Trisomie-Tests als Kassenleistung. Verschiedene Sichtweisen.

Der Ratsvorsitzende der EKD, der evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sagte sinngemäß, dass die EKD unter bestimmten Umständen der Pränataldiagnostik zur Erkennung von Trisomien als Krankenkassenleistung prinzipiell zustimme.

Es müsse sich allerdings um eine Risikoschwangerschaft handeln und zum anderen solle der werdenden Mutter eine psychosoziale Beratung angeboten werden. Ziel sei es, die Zahl der Abtreibungen zu reduzieren.

Manchen gilt dieses Soll-Angebot einer psychosozialen Beratung jedoch als frommer Wunsch.

Die katholische Kirche lehnt diese Art von Pränataldiagnostik in bezug auf Trisomien als Kassenleistung generell ab.

Es geht hier um unterschiedliche Dinge.

Einerseits darum, dass ärmere Leute sich womöglich den Bluttest, mit dem eine Trisomie des Embryos im Blut der Mutter als sehr wahrscheinlich nachgewiesen werden kann, vielleicht nicht leisten können und stattdessen auf die für das Embryo risikohafte Fruchtwasseruntersuchung ausweichen, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Es solle also nicht so sein, dass ärmere Leute bzw ihr Embryo schlechtere Karten hätten, zumindest nicht in dieser medizinischen Hinsicht.

Andererseits wird von einigen Seiten befürchtet, das ein Trisomie-Test über das Blut der Mutter, der von der Krankenkasse bezahlt wird, zu einer Standardprozedur werden könnte, die jeder werdenden Mutter automatisch angeboten wird. Dies könnte mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit zur Folge haben, dass werdende Mütter psychisch sehr belastet werden, wenn sie ein positives Testergebnis haben, das darauf hinweist, dass das Embryo mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Trisomie haben könnte. Dadurch könnte ein starker gesellschaftlicher Druck entstehen, vermeintlich kranke Kinder von vornherein durch eine Abtreibung auszusortieren.

Dies wäre aus ethischer Sicht äußerst bedenklich. Denn der Schutz des ungeborenen Lebens wäre damit zur Diskussion freigegeben. Und zwar möglicherweise standardmäßig.