Kopftuchverbot an Grundschulen? Die Angst, die dahinter steht

In Deutschland wird ja nur in allen Ernstes mal wieder darüber diskutiert, ob man es so machen sollte, wie in Österreich. Ich meine nun nicht, wie in Österreich mit den Rechtspopulisten zu koalieren, sondern ob man auch ein Kopftuchverbot an Grundschulen einführen sollte.

Zunächst einmal, die Europawahl steht kurz bevor und immer wenn Wahlen sind, kommt dieses Thema wieder auf, um vermeintlich am rechten Rand ein wenig punkten zu können.

Eine der Ängste, die bei der Forderung eines Kopftuchverbots im Raum stehen,  ist wohl die: was, wenn plötzlich alle Menschen in Deutschland oder gar Europa nur noch Moslems wären?

Diese Angst ist aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich unbegründet. Denn wenn sich die Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft des Islam tatsächlich dadurch äußern würde, dass Mädchen ein Kopftuch tragen, dann wäre das ja ein äußerst gut abzulesender optischer Indikator dafür, wie viele Muslimas und Moslems es denn tatsächlich in einer Gesellschaft gibt. Es wäre also ein Sicherheitsaspekt.

Und umgekehrt gedacht: nur, weil man jemandem das Tragen eines Kopftuchs verbietet, verändert man nicht automatisch die inneren Einstellungen desjenigen. Es ist also ein Trugschluss, wenn man glaubt, durch das Verbot eines Stück Stoffs innere Weltanschauungen verändern zu können. Dies geschieht durch Bildung und Diskussion, nicht durch ein Stoffverbot.

Des Weiteren ist es so, dass der europäische Islam sich doch unterscheiden dürfte von einem Islam, der in anderen Ländern der Welt gelebt wird und dort noch eng mit patriarchalen Traditionen und Forderungen verbunden ist. Der Islam in Europa und Deutschland dürfte einer sein, der immer im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne steht und von der Moderne auch immer beeinflusst wird. Es ist ein Islam, der sich in Deutschland beispielsweise mit dem Grundgesetz auseinandersetzt und weiterentwickelt, allein schon dadurch, dass junge Muslime in dieser Gesellschaft leben, zur Schule gehen und heranwachsen.

Vielleicht kann sich umgekehrt beispielsweise die deutsche Gesellschaft auch weiterentwickeln und es so sehen, dass ein Stück Stoff auf dem Kopf eigentlich nicht das Problem ist. Wenn es ein Problem gäbe, dann wäre es die innere Einstellung, die man aber im Einzelfall betrachten müsste.

Dass der Islam in Deutschland oder Europa aber der absolute Renner werden könnte, in einer Region der Welt, die immer atheistischer wird, ist auch mehr als fraglich.

Wenn nun aber Leute ein Kopftuchverbot, vermeintlich zur Befreiung der Frau, fordern, steht, so ist zu vermuten, doch zu einem großen Anteil die oben beschriebene Angst hinter dieser Forderung steht. Und Angst war und ist schon immer ein schlechter Begleiter gewesen. Angst ist das Mittel der Populisten und das Werkzeug, um das rationale Denken auszuschalten.

Und sollte man die Debatte wirklich aus dem oft behaupteten Grund führen, nämlich um die Mädchen von einem Kopftuch zu befreien, das sie angeblich wieder Willen tragen, müsste man analog dazu auch eine Diskussion führen, ob man Mädchen, die von überprotektiven Müttern selbst bei milden Temperaturen mit Mützen ausgestattet werden, nicht ebenso befreien müsste.

Ach ja, und last but not least: das Grundgesetz in Deutschland, das gerade seinen 70.ten Geburtstag feiert, garantiert übrigens Religionsfreiheit. Das ist der Grund, weshalb z.B. die Anhänger der Satire-Religion des Fliegenden Spaghettimonsters, die Pastafaris, auf dem Tragen eines Nudelsiebes bestehen können. Schaut unkonventionell aus, ist es auch. Aber fällt unter die Religionsfreiheit.

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