Was gegen das Kopftuch in Grundschulen sprechen könnte

In Deutschland (und Europa) stehen die Europawahlen bevor und man diskutiert, ob man nicht auch, wie in Österreich, an Grundschulen Kopftücher verbieten sollte.

Nach den Wahlen wird das dann wohl kein Thema mehr sein.

In zwei Artikel hatte ich gegen ein Kopftuchverbot argumentiert, nur einmal umgekehrt. Könnte auch etwas dafür sprechen ?

An vielen Schulen ist es so, dass Schüler*innen generell im Unterricht nichts auf dem Kopf haben sollen. Aus Respekt vor den Lehrern, so heißt es. Warum dies aber respektvoll gegenüber Lehrern und Mitschülern sein soll, ist bislang wenig erforscht. Grüne Haare beispielsweise, die einen anlachen, oder eine mit Haargel zugekleisterte Frisur sind nicht unbedingt der Respekt in Person.

Problematisch wird es, wenn eine Kopfbedeckung Ausdruck religiöser Einstellungen ist, denn es herrscht in Deutschland, grundgesetzlich garantiert, Religionsfreiheit. Diese würde man aber empfindlich einschränken, wenn man jemandem verbieten würde, in einer Institution wie der Schule, in der man ja verpflichtend als Schüler sein muss über viele, viele Jahre, dort seinem Recht auf Religionsfreiheit Ausdruck zu verleihen.

Übrigens wird bei Mädchen oft akzeptiert, dass sie Mützen oder Accessoires wie Haarspangen durchaus auf dem Kopf tragen dürfen. Wie wollte man argumentieren, dass ein Haarreif erlaubt, ein Kopftuch aber verboten sei ?

Es gibt auch Leute, die meinen, man müsste junge Mädchen vor der Geschlechtsreife vor dem Kopftuch bewahren. Denn, so deren Argumentation, Muslimas müssten erst mit der Geschlechtsreife ein Kopftuch tragen. Ein sexualisiertes Argument also.

Diese Leute echauffieren sich auch darüber, dass Muslimas im Schwimmunterricht Burkinis tragen, also Kleidungsstücke, die viel vom Körper verdecken. Wie wollte man aber argumentieren, dass diese persönliche Freiheit, soviel vom eigenen Körper den Blicken anderer Menschen zu entziehen, einem nicht zustehe ? Überlegen wir uns den gegensätzlichen Fall: wäre es in Ordnung, Mädchen das Gegenteil zu verordnen, nämlich im Schwimmunterricht ein Maximum an Haut und Körper zeigen zu müssen und Stringtangas zu tragen ?

Auch dies ein maximaler Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

Und wie ist es: müssen kleine Mädchen in Grundschulen befreit werden von vermuteten restriktiven und patriarchalen Strukturen daheim ? Muss ihnen deshalb, um sie zu befreien, das Recht auf Selbstbestimmung genommen werden ? Sie merken schon, wie absurd das ist. Wer jemandem Rechte nimmt, gibt sie ihm nicht gleichzeitig.

Zumal der Verbot von Kopftüchern in der Schule die Strukturen daheim überhaupt nicht ändern würde. Und noch etwas: in dieser Argumentation wird stillschweigend davon ausgegangen, dass das Kopftuch von Muslimas tatsächlich Ausdruck einer starken repressiven Haltung des Elternhauses sei. Dies muss aber nicht der Fall sein. Es kann ebenso Ausdruck von traditioneller Verwurzelung sein, wie übrigens viele Migranten sie im Ausland und er Diaspora pflegen, um ihre Wurzeln in der Fremde nicht völlig zu verlieren. Und wie wollte man weiter argumentieren: eine jüdische Kippa sollte doch in Deutschland in Ordnung sein, auch im Unterricht, ein Kopftuch aber nicht ?

Die Argumente der Kopftuchgegner sind, Sie merken es, hanebüchen. Und sie nehmen den deutschen Bürgern ihre Freiheitsrechte im Deckmantel des Liberalismus, der beim Herunterreißen der Tarnung im Grunde eine restriktive und autoritäre Verneinung von grundgesetzlich garantierten Rechten ist. Kopftuchgegner setzen ihr Recht über das der anderen Menschen. Sie messen mit zweierlei Maß.

Was also gegen das Kopftuch in Grundschulen sprechen könnte: die Intoleranz und die Weigerung, allen Menschen dieselben Rechte zuzugestehen.

 

2 Comments

  1. als mensch im zarten alter von 70 jahren kenne ich übrigens noch zeiten, als brave deutsche mädchen auch in der schule kopftücher trugen. galt damals als gesittet.

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