Das Kreuz

In Bayern hängen seit einiger Zeit in öffentlichen Behörden verpflichtend Kreuze.

Wie geht es Juden, Muslimen und Atheisten damit ?

Man könnte davon ausgehen, dass ein Kreuz, das im Islam und Judentum nicht als Zeichen der Erlösung und Hoffnung verstanden wird, für Juden und Moslems problematisch erscheinen muss. Für Atheisten könnte sich dieselbe Sicht ergeben.

Dennoch kennen wohl viele Juden, Moslems und Atheisten, zumindest in Grundzügen, auch die christliche Sicht, sodass es wohl falsch wäre, anzunehmen, nichtchristliche Gruppen könnten die aus dem religiösen Kontext entstandene kulturelle Bedeutung des Kreuzes nicht wahrnehmen. Vielmehr wird es so sein, dass z.B. auch im jüdischen und muslimischen (sofern vorhanden) Religionsunterricht und im Ethikunterricht auch die Grundzüge der christlichen Religion besprochen werden, sodass man die kulturelle Bedeutung des Kreuzes zumindest wahrnehmen kann. Somit könnte man der Auffassung zustimmen, dass das Kreuz als kulturelles Symbol, das die europäische Kultur und Philosophie über zwei Jahrtausende geprägt hat, in öffentlichen Einrichtungen aufgehängt werden kann, steht es doch für die Hoffnung auf ein Leben auch nach dem Tod sowie für ethische Werte wie Versöhnung, Nächstenliebe, Selbstannahme und Feindesliebe.

Problematisch jedoch könnte Menschen die Pflicht zur Anbringung des Kreuzes erscheinen sowie der Bezug zur Politik. Denn das Kreuz ist zwar originär auch indirekt ein politisches Symbol in seinem Ursprung als Marterwerkzeug der Römer, jedoch heutzutage eigentlich hauptsächlich eher im religiösen Umfeld beheimatet. Dies könnte das Argument derjenigen sein, die sich gegen eine Pflicht zur Anbringung des Kreuzes aussprechen.

Trotz allem ist das christliche Kreuz ein Symbol, das ganz Europa über die letzten zwei Jahrtausende zentral geprägt hat. Es ist in der Tat ein kulturelles Symbol. Als solches hat es durchaus seinen Platz in der Gesellschaft.

16 Comments

  1. Ich bin zwar Christin, finde das Kreuz als Darstellung von Folter und Tod aber grundsätzlich grenzwertig. Keine andere Religion ist so versessen darauf, Leiden und Sterben zu verewigen. Ich möchte lieber Symbole der Liebe, des Lichts, der ausgestreckten Hand sehen, aber das haben die Christen nicht hingekriegt. Merkwürdig eigentlich, wo doch diese Religion genau dafür steht.
    Wie auch immer – als Symbol des Christentums ist das Kreuz nicht wegzudenken. Ich würde mir wünschen, dass es noch etwas Zusätzliches gäbe. Aber nicht den Kitsch-Jesus oder die rosenbekränzte Maria, sondern eben ein Symbol. Der Fisch zum Beispiel als Zeichen dafür, dass Gott für uns sorgt. Würde mir besser gefallen.

  2. Es gab ja früher auch mal den Lebensbaum als christliches Symbol oder den Schafträger. Und das Kreuz, wenn es kein Kruzifix ist, also keinen leidenden Jesus daran hat, ist ja doch ein Symbol nicht nur für das Leiden, sondern auch für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

  3. Leben nach dem Tod ist ein ethischer Wert?
    Ich bin skeptisch.
    (Gegenüber dem Rest natürlich auch, aber pick your battles und so.)

  4. Danke!
    Ich finde immer noch, dass der Post am Kern des Problems vorbeigeht, nämlich dass der Staat (der meines Erachtens komplett säkular sein sollte; weiß nicht, ob wir uns da einig sind) damit Partei für eine Religion ergreift.
    Was auch immer das Kreuz sonst noch alles symbolisieren mag, und ob 1 das nun gut findet oder nicht (Wäre auch noch mal separates Problem. Finde nicht, dass der Staat Feindesliebe propagieren sollte, oder die Idee, dass wir doch in Wahrheit gar nicht sterben…), es bleibt unbestreitbar ein Symbol einer Gruppe von Religionen.
    Ich find zum Beispiel Netflix ganz gut, will aber trotzdem nicht, dass deren Logo in allen Behörden verpflichtend sichtbar ausgehängt werden sollte.

  5. Naja, man hat sich immerhin auf die kulturelle Bedeutung dieses Symbols geeinigt. Das ist der Grund, weshalb es nun in bayerischen Behörden hängt. Finde ich nicht verkehrt, wenngleich es natürlich durchaus Angriffsfläche für Kritik bietet. Aber andererseits, klar, die Brezel ist vielleicht auch bayerisches Kulturgut, wenngleich wohl nicht von derselben Wichtigkeit.

  6. Wer hat sich da geeinigt? Das leuchtet mir nun gar nicht ein.
    Aber wir wissen ja, dass wir uns bei vielem nicht einig sind.

  7. Ich verstehe halt die Argumentation nicht.
    Weil die CSU sich darauf geeinigt hat, findest du es okay?

  8. Ich habe kein Problem damit, dass das Kreuz öffentlich gezeigt wird, denn schließlich ist Jesus ja nicht nur für einen ausgewählten Personenkreis gestorben, sondern für die GANZE Menschheit, deshalb sollte dies auch für alle zugänglich sein! So kann jeder entscheiden, ob er daran glaubt oder nicht. Für mich ist das Kreuz auch kein Symbol für Leiden, sondern für Gottes Liebe zu uns! Könnte es eine größere Liebe geben, als sein Leben für jemanden zu geben, um ihn zu retten? Mein Herz weint bei dem Gedanken, dass auch nur ein einziger Mensch diese Liebe nicht empfangen könnte!

  9. Nein, ich finde es okay, weil ich das Symbol gut finde. Aber das ist natürlich eine subjektive Sicht. Ich kann auch verstehen, dass man das als problematisch ansehen kann.

  10. Aber findest du schon, dass da ganz unabhängig davon, wie wir das Symbol finden, ein Problem ist, oder eher nicht?

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