Die „Judensau“ der Stadtkirche zu Wittenberg

In Sachsen-Anhalt liegt Wittenberg und in dieser Stadt zwei geschichtsträchtige Kirchen. Die eine ist die Stadtkirche, die aktuell in die Medien kam, weil dort die sogenannte „Judensau“ in Stein gemeißelt zu sehen ist, ein mehrere jahrhundertealtes antisemitisches Pamphlet.

Die andere Kirche ist die Schlosskirche, um die es zunächst einmal im folgenden gehen soll. An diese Kirche soll Martin Luther im Jahre 1517 seine 95 Thesen an die Tür genagelt haben, mit welchen gewissermaßen die Reformation, also die Abspaltung der evangelischen Kirche von der bis dato katholischen Kirche begann.

Zur Zeit Martin Luthers war Antisemitismus durchaus verbreitet. Der späte Martin Luther, der selber durch die strikte Auslegung der damaligen katholischen Theologie zunächst mit Gott stark zu hadern begonnen hatte, der dann aber seine reformatorische Erkenntnis bei der Lektüre des Römerbriefes hatte, wonach der Mensch von Gott nicht durch gute Handlungen, sondern allein aus Gottes Gnade und dadurch, dass man an Gott und sein Erlösungswerk in Jesus Christus glaubt, errettet ist, sah in der jüdischen Religion genau das, was er selbst abzulegen geschafft hatte, nämlich eine Gesetzesreligion mit recht strikten Regeln.

Zunächst umwarb Luther die Juden, um ihnen ebenfalls seine reformatorische Erkenntnis ans Herz zu legen und sie somit, wie er glaubte, zu retten.

Nachdem die Juden, die sich ja als jüdisches Volk speziell auch dadurch verstehen und definieren, dass sie die Gebote der Tora einhalten und somit eine starke Gesetzesreligion haben, auf die Umschmeichelungen Luthers nicht eingegangen waren und seine Einladung, nun an dasselbe zu glauben, wie er, abgelehnt hatten, verfiel Martin Luther einem zu seiner Zeit vorherrschenden Antisemitismus und polemisierte in übler Weise gegen die Juden. Diese antisemitische Seite ist die dunkle Seite von Luther, auch, wenn sie zu einem gewissen Grad sicherlich zeitbedingt war.

Auch an der Stadtkirche zu Wittenberg findet man eine verunglimpfende Darstellung, die sogenannte Judensau. Das Schwein, also in dem Fall das weibliche Schwein, die Sau, gilt im Judentum als unrein, wurde aber missbraucht, um Juden im verfänglichen Posen mit dieser Judensau darzustellen und sie so zu diskreditieren. Ein früheres Pamphlet also. Ein antisemitisches Pamphlet.

Ein Mitglied der berliner jüdischen Gemeinde hatte geklagt gegen diese in Stein gemeißelte Judensau, die an der Stadtkirche zu Wittenberg nach wie vor angebracht ist, weil es sich um Beleidigung von Juden handle.

Vor wenigen Stunden kam heute dann die Entscheidung des zuständigen Gerichts, des Landgerichts Dessau-Roßlau, welches das Ansinnen ablehnte, die Judensau von der Stadtkirche zu entfernen. Zum einen stehe das Gebäude mittlerweile unter Denkmalschutz, zum anderen sei die Judensau im aktuellen Kontext nicht mehr als diskriminierend, sondern eher als historisch zu verstehen und diskriminiere nicht die heute lebenden Juden.

Dieses Urteil hat zwei Seiten. Einerseits den Denkmalschutz, denn es handelt sich ja bei der Stadtkirche zu Wittenberg tatsächlich um ein historisches Gebäude, speziell für die Protestanten. Andererseits ist dort aber in Stein gemeißelt weiterhin eine Szene zu sehen, die antisemitisches Gedankengut transportiert, auch heute noch. Zwar reflektiert man heute darüber, in welchem Zusammenhang dies entstanden ist und kann die Judensau als Mahnmal sehen, um künftig Antisemitismus zu vermeiden.

Dennoch ist sie nach wie vor ein antisemitisches und volksverhetzendes Pamphlet. Und es ist durchaus fraglich, warum ein Pamphlet denn dauerhaft an einem Gebäude bleiben dürfen soll, nur weil es alt ist.

Machen wir mal einen kurzen gedanklichen Ausflug. Wenn ich mich recht entsinne, befinden sich außen am Konzentrationslager Dachau, das ja mittlerweile eine Gedenkstätte ist, um die Gräueltaten der Nationalsozialisten aufzuarbeiten und nachwachsenden Generationen zur Mahnung zu dienen, auch keine Fahnen mit Hakenkreuz mehr, dem Symbol der Nationalsozialisten.

Warum nicht? Weil es volksverhetzend wäre und zudem auch gesetzlich verboten ist. Sollte es dort Hakenkreuze geben, dann vielleicht höchstens noch auf irgendwelchen Schautafeln, die Schwarz-Weiß-Bilder der Nationalsozialisten zeigen.

Warum darf dann aber die Judensau weiterhin dort an der Stadtkirche hängen, die Hakenkreuze im ehemaligen Konzentrationslager aber nicht?

Es macht Sinn, dass heutzutage Hakenkreuze verboten sind, standen sie doch für eine zutiefst menschenverachtende Ideologie. So sollte das mit der Judensau aber auch sein, die ebenfalls für eine menschenverachtende Ideologie steht.

Ach, werden jetzt Denkmalschützer jammern, der Denkmalschutz!

Nun, kürzlich brannte in Paris die Notre Dame ab. Das war traurig, aber man wird damit zurechtkommen. Solche Dinge passieren. Und ja, man kann auch die in Stein gemeißelte Judensau von der Stadtkirche zu Wittenberg entfernen oder überkleben oder sonst etwas, auch dies überlebt eine Kirche, und eine Gesellschaft sowieso. Nicht so tragisch, wie es der Denkmalschutzbehörde vielleicht erscheinen mag.

Denn was ist wichtiger: Denkmalschutz oder Schutz von Menschen?

Der Kläger der jüdischen Gemeinde aus Berlin hat angekündigt, vor den europäischen Gerichtshof zu ziehen.

Völlig zurecht.

3 Comments

  1. Ob Eisenberg, Köln oder Mannheim: Überall in Deutschland ziehen unsere, meist grün angehauchten, Gutmenschen und die „Iniatiative schwarzer Menschen“, oder sonstige „Kultur Talibans“ gegen Mohren Denkmäler und sogar gegen den, mir seit meiner Kindheit vertrauten und Freundlichkeit eines schwarzen Menschen vermittelnden, „Sarotti Mohr“ zu Felde. DER MOHR MUß GEHEN – DIE JUDENSAU BLEIBT ! Interessant dazu wäre die Meinung einer (sogar aus dem Osten stammenden) aus der evangelischen Kirchenpolitik, hervorgegangenen Frontfrau der Grünen Regulierungs- und Verbotspartei zu dieser Diskrepanz. Dieser ist aber momentan wohl die Rettung des Weltklimas wichtiger als das vergiftete Multi-Kulti Klima unserer immer marode werdenden Gesellschaft..

  2. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Gesellschaft immer maroder wird. Aber was natürlich ein Punkt ist, den Sie ansprechen, ist, dass man in der Sprache (Sarotti-Mohr) versucht, korrekt zu sein, dann aber die „Judensau“ öffentlich zugänglich bleibt. Konsequent ist das natürlich nicht.

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