Prozessauftakt in München. Und eine verdurstete Fünfjährige.

In München war heute der erste Prozesstag gegen die mutmaßliche IS-Anhängerin Jennifer W. Der 27-Jährigen Deutschen wird zur Last gelegt, mit ihrem Mann beim islamischen Staat im Irak gewesen zu sein.

Der Mann habe ein fünfjähriges jesidisches Mädchen als Sklavin gekauft. Nachdem dieses nachts ins Bett gemacht hatte, habe er sie in sengender Hitze bei 45 Grad Celsius im Freien mit Handschellen in der Sonne angekettet. Dort sei sie dann verdurstet.

Jennifer W. habe dabei zugesehen und nichts unternommen, um das Kind zu retten.

Die Mutter der grausamst getöteten Fünfjährigen konnte ausfindig gemacht werden und wird in München vor Gericht von verschiedenen Juristen vertreten, unter anderem von der Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, der Frau von George Clooney.

Sollten die Vorwürfe gegen die Angeklagte stimmen, wovon man vermutlich leider ausgehen muss, ist „grauenvoll“ überhaupt kein Ausdruck dafür, was sich dort zugetragen hat.

Man hätte beispielsweise gedacht, dass die Deutschen im Großen und Ganzen mittlerweile ein solches Maß an Bildung erlangt hätten, dass Derartiges überhaupt nicht vorkommen dürfte. Aber man kann bei keinem Volk davon ausgehen, dass alle Menschen einen gewissen ethischen Mindeststandard erreicht haben. Und so ist es eine Deutsche, die hier offenbar Grauenvolles mit verursacht hatte. Eine Deutsche wohlgemerkt, die sich dem IS angeschlossen hatte.

Man sieht, der fundamentalistischen Verlockung sind auch Menschen erlegen, von denen man eigentlich vermuten würde, dass sie, wenn sie im gebildeten und saturierten Deutschland aufwachsen, niemals auf derartige menschenfeindliche Pfade treten könnten. Was wohl ein Irrtum ist.

Der Mensch, so zumindest die jüdisch-christliche Vorstellung, wurde von Gott einst als ein Wesen geschaffen, das ein Ebenbild Gottes sein sollte. Doch schon die Paradieserzählung in der Genesis zeigt die dem Menschen innewohnende Hybris, über die gottgegebenen Regeln, beispielsweise die Zehn Gebote, hinauszugehen, und seine eigenen Regeln aufzustellen. Wozu das führen kann, sieht man hier und man sah es beispielsweise auch in der Hitler-Diktatur. Und man sieht es leider auch weltweit.

Der Mensch mag von seinem Kern her vielleicht prinzipiell gut sein, er ist aber leicht verführbar und für allerlei Böses anfällig. Das Böse existiert offensichtlich. Mindestens als psychologische Größe, vielleicht aber sogar als theologische Entität.