Wikipedia heute leider geschlossen

Die deutsche Wikipedia wird heute nicht erreichbar sein. Damit will sie ihren Protest gegen ein in der EU geplantes Gesetz deutlich machen, das Internetplattformen wie z.B. Facebook oder Google dazu verpflichten soll, sicherzustellen, dass urheberrechtlich geschützte Inhalte nicht hochgeladen werden können.

Die Kritiker dieses Gesetzes befürchten dadurch eine Zensur, weil die Firmen, um die Vorgaben durchsetzen zu können, Uploadfilter einsetzen müssten.

Ein Uploadfilter aber, so die Befürchtung, könne womöglich nicht zwischen Satire auf Themen geschützter Inhalte und einem urheberrechtlich geschützten Werk unterscheiden, so dass beispielsweise satirische Inhalte womöglich gar nicht mehr ins Netz hochgeladen werden könnten und somit die Meinungsfreiheit durch diese Filter bedroht sei und man wesentlich weniger thematisch relevante Inhalte im Netz finden werde. Das Internet werde also seiner Buntheit beraubt.

Andererseits ist es so, dass die Leute ja erwarten, dass Journalisten beispielsweise gute Recherchen machen. Wenn man aber z.b. Zeitungen oder auch eBooks kostenlos und bisher genauso rechtswidrig ins Internet hochlädt, kann damit auch niemand mehr Geld verdienen. Auch Journalisten und Buchautoren nicht mehr. Das könnte dann im Umkehrschluss bedeuten, dass die Qualität der Medien sinkt und auch die Vielfalt gute Bücher zurückgeht.

Ein Vorteil des geplanten EU Gesetzes ist allerdings vermutlich derjenige, dass Einzelpersonen dann künftig stärker aus der Haftung herausgenommen wären, weil sie ja gar keine urheberrechtlich geschützten Inhalte mehr ins Netz laden könnten.

Allerdings würde die Urheberrechtsreform nicht nur die großen Internetfirmen treffen, sondern auch kleinste Internetseiten müssten dafür Sorge treffen, dass keinerlei Urheberrechtsverstöße auf ihnen stattfinden, beispielsweise auch nicht in den Kommentaren. Und das würde dann wahrscheinlich das Aus für Blogs bedeuten, oder zumindest für die Kommentarfunktion dort. Zudem müssten selbst kleinste Internetauftritte Lizenzen dafür erwerben, wenn sie beispielsweise nur die Überschriften von Online-Medien zitieren und verlinken wollten.

Und ab hier spätestens ist das Ganze dann kafkaesk. Denn für jeden Kommentar und jede angerissene Headline könnte dann die Post eines Abmahn-Anwalts ins Haus flattern. Am Schluss gäbe es weniger Blogs und keinen Austausch mehr über die Kommentarfunktion. Und wo der Meinungsaustausch eingeschränkt wird, da wird die Demokratie eingeschränkt. Das Gesetz würde somit zwar die Urheberrechte ein wenig stärken, auf der anderen Seite aber ist es demokratiefeindlich.

Hier finden Sie das ganze bei Wikipedia noch einmal erläutert.