Ein paar unbequeme Gedanken zum Elektroauto

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde Elektroautos eigentlich interessant und könnte auch gut mit ihnen leben, so prinzipiell zumindest.

Aber wenn ich mir die Akkuleistung meines Smartphones nach 2,5-jähriger intensiver Benutzung ansehe, bekomme ich doch gewisse Zweifel in Bezug auf Elektroautos.

Bei einem Tesla beispielsweise ist meines Wissens nach der Akku ähnlich fest verbaut wie bei einem iPhone. An die Möglichkeit, den Akku zu wechseln, ist hier eher nicht gedacht. Es gibt andere Elektroautos, teilweise mit einem Akku, den mal leasen kann, den man also folgerichtig wohl auch relativ leicht wechseln kann. Ein solches Konzept ist dann wohl schon zukunftsfähiger. Der Akku eines Elektroautos hält offenbar 5-10 Jahre oder 100.000 Kilometer.

Aber dann verunsichern mich auch noch ein paar andere Punkte, die immer wieder auftauchen.

Wie ist es denn, gibt es weltweit gesehen beispielsweise genug Lithium, um alle Elektroautos auch mit Akkus ausstatten zu können, wenn denn die ganze Welt und eine immer größer werdende Zahl am Menschen auch ein Auto besitzen wollen ?

Welche Konzepte gibt es, um alte Akkus zu recyclen und wie weit lassen sich Akkus überhaupt vernünftig und nachhaltig recyclen ? Das Recycling von Lithium-Ionen-Akkus ist offenbar schwierig.

Auch die Gewinnung der Rohstoffe für den Bau von Akkus ist für Mensch und Natur durchaus bedenklich.

Und wie ist es, wenn beispielsweise ganz Bayern zu Beginn der Pfingstferien in den Süden nach Italien auf der Autobahn unterwegs ist und zig tausende Autos Strom tanken müssen, alle fast gleichzeitig ? Ließe sich diese gewaltige Kapazität zu Spitzenzeiten, die die einzelnen Tankstellen zu bewältigen hätten, auf Dauer überhaupt bereitstellen ? Elektroautos können offenbar das Stromnetz zum Kollabieren bringen.

Noch ein Gedanke zum Strombedarf. Ein Tesla Model 3 gibt es mit unterschiedlichen Akkus, mit 50 KWH beispielsweise oder mit 85 KWH. Rechnen wir im folgenden der Einfachheit halber einmal mit 50 KWH, die aufgeladen werden müssen.

Ein mittelgroßes Atomkraftwerk (um der Einfachheit halber mal den ökologisch bedenklichen Atomstrom zur Rechnung zu verwenden) wie das Atomkraftwerk Emsland hat eine Nennleistung von 1400 Megawatt, was 1.400.000 Kilowatt entspricht.

Teilt man nun diese Zahl durch die 50 KWH, die ein Tesla benötigt, merkt man, dass damit 28.000 Teslas pro Stunde oder auch andere Elektroautos vollgetankt werden könnten. Also doch eine ganze Menge.

Teilt man diese Zahl durch 28 Tankstellen, die auf der Fahrt zwischen Deutschland und Rom in Italien stehen dürften, könnten an jeder Tankstelle pro Stunde tausend Teslas bzw andere Elektroautos vollgetankt werden. Weil 1000 Elektroautos pro Stunde aber etwas zu viel sein dürften, könnte man auch sagen, dass an 280 Tankstellen jede Stunde 100 Elektroautos geladen werden könnten.

In Deutschland gibt es etwa (Stand 1.4.2014) 43,8 Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge. (Im Jahr 2019 sind es 47 Millionen, wie ich gerade lesen musste, aber die folgende Rechnung geht eben noch von 44 Mio aus, weil ich sonst alle Werte noch einmal neu berechnen müsste) Etwa 2/3 der Bevölkerung hatte im Jahr 2014 also ein KFZ. Würde man nun annehmen, dass all diese Autos Elektroautos wären und es 44 Millionen von ihnen gäbe, die alle einen Akku mit 50 KWH besäßen, bräuchte man somit theoretisch ein Atomkraftwerk, das die Energie 44 Mio mal 50 KWH = 220.000.000 KWH bzw. 220.000 MWH (Megawattstunden) herstellen kann.

Um alle deutschen Elektroautos in einer Stunde laden zu können, bräuchte man also 220.000 MW : 1400 MW = 157,1 Atomkraftwerke mittlerer Größe. Wollte man das Laden auf 12 Stunden am Tag verteilen, bräuchte man 13 Atomkraftwerke. Wollte man nun davon ausgehen, dass ein Auto im Durchschnitt nur einmal alle 7 Tage geladen werden müsste, bräuchte man 1,9 Atomkraftwerke, also zwei.

Allerdings geht diese Rechnung von einer verteilten Last aus und nicht von dem an Spitzenzeiten anfallenden Bedarf, der zwar nicht bei 44 Mio Autos liegen dürfte, vielleicht aber doch bei 5 oder 10 Millionen Autos. Für 10 Millionen Autos, die alle gleichzeitig in einer Stunde geladen werden wollten, bräuchte man 157,1 : 44 Mio * 10 Mio = 33,4 Atomkraftwerke. Wollte man annehmen, dass nun auch nicht alle diese Autos gleichzeitig in derselben Stunde geladen werden müssten, sondern vielleicht über 4 Stunden verteilt, weil eine Akkuladung ja etwa für 400 Kilometer reicht, was etwa vier Stunden entspräche, dann bräuchte man noch 33,4 : 4 = 8,35 Atomkraftwerke dafür.

Es wird also eine gewisse Infrastruktur benötigt, damit Elektroautos dann, wenn sie in Masse auftauchen, auch geladen werden können.

Mein Fazit ist zumindest: ich habe es nicht ganz so eilig und schau mir die Entwicklung erstmal an. Sollte das Elektroauto tatsächlich das Mobilitätskonzept der Zukunft sein, was derzeit wohl noch nicht unbedingt ausgemachte Sache ist, könnte man beispielsweise in 10 Jahren immer noch gut auf ein solches Auto umsteigen. Auf eines, das dann auch vermutlich, so wie eigentlich alle elektronischen Geräte, die neu auf den Markt kommen, auch aus den Kinderschuhen herausgewachsen sein dürfte. Vielleicht gibt es dann Akkus, von denen wir heute noch gar nicht träumen können.

Wer weiß.