Organspende mit Widerspruchslösung. Eine ethische Betrachtung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte darauf reagieren, dass jährlich etwa 10.000 Patienten in Deutschland ein Spenderorgan brauchen, es aber zu wenig Organspender gibt.

Zwar stieg letztes Jahr die Anzahl der Spenderorgane um etwa 950, was einer Steigerung von ca 20 % im Vergleich zum Jahr 2017 entspricht. Jens Spahn reicht aber eine solche freiwillige Steigerungsrate offensichtlich nicht.

Künftig soll, wenn es nach ihm geht, die Widerspruchslösung gelten. Jeder ist demnach prinzipiell erst einmal Organspender nach seinem Tod, es sei denn, er hat zu Lebzeiten widersprochen.

Der Staat käme also sehr preiswert an Spenderorgane, ohne groß weiterhin die Werbetrommel rühren zu müssen.

Genau genommen ist allerdings keine Antwort nicht automatisch ein Ja.

„Schenken Sie mir Ihr gesamtes Vermögen?“

„Hoppla, Sie haben nicht widersprochen. Also kann ich davon ausgehen, dass ich nun Eigentümer Ihres Vermögens bin.“

So läuft das mit der Widerspruchsregelung.

Etwas weniger preisgünstig, dafür ethisch aber wesentlich korrekter, wäre die folgende Lösung:

„Wollen Sie nach Ihrem Tod Organspender sein? Kreuzen Sie bitte an. Ja oder nein. Sie haben nur diese beiden Antwortmöglichkeiten.“

So müsste es gehandhabt werden. Alle Bundesbürger könnten beispielsweise einen Brief bekommen, den sie dann zurückschicken müssten. Ein Ja wäre dann tatsächlich auch ein Ja und ein Nein wäre ein Nein.

Warum drückt Jens Spahn sich davor?

Zu teuer vermutlich. Die Widerspruchsregelung ist doch viel preiswerter. Billig, billig.

Aber ethisch äußerst bedenklich. Denn die Würde des Menschen ist unverletzlich, so steht es im deutschen Grundgesetz. Deswegen ist beispielsweise die Todesstrafe in Deutschland verboten. Weshalb aber einem Menschen einfach so Organe entnommen werden dürften nach seinem Tod, ist unklar. Ein solches Vorgehen steht im Kontrast zur Menschenwürde, die ja unverletzlich sei. Oder ist diese nur so lange unverletzlich, solange es politisch opportun und billig zu haben ist?

Es scheint derzeit so. Geiz ist geil. Auch im Gesundheitswesen.

2 Comments

  1. Wie in der Debatte angekündigt, werden ja alle angeschrieben und an das neue Recht erinnert mit der Bitte, sich damit auseinander zu setzen und ggfs. Der Organspende – auch ohne Grund – zu widersprechen.

  2. Es werden alle 1 Jahr lang informiert, ab dem 16. Lebensjahr nämlich. Und danach sind sie automatisch Organspender, sofern sie nicht widersprochen haben oder widersprechen. Das ist m.E. fahrlässig und falsch und verstößt vielleicht sogar gegen die grundgesetzlich garantierte Würde des Menschen.

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