder Sie sich selbst finden möchten oder sonstwie irgendein Problem aufarbeiten wollen, fragen Sie sich doch, ob Sie heute schon ein paar Vulven gemalt haben.

Und nein, Verklemmtheit kann den Veranstaltern des evangelischen Kirchentages nun wohl niemand mehr nachsagen. Höchstens vielleicht ein etwas weites Hinauslehnen aus dem Fenster in Richtung des Zeitgeistes oder des vermuteten Zeitgeistes.

Da dieser Workshop nun aktuell aber ins Schauspielhaus verlegt wurde, darf man hoffen, dass es sich um eine künstlerische Provokation und Aktionskunst handeln könnte, die möglicherweise in eine Art Bühnenaufführung münden wird. Die Publicity ist jetzt auf jeden Fall gewaltig. Vielleicht sollte besagter Workshop nur ein Köder sein, um ein dahinterstehendes Thema zu bearbeiten und die entsprechende mediale Resonanz zu gewährleisten? Das wäre natürlich tricky. Und hätte auch voll geklappt. Sex sells.

Lesen Sie hier mehr zum Thema und kommen Sie schön.

4 Thoughts

  1. Ich finde nichts dabei ein Seminar zum Vulven malen anzubieten. Wenn da Menschen hingehen, dann scheint es eben dafür Bedarf zu geben. Was mich allerdings jetzt interessieren wäre, wie tatsächlich der biblische Bezug aussah.

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  2. Mich persönlich stört es nicht, können sie gerne machen. Ich glaube aber, dass es dem Ansehen der evangelischen Kirche, das ohnehin in Teilen der Bevölkerung nicht das allerbeste zu sein scheint, nicht unbedingt extrem nützen dürfte.

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  3. Stimmt schon. Allerdings hat sie erreicht, dass vielleicht einige über das Thema nachdenken. Und ich denke, dass dies auch das Ziel war, dass man über Geschlechter und Geschlechtsrollen nachdenkt.

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