Der tägliche Kampf im Skischuh-Raum

In einem nicht allzu günstigen Hotel vermutet man Menschen, die eine gewisse Grundethik ihren Handlungen angedeihen lassen. Da liegt man aber falsch.

Das Problem offenbart sich da, wo Güter zu knapp sind. Das Hotel ist an sich schön, aber der Raum, wo man die Skischuhe zum Trocknen hinhängen kann, hat zu wenig Plätze zum Trocknen. Da werden manche Urlauber dann zum Tier.

Am ersten Tag sind wir noch ganz unbehelligt und gerade zu naiv. Wir kommen nach dem Skifahren in den Skischuh-Raum und alle Plätze am Skischuhwärmer sind belegt. Entweder mit Skischuhen oder mit irgendwelchen Pantoffeln oder Straßenschuhen, mit denen irgendwelche Urlauber vermeintlich ihren Platz, von dem sie glauben, dass er ja ihnen gehören müsse, reserviert haben. Wir stellen unsere Skischuhe brav auf den Boden, sollen sie doch mit weniger Wärme trocknen, sofern das möglich ist. Am nächsten Morgen sind sie leider noch nicht trocken.

Tag 2. In der Früh hängen wieder viele ihre Hausschuhe und Straßenschuhe auf den Skischuhwärmer, um ihren vermeintlichen Platz zu reservieren. Wir denken, aha, so macht man das hier, dann reservieren wir uns auch solche Plätze und hängen unsere Schuhe dorthin. Nach dem Skifahren kommen wir zurück und siehe da, unsere Schuhe hängen nicht mehr dort, sondern Skischuhe von anderen Leuten. Unsere Schuhe stehen auf dem Boden.

Tag 3. Wir kommen vom Skilaufen zurück und drei Skischuhwärmer sind noch ohne Skischuhe, nur mit Pantoffeln belegt, ansonsten ist alles voll. Wir haben gelernt, aha, man hängt die Pantoffeln ab und hängt die eigenen Skischuhe hin. Doch was ein Trugschluss. Am nächsten Tag finde ich meine Skischuhe heruntergeworfen und wüst in der Gegend herumliegen.

4. Tag. Es ist mir zu dumm, nun einen Krieg anzufangen. Ich reserviere zwar auch mit meinen Straßenschuhen wieder einen Skischuhwärmer, bin aber nicht irritiert, als ich am späten Nachmittag zurückkomme und meine Schuhe wie selbstverständlich wieder am Boden stehen und jemand anders seine Skischuhe dort aufgehängt hat.

Ich könnte jetzt einen Krieg anfangen, aber warum. Mit den Schwaben hier im Haus? Den Tschechen? Den Italienern? Den Deutschen? Wobei Schwaben ja eigentlich auch so eine Art Deutsche sind.

Egal. Wir stellen unsere Skischuhe auf ein Regal, auf dem der Heizofen steht und hoffen, dass sie dort auch ein wenig trocknen können.

Schade eigentlich, dass Menschen, sobald sie glauben, ihnen würde auch nur ein bisschen etwas weggenommen, gleich zum Tier werden müssen. Aber so sind sie, die Menschen. Obwohl sie sich mitten im Urlaub und im Paradies befinden, gönnen sie es ihren Mitmenschen nicht, dass diese auch ein Stück vom Glück haben. Der eigene Vorteil geht vor. Immer.

Ich überlege mir, ob ich in der Bewertung des Hotels ein wenig darauf eingehen werde, auf dieses Thema. Ich bin mir noch nicht sicher. Letztlich meine ich es der Belegschaft im Hotel, die wirklich freundlich und zuvorkommend ist, ja auch immer gut. Und was können die dafür, dass die anderen Hotelgäste so zum Tier werden?

Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall froh, wenn ich diese sogenannten Gäste, von denen viele auf ihrem freizeitlichen Egotrip sind, dann nach dem Urlaub auch nicht mehr sehen muss.

Diese kehren dann nach ihrem Urlaub zurück in ihr Berufsleben, wo sie sich beschweren, dass sie so von ihrem Chef gedrückt und unterdrückt werden und sie schwören sich, nie so sein oder werden zu wollen und nur auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein, wie der Chef. Ihr Vorsatz hält so lange, bis es um die eigenen Skischuhe geht. Und also um den eigenen Vorteil.

Schade eigentlich. Denn der Ansatz von ihnen war ja ursprünglich nicht schlecht. Diese Leute möchte man beispielsweise nicht auf der Titanic erleben, wenn es um den letzten freien Platz im Rettungsboot geht.

Homo homini lupus est. Und das mitten im Urlaubsparadies.

Wäre ich Gott, würde mir vielleicht schon mal wieder der Gedanke einer Sintflut in den Kopf schießen.

Aber ich bin ja nicht Gott, was ein Glück. Der muss ja noch viel üblere Dinge in Bezug auf die Menschen verkraften. Wer einmal Krieg beispielsweise erlebt hat, weiß, was das Böse ist. Das Böse ist, die Grenzen des Mitmenschen nicht zu respektieren. Aber das sieht man ansatzweise schon im Kleinen, beispielsweise im Skischuh-Raum.

PS, die Straßenschuhe im Vordergrund auf dem Bild, die irgendjemand da auf den Boden gestellt hat, um einen schönen warmen Platz für seine Skischuhe zu ergattern, sind übrigens meine.

Ich denke mir, ein wenig zynisch vielleicht, was der ein oder andere Urlauber unten im warmen Pool so denkt, wenn er dort im feuchten Nass schwimmt. Zum einen hat er sicherlich seine warmen und trockenen Skischuhe im Sinn, zum anderen macht er sich vielleicht Gedanken über den Sommerurlaub, vielleicht am Mittelmeer. Und dann beunruhigt es ihn auch sogleich: kann man denn am Mittelmeer überhaupt noch Urlaub machen? Wenn da diese ganzen Flüchtlinge laufend ertrinken? Was denen denn einfällt, immer genau dort zu ertrinken, wo man doch baden möchte. Können die das nicht woanders machen.

5 Comments

  1. Ist das Egoismus und schlechte Erziehung, trüben die Köpfe anderer. Es ist schade, dass sie nicht wissen, wie man sie teilt.

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