Wie ist Gott? Und sind wir nach dem Tod eigentlich tot?

Karl Barth, der schweizer Dorfpfarrer und große Theologe, hatte eine umfangreiche Abhandlung über das Wesen Gottes geschrieben, seine kirchliche Dogmatik in 13 gewaltigen Bänden auf etwa 9300 Seiten.

Ein Witz zu Karl Barth und Gott geht in etwa wie folgt.

Kommen der Papst und Karl Barth nach ihrem Tod zu Gott. Beide Theologen sind sehr gespannt, wie Gott denn wirklich ist, wo sie ihm nun endlich nach ihrem Tod von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen können.

Gott bittet zuerst den Papst zu sich in seine Residenz. Nach einer halben Stunde kommt der Papst herraus, schüttelt den Kopf, fasst sich mit der Hand immer wieder an die Stirn und sagt, oh meine Güte, wenn ich das gewusst hätte! Wie konnte ich mich über Gott nur so irren!

Danach geht Karl Barth zu Gott. Es dauert eine halbe Stunde. Eine Stunde. Zwei Stunden. 5 Stunden. Nach 8 Stunden öffnet sich die Tür und Gott kommt heraus: meine Güte, wenn ich das gewusst hätte! Wie konnte ich mich über Gott nur so irren!

Hat Karl Barth also erfasst, wie Gott wirklich ist?

Gott ist für uns Menschen das völlig Unfassbare. Wir können ihn nur ansatzweise verstehen, weil er sich in Jesus uns Menschen gezeigt hat.

Nach dem evangelischen Theologen Jürgen Moltmann könnte es so sein, dass Gott Vater, Jesus der Sohn und der Heilige Geist miteinander in einer vitalen Beziehung stehen, deren Wesen die Liebe ist. Gott ist somit, so der christliche Glaube, kein Solitär, sondern ein auf Beziehung ausgerichtetes Sein, das in sich noch einmal in eine Dreiheit selbst differenziert ist. Moltmann sieht es so, dass Gott in seiner Dreiheit, der Trinität also, aufgrund der Beziehung zueinander in sich selbst Raum schaft für alles, was existiert, also für das ganze Universum und auch den Menschen.

Wenn man diesen Gedanken einmal weiterdenkt, kann man sagen, wir können niemals tiefer fallen, als in die Hände Gottes.

Es gibt noch ein paar weitere Gedanken in diese Richtung. Der mittlerweile verstorbene Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker war der Meinung, dass alles, was existiert, Geist ist, also etwas Geistiges.

Eine solche Sicht, also ein Monismus, bei dem es nur eine einzige ontologische Wirklichkeit gibt, würde so manche Probleme beseitigen können, nämlich beispielsweise das Leib-Seele-Problem. Denn wie könnte die Seele oder das Bewusstsein, das wir Menschen ja haben, mit einem materiellen Körper interagieren, wenn sie nach der klassischen Vorstellung eines Dualismus doch eigentlich etwas rein Immaterielles ist? Dass wir Menschen ein Bewusstsein haben, wissen wir, und ein Bewusstsein ist nahe dran an der Vorstellung von einer Seele.

Was aber ist Materie? In der Quantenphysik gibt es das Doppelspaltexperiment, das deutlich macht, dass Elektronen einerseits wie kleine Murmeln sind oder sich zumindest so verhalten, andererseits aber auch nur Energiewellen sind, je nach Betrachtungsweise, sie können beides zugleich sein. Diesen Befund kann man so interpretieren, dass es eben keinen Dualismus zwischen Materie und Geist gibt, sondern es nur eine einzige Wirklichkeitsform gibt, die sich zwar unterschiedlich zeigen kann, aber letztlich etwas rein Geistiges sein könnte.

Denn in einer rein materialistisch gedachten Welt, in der man kleinste Elementarteilchen als Murmeln verstehen wollte, würde es keinen Raum für Bewusstsein geben. Der Mensch, rein materialistisch gedacht, wäre eine Maschine, in deren Kopf aber kein Ich zu Hause wäre, der Mensch wäre also ein Bewusstseins-Zombie.

