Pfingsten und der Turmbau zu Babel. Was beides miteinander zu tun hat.

Im Alten Testament findet sich eine Geschichte, welche die Hybris des Menschen darstellt. In Babylon, also dort, wo im 6. Jahrhundert vor Christus die israelitische Oberschicht, nachdem sie von Nebukadnezar dorthin verschleppt worden war, ihr Dasein fristen muss, soll sie spielen, diese Geschichte.

Die Babylonier, die an den Kriegsgott Marduk glauben, der seine Mutter in einem Kampf tötete, die sogenannte Tiamat, und aus ihr die Erde und die Menschen formte, aus Blut und Fleisch, sind Eroberer.

Die jüdischen Priester entwerfen einen Gegentext zu diesem Kriegsgott, die Schöpfungsgeschichte ganz zu Beginn der Bibel in der Genesis. Ihrer Sicht nach ist Gott ein guter Gott, der das Chaos beseitigt und Ordnung schafft. Seine Welt ist kein Krieg und Kampf, sondern sie ist sehr gut. Er ist derjenige Gott, der Krieg und Kampf beseitigt und Frieden schafft.

Ebenfalls im Alten Testament findet sich die Hybris des Menschen, die Hybris der Babylonier, die einen Turm bauen wollen so hoch, dass er bis zum Himmel reiche. Nach antiker Vorstellung befindet sich oben im Himmel Gott. Gott lässt dies nicht mit sich machen und verwirrt die Sprachen all derjenigen Menschen, die am Bau beteiligt sind. Daraufhin zerstreuen sich die Menschen in alle Himmelsrichtungen und die menschliche Sehnsucht danach, selbst Gott spielen zu können, bricht zusammen.

Ganz anders die Pfingsterzählung im neuen Testament in der Apostelgeschichte, Kapitel 2.

Dort ergreift der Heilige Geist, also die Gegenwart Gottes, die Jünger, also die Anhänger Jesu, sodass sie in fremden Sprachen sprechen können.

Einige Leute verstehen dies wortwörtlich, weiter kommt man aber, wenn man eine symbolische Sichtweise zugrunde legt.

Während sich beim Turmbau von Babel die Menschen selbst zu Gott machen wollten, akzeptieren sie in der Pfingstgeschichte, dass Gott derjenige ist, der alles geschaffen hat, derjenige, der jeden Menschen zu einem Ebenbild Gottes gemacht hat. Sie akzeptieren Gott als einen guten Gott. Infolgedessen gehen die Jünger, beseelt und entflammt von dieser Erkenntnis, mit ihren Mitmenschen unvoreingenommen und gut um. Das hat zur Folge, dass man sich versteht. Sprach man vorher noch verschiedene Sprachen in der Hinsicht, dass jeder versuchte, seinen eigenen Willen durchzudrücken, respektiert man sich nun gegenseitig, sieht also jeden Menschen so an, als würde man in ihm einen Gedanken Gottes erkennen. Es ist also so, als würde man sich in der gleichen Sprache unterhalten, es ist so, dass man sich versteht.

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