Der Test zum Down-Syndrom als Kassenleistung? Eine ethische Einschätzung.

Im Deutschen Bundestag wird derzeit darüber debattiert und gestritten, ob ein Bluttest, der bei Embryos erkennen kann, ob ein Embryo wahrscheinlich das Down-Syndrom hat, künftig von den Krankenkassen bezahlt werden soll.

Bisher wird nur die risikoreiche Fruchtwasseruntersuchung bezahlt, bei der das Embryo zu Schaden kommen kann.

Zu Schaden kommen kann es aber auch durch die Blutuntersuchung, weil es dann in der Folge möglicherweise abgetrieben wird.

Sorge haben deshalb einige, dass, wenn dieser bessere Bluttest Kassenleistung werden sollte, sehr viele Frauen ihn machen würden und er wahrscheinlich sogar Standard werden würde.

So in etwa ist die Lage in Island, wo Frauen, denen durch diesen Test ein Kind, das wahrscheinlich das Down-Syndrom haben wird, prophezeit wird, in der Regel ein solches Embryo abtreiben.

Dies befürchtet man auch in Deutschland.

Nun ist es so, dass man hier über zweierlei Leben entscheidet. Über das des ungeborenen Embryos und über das der Mutter. Sowie auch indirekt über das des Vaters, der ja auch mit beteiligt ist.

Eine Frau, die eine Abtreibung hinter sich hat, mag dies manchmal ganz gut wegstecken. Offensichtlich ist es aber bei der Vielzahl der Mütter, die wegen einer Abtreibung keine Mütter geworden sind, so, dass sie lebenslang darunter leiden und die Gedanken nicht mehr weg bekommen, dass sie ein Kind, das in ihrem Bauch bereits lebte, abgetrieben und somit getötet haben.

Wenn eine Frau derart psychisch belastet ist von solch einem Eingriff, ist es der zugehörige Mann in der Regel auch. Denn in einer Ehe oder Zweierbeziehung kann der eine nicht fröhlich und unbeschwert sein, wenn der andere dauerhaft belastet und bedrückt ist.

Der dritte im Bunde ist das ungeborene Kind. Kinder und Menschen mit Down-Syndrom sind oft recht emotionale Menschen, die auch viel Freude und Spaß an ihrem Leben haben. Sie haben kein Problem damit, dass sie das Down-Syndrom haben. Und darum geht es doch eigentlich. Jemand bekommt ein Leben geschenkt, das er gerne leben möchte.

Kinder und Menschen mit Down-Syndrom nehmen ihr Leben gerne an.

Trotzdem diskutieren nun die Leute, dass ihnen dieses Leben vielleicht unbequem und unangenehm und beschwerlich sein könnte. Wegen dieser Unbequemlichkeit werfen sie also die Idee in die Runde, dass man solch unbequeme Kinder doch am besten abtreiben könne oder solle. Dann sei das eigene Leben doch bequemer. Ja, es geht hier um den eigenen Vorteil.

Wir diskutieren hier aber nicht über irgendetwas, sondern über Leben. Über menschliches Leben.

Wenn ein solches menschliches Leben der Gesellschaft aber vermeintlich unbequem erscheint, wie ist es dann beispielsweise um Menschen bestellt, die im Laufe ihres Lebens erkranken? Sind sie nicht auch unbequem? Und sind nicht auch Menschen im Alter unbequem? Wenn sie Pflege brauchen? Wäre nicht die folgerichtige Frage, ob unbequeme Menschen nicht einen ähnlichen Weg gehen sollten?

Glücklicherweise sprechen ethische Gründe dagegen. Wichtiger noch, das deutsche Grundgesetz.

Unbequemlichkeit sollte nicht der entscheidende Faktor sein, einem menschlichen Leben das Leben zu nehmen.

Ein menschliches Leben ist immer lebenswert. Denn kein Leben ist absolut gesund. Im Laufe des Lebens bekommt praktisch jeder Mensch irgendwelche Wehwehchen oder Krankheiten, manchmal sogar auch durch Unfälle erworbene Behinderungen.

Deswegen kann das Down-Syndrom auch nicht als Vorwand dafür benutzt werden, menschliches Leben im Kern zu ersticken. Denn dann müsste dies konsequenterweise und prinzipiell auch für alle anderen Krankheiten gelten. Und für alle Menschen, die unbequem wären.

Was natürlich fatal wäre. In solch einer Welt würde niemand mehr leben wollen. Ach ja, und viele würden dann ja übrigens auch nicht mehr leben.