Ein Gedanke zu Karl Barths „Theologie von oben“

Karl Barth, ehemals Schweizer Pfarrer und Theologe, verfasste zu Lebzeiten ein so gigantisches Werk, dass es kaum noch gelesen wird, weil es zu umfassend ist.

Er ging von einer „Theologie von oben“ aus, von einer deduktiven Herleitung, wie das Wesen Gottes sei. Das Gegenteil dazu ist eine induktive Herleitung, indem man beispielsweise von Naturphänomenen auf etwas göttliches Ganzes schließt.

Karl Barth nahm den biblischen Text als Grundlage für seine theologischen Überlegungen und entwickelte von dort herab schrittweise, wie das Wesen Gottes sei. Deduktiv also.

Was mich etwas daran stört, ist die Tatsache, dass der biblische Text, anders als es beispielsweise die muslimische Vorstellung wäre, nicht wortwörtlich irgendwo im Himmel schon präsent gewesen wäre, sondern dass Theologen und Priester eigene Erfahrungen mit Gott interpretiert und aufgeschrieben haben. Sie sind also im Grunde induktiv vorgegangen. (Mich stört das nicht wirklich, denn es liegt ja in der Natur der Sache und des Menschen, aber man sollte im Hinterkopf haben, dass es Menschen waren, die dort ihre Interpretationen der göttlichen Wirklichkeit aufgeschrieben haben. Die Vorstellung, die viele Muslime haben, dass der Koran gewissermaßen wortwörtlich das göttliche Wort wiedergebe, wäre ohnehin nichts für mich.)

Aber weil eben Menschen das Göttliche interpretiert und aufgeschrieben haben, scheint es mir, dass Karl Barths Theologie im Grunde auch induktiv ist, weil sie auf induktiven Texten beruht. Von diesen Texten ausgehend ist sie dann zwar deduktiv, vom Kern her aber eigentlich nicht.

Zwar muss man Karl Barth zugute halten, dass Gott sich nach christlicher Vorstellung tatsächlich von außen innerhalb unserer Welt zeigte, in Jesus Christus nämlich. Insofern muss man ihm zugestehen, dass diese Sichtweise tatsächlich deduktiv ist. Allerdings sind die Interpretationen, was dieses Geschehen bedeute, dann doch wieder von den Theologen und Evangelisten, die sie aufgeschrieben haben, induktiv interpretiert.

So ganz deduktiv ist also, meiner Ansicht nach zumindest, Karl Barths Theologie nicht. Und rein deduktiv kann vermutlich auch niemals eine menschlich aufgeschriebene Theologie sein, weil wir zu sehr in unseren menschlichen Vorstellungen verhaftet sind. Das schließt natürlich keineswegs aus, dass Gott sich in unserer Welt gezeigt hat, in Jesus Christus beispielsweise.

Als Menschen sind wir sicher immer in unserem Anthropozentrismus gefangen und Gott ist letztlich immer größer, als wir es uns auch nur entfernt vorstellen können. Dies hat allerdings Karl Barth schön in seiner dialektischen Theologie zu Wort gebracht, indem er zwei sich scheinbar widersprechende Aussagen formulierte, die sinngemäß so gehen:

Wir sind Menschen und können als solche nicht wirklich qualifiziert von Gott reden. Wir sind Menschen und sollen aber von Gott reden.

Karl Barth sah es so, dass das Erscheinen Jesu das Ende von Religion sei, wobei Religion der Versuch des Menschen ist, sich Gott durch gewisse Riten und Vorschriften irgendwie verfügbar zu machen. Insofern liegt er einerseits sicherlich richtig, andererseits muss man aber auch hier wieder anführen, dass das Erscheinen Jesu induktiv interpretiert wurde und wird. Und wenn man dies induktiv interpretiert, baut man damit gewissermaßen auch wieder eine Art Regelwerk auf, von dem man möchte, dass es zu gelten habe, man erschafft also gewissermaßen auch wieder eine Art von Religion, ohne es wirklich zu merken, obwohl Karl Barth eben erst behauptete, durch das Erscheinen Jesu sei das Ende der Religion eingetreten.

Jesus ist somit nicht wirklich das Ende von Religion, wenngleich Jesus , selber gläubiger Jude, die jüdischen Gesetze verdichtet hat zur Gottesliebe , Nächstenliebe und Feindesliebe. Aber diese sind nun auch schon wieder Regeln und Regeln sind, wie wir eben festgestellt haben, wieder Religion.

In Jesus hat sich sicherlich Gott gezeigt, so ist es der Glaube der Christen und so würde ich es auch sehen. Aber ob er das Ende von Religion ist, wie Karl Barth das sieht, würde ich hinterfragen.

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