Wir Menschen haben aber Bewusstsein, auch, wenn es von Seiten irgendwelcher Forscher einmal die These gab, das Bewusstsein sei ja nur eine Illusion. Hier kann man gleich einhaken und fragen, für wen wäre denn diese Illusion dann? Für das Ich nämlich. Und das Ich ist real, das spüren wir.

Ein weiteres Paradoxon ist der Urknall. Vor dem Urknall, so sagt derzeit immer noch das naturwissenschaftliche Standardmodell, gab es vermutlich weder Raum noch Zeit, es gab nichts. Dies widerspricht aber andererseits jeder innerweltlichen Logik.

Es gibt also ein paar gute Gründe, anzunehmen, dass hinter aller Existenz Gott steht, wenn man diese ganzen Befunde einmal theologisch interpretieren möchte.

In der Genesis der Bibel wird der theologische Gedanke vertreten, dass Gott den Menschen zu seinem Ebenbild schuf.

In der stoischen Philosophie gibt es den Gedanken, dass aus einem göttlichen Urgrund ein göttlicher Seelenfunken in einen menschlichen Körper hinein kommt, wie in ein Gefäß. Nach dem Tod des Körpers kehrt der Seelenfunken zurück in den göttlichen Urgrund.

Wenn man diesen Gedanken einmal weiter denkt, ist es quasi ein Teil Gottes selbst in uns Menschen, der all das erlebt, was wir erleben. In diesem Sinne müsste man nicht mehr fragen, warum Gott nicht eingreift oder warum er dies oder das zulasse, weil Gottes es höchstpersönlich ist, der all dies erlebt. Das Göttliche in uns, die wir zum Ebenbild Gottes geschaffen sind. Wir sind nicht Gott, aber ein Fünkchen Gottes leuchtet in uns.

In diesem Sinne würde auch die Ethik Jesu in einem ganz neuen Licht zu verstehen sein: liebe Gott von ganzem Herzen und ganzer Seele und deinen Mitmenschen wie dich selbst. Und Liebe sogar deine Feinde. Der Gedanke wäre, dass Gott in allem steckt und wir mit allem gut umgehen müssen, weil wir letztlich selber ein kleines Fünckchen Gottes sind.

Dieses Fünckchen könnte man vielleicht auch für unser Bewusstsein heranziehen. Denn es ist ja die Frage, wer oder was in uns eigentlich das Bewusstsein hat. Vielleicht ist es dieser göttliche Seelenfunke.

Wie auch immer, denken wir an den Witz zu Beginn über Karl Barth. Wir können eine Menge über Gott nachdenken, ganz erfassen, wie er ist, können wir wahrscheinlich nie.

Aber was wir von Gott wissen, indem er sich uns in Jesus gezeigt hat, ist zumindest, dass er gnädig ist und gütig und dass er uns Menschen liebt. Und so haben wir die Hoffnung, dass wir niemals aus der Liebe Gottes herausfallen können, weder im Leben noch im Tod. Wie schon Paulus sagte: lebe ich, so lebe ich Gott und sterbe ich, so sterbe ich Gott. So ob ich nun lebe oder tot bin, ich bin in Gott. Und darauf kommt es an.

In diesem Gedanken steckt übrigens meiner Ansicht nach auch drin, dass tot oder lebendig nur menschliche Begriffe sind, deren Wesen wir gar nicht richtig erfassen können. Das Wesentliche ist, dass wir in Gott sind. Und wenn wir in ihm sind und aus ihm nicht herausfallen können, so sind wir in seiner Ewigkeit und Liebe und etwas besseres kann uns vermutlich überhaupt nicht passieren.

Oder wie Paulus es im Römerbrief Kapitel 8 sagt:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

2 Comments

  1. Der Witz ist cool!

    „Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“ ist, seit ich den Satz von Käßmann gehört habe, einer meiner absoluten Lieblingssätze.

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