Ist der Diesel wirklich so schädlich fürs Klima?

Dieselskandal 1.0 war, als die deutsche Autoindustrie in großem Stil, juristisch scheinbar fein ausgelotet, ausgetestet hatte, wie ihre Dieselmotoren zu laufen hätten. Nämlich so, dass sie die Anforderungen auf dem Prüfstand erfüllen. Jenseits des Prüfstands, so das Kalkül, könne ein Diesel dann Abgase in die Luft schleudern, wie er wolle. Nun ja, vielleicht nicht ganz so, aber jenseits der Messstation auf dem Prüfstand fühlte man sich zumindest soweit gelockert, dass man mit den Grenzwerten doch wesentlich entspannter umging.

Der zweite Dieselskandal war dann der, dass in Deutschland unzählige Autokäufer den Versprechen geglaubt hatten, der Diesel sei sauber.

Der dritte Dieselskandal ist der, dass nun offenbar ganz schnell viele Dieselfahrer eingeschränkt werden sollen in ihrer Fahrweise. Manche Innenstädte oder auch Städte sollen künftig offenbar für gewisse Dieselfahrzeuge nicht mehr erreichbar sein.

Nun mag das alles seinen Sinn haben und wenn man in der Stadt wohnt, hat man natürlich durchaus ein Anrecht auf saubere Luft. Denn saubere Luft bedeutet ein längeres und gesünderes Leben.

Dennoch kommt mir der ganze Diesel-Hype auch etwas überhöht vor.

Es wäre doch sinnvoll, wenn man nun verstärkt Anreize schafft, auf die scheinbar so sauberen Elektrofahrzeuge umzusteigen. Wobei noch unklar ist, ob der Elektroantrieb tatsächlich das Rennen macht. Es könnte nämlich alternativ beispielsweise auch der Wasserstoff sein.

Aber dieser Umstieg sollte nun auch nicht zu Lasten der gutgläubigen Bürger gehen, welche sich einen Diesel gekauft hatten in dem Glauben, dass das Versprechen der Autoindustrie und verschiedener Regierungsperioden stimmt.

Ohne nun ein Wissenschaftler zu sein, vermute ich, dass der Diesel in bestimmten Situationen dennoch weiterhin attraktiv sein könnte.

Heute hatten wir einen kleinen Ausflug gemacht, am Tagesende werden es dann vielleicht 80 km sein. Die letzten 20 km hatte unser relativ großes Dieselfahrzeug einen Durchschnittsverbrauch von 3,9 Liter auf 100 km. Wenn man das mal auf drei oder vier Fahrgäste hochrechnet, ist das marginal.

Und dann habe ich mal im Langzeitspeicher nachgesehen. Die letzten 40.000 km hatte das Fahrzeug einen Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter. Auch nicht gerade viel.

Drum kommt es mir etwas überhitzt vor, derzeit den Tenor nur auf den Diesel zu legen, solange in Deutschland beispielsweise Kurzstrecke geflogen wird. Das Fliegen dürfte doch wesentlich mehr die Umwelt belasten, als wenn drei oder vier Leute in einem Dieselfahrzeuge mal einen Ausflug machen. Ob in dieser Besetzung die Bahn derzeit wesentlich sauberer wäre, bleibt nämlich auch einmal dahin gestellt.

Und wenn Dieselfahrzeuge im großen Stil in andere Länder exportiert werden, weil sie hier nicht mehr gefahren werden dürfen, hat man zwar in Deutschland pro forma eine weiße Weste, dem Klima hat das Ganze aber auch nichts genutzt.

Nun geht Greta Thunberg derzeit auch freitags nach wie vor zum Demonstrieren auf den fridays for future Demonstrationen.

Vorhin hörte ich in einem Münchner Regionalsender, dass letzten Freitag, Karfreitag, die Teilnehmerzahlen besagter Demonstrationen doch wesentlich geringer ausgefallen waren, als zu Zeiten, wo alternativ zu den Demonstrationen dann der Unterricht an den Schulen zwangsweise ausfällt, zumindest für diejenigen Schüler, die wegen der Demonstrationen Schule schwänzen. Man kann nun überlegen, ob vielleicht am Karfreitag einige Leute weggefahren sind in Urlaub, oder ob alle Jugendlichen derart gläubig sind, dass sie vormittags lieber in die Kirche gehen am Karfreitag, oder dass tatsächlich die fridays for future Demonstrationen ihren gewissen Charme unter anderem auch daraus ziehen, dass eben Unterricht ausfällt.

Sicher tut es Not, das Klima wesentlich massiver zu schützen, als dies bisher der Fall ist. Sicherlich sollte man Alternativen zum Diesel entwickeln oder den Diesel noch wesentlich sauberer machen.

Aber wie gesagt, solange in Deutschland Kurzstrecke geflogen wird und Unmengen von Kerosin in die Atmosphäre gepustet werden, kommt mir der Dieselskandal doch vor wie ein Hype, der möglicherweise auch von den Medien gepusht wurde.

Sinnvoll wäre es beispielsweise auch, weniger Palmöl zu verbrauchen, für deren Herstellung große Flächen von Regenwald abgeholzt werden müssen, sodass also weniger Bäume zur Verfügung stehen, die CO2 binden können.

Zudem könnte man auch der Tendenz der letzten Jahre und Jahrzehnte entgegenwirken, dass die Autos immer schwerer werden und immer stärker motorisiert sind, was ja automatisch zu höherem Verbrauch führen dürfte.

Sicher muss man an vielen Schrauben drehen, um das Klima mittelfristig noch zu retten, aber die Fixierung auf den Diesel kommt mir zu eng vor.

Last but not least: in der Süddeutschen Zeitung wird aktuell sogar festgestellt, dass die Benziner dreckiger als die Dieselfahrzeuge sind.

2 Comments

  1. Einer der vernueftigsten Beiträge zum Thema. Wohltuend, dass es nicht nur radikale Umweltverbesserer gibt. Und gerade im Hinblick auf Elektroautos gibt es ja Probleme, die von vielen einfach negiert werden. Vielleicht waren die Vorgaben zu krass und die Techniker konnten gar nicht anders. Da sollte man im Hinblick auf neue Technologien die Entwickler auch nicht zu massiv unter Druck setzen. Das Thema Wasserstoff war schon einmal stärker präsent. Und vom Erdgas ist man auch schon wieder etwas entfernt. Wer fördert (oder fordert!) eigentlich und aus welchem seriösen Interesse eigentlich was? Ich habe mein Leben mit Automobilen verbracht und ca. 1.500 Fahrzeuge verkauft – heute wüsste ich selbst nicht was ich kaufen sollte..

  2. Nee, man weiß gar nicht, ob die Elektromobilität sich durchsetzen wird. Momentan ist man sicher nicht so gut bedient, wenn man sich gleich mal ein Elektroauto kauft, vermute ich. Lieber erstmal abwarten, wohin die Reise überhaupt geht.

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